Foto: Heidepriem

Mühlheimer Jugendclub protestiert gegen Auflagen der Stadt und stellt Baum zum letzten Mal auf.

Sulz-Mühlheim - Von der Tradition zur Protestaktion – so könnte man in Kürze beschreiben, was sich in der Nacht auf den 1. Mai vor dem Mühlheimer Rathaus abspielte. Dort kürzte der Jugendclub aus Protest gegen die Vorgaben der Stadtverwaltung den Baum um fast die Hälfte.

"Eine Ära geht zu Ende", hört man aus den Reihen des Jugendclubs in der Mainacht. Dienstagnacht wurde in Mühlheim traditionell der Maibaum gestellt. Ein letztes mal. Jugendclubvorsitzender Philipp Stein hielt eine Rede mit den Hintergründen der Entscheidung, bevor ein drastisches Zeichen gesetzt wurde. Aus Protest gegen die Vorgaben der Stadtverwaltung wurde der bereits vorbereitete Maibaum unter Augen zahlreicher Anwesenden stückweise verkleinert – von etwa 14 Metern auf nur noch acht. Auch ein handgebundener Kranz fehlt.

Schnell steht der Baum. Zum dritten Mal in Folge ohne Erlaubnis, wie die Anwesenden schildern. Ein weißes Schild soll verwunderten Betrachtern auch in den Tagen danach Auskunft geben: "Ohne Tradition – ohne Uns."

Wie die Helfer erzählen, empfinden sie die Maßnahmen der Stadt als Gängelung. Obwohl sich in den vergangen Jahren einiges beim Thema Sicherheit getan habe, verlange die Stadt, dass eine "Erklärung über die Freistellung von Ersatzansprüchen" unterschrieben wird. Das geht ihnen entschieden zu weit.

Doch nicht nur dieses Problem macht dem Jugendclub Mühlheim zu schaffen – auch die sinkende Zahl an aktiven Mitgliedern hindere den Jugendclub am Stellen des Baums. In den vergangenen Jahren mussten die teilweise mehr als 30 Jahre alten ehemaligen Mitglieder des Jugendclubs helfen, den Baum zu stellen. Und die haben das, wie sie erzählen, bisher gerne gemacht – bis die Bürokratie kam.

Wie der Vorsitzende mitteilt, sei die Entscheidung definitiv. Es wird künftig keinen Maibaum mehr in Mühlheim geben. Untermalt wird das drastische Ende durch das Zersägen der Schwalben, die schon seit etwa 30 Jahren zum Einsatz kommen.

Tags darauf zeigt Ortsvorsteherin Barbara Klaussner im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten Verständnis für den Protest des Jugendclubs. Sie sei froh, dass dieses Jahr noch ein Baum steht. Wie es jetzt weiter geht, könne sie noch nicht sagen. Klaussner sei aber für klärende Gespräche offen und betont, dass die Ortschaftsverwaltung weisungsgebunden sei.

Im Gespräch wird auch klar: Bevor man – wie in anderen Ortschaften – den Baum von einer beauftragten Firma stellen lässt, wird es keinen Maibaum mehr geben. Denn, das Fällen, Vorbereiten und Lagern des Maibaums innerhalb der Dorfgemeinschaft sei in ihren Augen integraler Bestandteil der Tradition.