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Sulz a. N. Jurist, Regierungsberater und Autor

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Hans-Josef Wehl kommt immer wieder in die Heimat zurück.Fotos: Steinmetz Foto: Schwarzwälder Bote

Sulz-Glatt. Ein Musterknabe war Hans-Josef Wehl nicht. Er erzählt bei seinem jüngsten Besuch, wie er beim Kirschenklauen auf dem Glatter Oberhof den Feldschütz ausgetrickst hat. Das Wasserschloss diente den Kindern als Spielplatz. Eine schmerzhafte Erinnerung: An der Falltür im Innenhof hat er sich einen Finger eingeklemmt. Die Fingerkuppe musste der Arzt in Horb amputieren.

"Aus dem Menschen konnte nichts anderes werden als ein Jurist", sagt er selbstironisch. Und Autor: Wehl hat ein "Sudelbüchlein" herausgebracht mit dem Titel "Einfälle über Ausfälle". Es enthält rund 100 Aphorismen, mit denen er zumeist knapp und treffend seine Gedanken zum Ausdruck bringt. Wehl nimmt kein Blatt vor den Mund, er schreibt, wie er es empfindet und scheut auch nicht eine derbere Wortwahl. Was haben schwäbischer Sex und Kehrwoche gemeinsam?, fragt er. Die Antwort: Beides werde in Schwaben pflichtbewusst und lustlos einmal im Monat absolviert. Er setzt sich mit der schwäbischen Sexualaufklärung auseinander, von den Affen in der Stuttgarter Wilhelma bis zu den Bienen. "Wie sie es machen, weiß ich bis heute nicht", gesteht er. Wehl neigt zum Zynismus, daraus macht er keinen Hehl. Das hängt auch mit seinen Lebenserfahrungen zusammen. Zyniker sind für ihn "frustrierte Humanisten". Besonders dann, wenn der Rechtsstaat "wieder einmal zugeschlagen" hat und der gesunde Menschenverstand auf der Strecke bleibt. "Manchmal kostet es das Leben. Nur: Das Rechtsgefühl kam noch einmal mit dem Schrecken davon", stellt der Jurist fest.

In einem längeren Aphorismus setzt er sich im Gespräch mit einer Metzgerei-Verkäuferin mit "Hirn" auseinander. Ob’s ein bisschen mehr sein darf? Am Ende ist das Hirn aber doch nur "für die Katz". Wehl spielt mit Worten, findet überraschende Wendungen und bringt die Aussagen auf den Punkt – und dies zu verschiedenen Themen. Der Autor macht sich Gedanken über Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, die Schwaben besonders und Alltägliches. Sein ehemaliger Deutschlehrer in Horb, Egon Gramer, selbst ein Schriftsteller, habe ihn zu diesem Büchlein bestärkt.

Wehl, der heute im pfälzischen Landau wohnt, ist in Glatt 1947 geboren worden. Er kommt immer wieder gern in seine Heimat zurück. Sein Vater, Hans Wehl, hatte im Zweiten Weltkrieg in Russland die rechte Hand verloren. Mit "links" legte er die Prüfung zum Gipsermeister ab. Später restaurierte er katholische Kirchen im ganzen schwäbischen Raum. Im Alter von 59 starb er. Der "Bub" hätte auch Gipser werden sollen, doch er entschied sich "lieber für Jura". Ob es klug war, lässt der 72-jährige heute offen.

Viele Erinnerungen verbinden ihn nach wie vor mit dem Heimatort. Paul Kälberer war sein Nachbar. Der Glatter Künstler hat Wehl 1964 als Jugendlichen gemalt. Der Porträtierte schenkte das Bild der Ortschaft Glatt. Ortsvorsteher Helmut Pfister hat es im Heimatmuseum des Wasserschlosses kürzlich aufgehängt. Kälberer sei für ihn der "klassische Intellektuelle" gewesen. Wehl beschreibt ihn als einen sympathischen und zurückhaltenden Menschen.

In seiner Jugend war er Ministrant. Er kannte aus der Zeit den aus Glatt stammenden und in Freiburg lehrenden Theologieprofessor für Dogmatik, Friedrich Stegmüller. "Er kam immer an Feiertagen nach Glatt und las die Messe. Dann habe ich ihm als Ministrant assistiert", berichtet Wehl. Der Lohn dafür: eine Mark und eine Tafel Schokolade.

Der Plasmaphysiker und Professor an der Universität Ulm, Hans Gruhler, ist sein Vetter. Dessen Bruder Rolf Gruhler, legendärer Strafrichter in Horb, habe er es zu verdanken, dass er die juristische Laufbahn eingeschlagen habe. Wehl studierte nach dem Abitur am Horber Gymnasium Rechts-, Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften an den Universitäten in Tübingen, Genf und Konstanz. Zwischen 1979 und 1991 leitete er die Export- und Vertragsabteilung der Elb-Schliff GmbH. Das Unternehmen beschäftigte damals 800 Mitarbeiter.

Sachsens damaliger Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hat ihn 1991 als Regierungsberater angeworben. In der Funktion war er in Dresden dem Wirtschaftsminister Kajo Schommer persönlich unterstellt. "Das war meine schönste Zeit", sagt Wehl. Sie endete nach Ablauf des vierjährigen Beratungsvertrags. Wehl, der fließend französisch spricht, pflegte danach unter anderem Kontakte zum französischen Wirtschaftsministerium in Paris. Zuletzt war er bis 2017 Notgeschäftsführer des Registergerichts Aschaffenburg.

Er blickt auf ein bewegtes Leben, das auch von privaten Schicksalsschlägen gezeichnet ist, zurück. Dass er nebenher noch Buchautor geworden ist, entwuchs seinem Bedürfnis, so "zu schreiben, wie der Schnabel gewachsen ist".

Das Buch: Hans J. Wehl, "Einfälle über Ausfälle", IFB Verlag Deutsche Sprache GmbH, ISBN 978-3-942409-19-3

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