Kommunales: Karl Wezel und das Regierungspräsidium Freiburg zu Hochwasserrückhaltebecken

Die Hochwassergefahrenkarten (HWGK) des Landes zeigen, dass in den Ortslagen von Sulz sowie einiger Stadtteile im Falle größerer Hochwässer mit massiven innerörtlichen Überflutungen durch den Neckar zu rechnen sei.

Sulz. Für den Hochwasserschutz in Sulz am Neckar ist die Vorplanung abgeschlossen. Diese Ergebnisse wurden dem Gemeinderat der Stadt Sulz im November in öffentlicher Sitzung vorgestellt. Der Gemeinderat hat dem Maßnahmenkonzept, mit dem der Schutz vor einem 100-jährlichen Hochwasser hergestellt werden kann, zugestimmt.

Für Karl Wezel aus Mühlheim ist das wesentliche Element des technischen Hochwasserschutzes ein Hochwasserrückhaltebecken (HRB). Rückhaltemaßnahmen zielen darauf ab, die Scheitelabflüsse zu reduzieren und dadurch die Wasserspiegellagen bei Hochwasser zu senken.

Sie haben den Vorteil, dass sie nicht nur lokal, sondern je nach Wirkungsgrad über mehr oder weniger lange Gewässerstrecken unterhalb ihre Wirkung entfalten können.

Wezel ist kein Unbekannter im Mühlbachtal. Schon seit rund 40 Jahren ist der ­ rüstige Rentner in der Hauptsache mit der Reinigung der Autobahnabwässern beschäftigt. Als Hobbyangler im Mühlbach ist ihm damals schon aufgefallen, dass die Autobahnabwässer ungeklärt in den Mühlbach fließen. Nur durch seine Hartnäckigkeit wurden zwei Klärbecken unterhalb der Autobahnbrücke zwischen Mühlheim und Renfrizhausen gebaut.

Nach langem Drängen von ihm hat Klaus Gaiselmann vom Umweltschutzamt im Landratsamt Rottweil den Einbau eines Lamellenabscheider mit einer kombinierten Sand/Absorberschicht unter der Mühlbachbrücke, zugesagt.

Für Wezel muss beim Hochwasserschutz für den Neckar der gesamte Flusslauf samt Nebenflüssen und Bächen mit den jeweiligen Einzugsgebieten in Betracht gezogen werden. Zudem müssen nach Wezels Ansicht die verschiedenen Regierungsbezirke zusammenarbeiten.

Blick auf die Eschach

Für den größten Nebenfluss des Neckars mit dem größten Einzugsgebiet, die Eschach, sollte nach Meinung des Rentners ebenfalls ein Rückhaltebecken gebaut werden: "Was oben an Wasser abgenommen wird, kommt weiter unten schon nicht an."

Um die lokalen Hochwassermaßnahmen mit Damm­erhöhungen und Hochwasserschutzmauern zumindest in deren Anzahl und Höhen zu reduzieren, fordert Wezel Rückhaltebecken in Schlichem und Mühlbachgebiet.

Beispiel Neufra

Als Beispiele nennt Wezel den Bau eines Rückhaltebeckens oberhalb von Neufra an der Prim. Das Hochwasser 1990 war der Grund für die Gründung des Zweckverbands Hochwasserschutz im Einzugsbereich der Glatt im Jahr 2000. Drei Stauanlagen sollen verhindern, dass es an der Glatt zu einem Hochwasser kommt.

"Wenn jede Stadt ihr eigenes Süppchen mit Dämmen und Betonmauern kocht, wird es keine Entlastung für die nachfolgenden Gebiete geben", ist sich Wezel sicher. Mit den Rückhaltebecken könnte man das Wasser dosiert wieder ablaufen lassen.

Damit würden alle 367 Kilometer von der Quelle im Schwenninger Moos bis zur Mündung in den Rhein bei Mannheim profitieren. Wezel verspricht sich schon vom Zusammenspiel der beiden Sulzer Stauwehre Entlastung von Hochwasserspitzen.

Wenn Hochwasser vom Pegel in Rottweil gemeldet wird, sollte das Wehr neckarabwärts geöffnet und Wasser abgelassen werden. Das ankommende Hochwasser hat nun Platz, bis der alte Anstauzustand wieder erreicht ist. Zudem hat das Regierungspräsidium (RP) Freiburg im ersten Bearbeitungsschritt untersucht, ob geeignete Standorte für Hochwasserrückhaltebecken (HRB) im Einzugsgebiet des oberen Neckars überhaupt vorhanden seien.

Dabei kommt das Amt auf die folgenden Ergebnisse: Mit Standorten an kleinen Nebengewässern und Standorte weit oben im Oberlauf werden sich wegen des kleinen Einzugsgebietes keine signifikanten Abflussreduzierungen im Neckar erreichen lassen. Es war daher ausreichend, die Standortsuche auf den Neckar selbst und die Mündungsbereiche der größeren Nebengewässer zu konzentrieren.

"Nicht sinnvoll"

Eine genaue Berechnung der Wirkung von HRB-Standorten ist nur mit einem hydrologischen Flussgebietsmodell möglich, was in so einem frühen Projektstadium aber einen unverhältnismäßig großen Aufwand bedeutet hätte. Um Standorte mit unzureichender Wirkung dennoch ausschließen zu können, fand eine Abschätzung über die Einzugsgebietsfläche statt, schreibt das RP.

Zusammenfassend zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass Beckenlösungen zum Schutz von Epfendorf, Oberndorf oder Sulz aufgrund einer unzureichenden Wirksamkeit nicht sinnvoll seien. Bei Lösungen mit einem Becken lasse sich der Wasserstand in den drei Ortslagen um etwa zehn Zentimeter, bei Lösungen mit zwei Becken um etwa 20 Zentimeter reduzieren.

Dadurch könne auf (fast) keine der im Rahmen der ­hydraulischen Lösungsfindung (lokaler Hochwasser-Schutz) vorgeschlagenen Maßnahmen verzichtet werden, resümiert das Regierungspräsidium.

Die wirtschaftliche Seite

Dass HRB-Lösungen auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht sinnvoll sind, zeigen Referenzprojekte. So werden aktuell in vergleichbaren Untersuchungen (Rems, Freiburg) Beckenlösungen geplant. Die Kosten für diese Einzelbecken liegen in der Größenordnung von zwölf bis 15 Millionen Euro. Bei Lösungen am Neckar mit zwei Becken ist entsprechend mit Kosten in der Größenordnung von 25 bis 30 Millionen Euro zu rechnen.

Nicht berücksichtigt wurden dabei ökologische (Schutzgebiete) oder geologische Aspekte. Zusammenfassend wurden daher HRB-Lösungen als nicht sinnvoll verworfen. Empfohlen wird entsprechend, den Hochwasser-Schutz über lokale HWS-Maßnahmen herzustellen.

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