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Sulz a. N. Hochwasserschutz in Fischingen erfordert schwere Eingriffe

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Interessiert verfolgen die Fischinger Bürger im Freien den Vortrag der Planer zum Hochwasserschutz.Fotos: Steinmetz Foto: Schwarzwälder Bote

Sulz-Fischingen. Die geschätzten Kosten für den Hochwasserschutz in Fischingen liegen bei mehr als acht Millionen Euro (einschließlich Mehrwertsteuer). Was geplant ist, interessierte am Donnerstagabend mehr als 50 Bürger. Trotz ausführlicher Vorstellung der Planung sind noch etliche Fragen offen.

Es geht um den Schutz bei einem 100-jährlichen Hochwasserereignis (HQ 100). Daniel Elsässer vom Regierungspräsidium Freiburg machte deutlich, dass es sich hierbei um einen statistischen Wert handele. Es könne auch zweimal in 100 Jahren auftreten oder gar nicht. Die Schutzmaßnahmen sind darauf jedoch ausgelegt. Zu berücksichtigen ist dabei ein "Klimazuschlag" – eine zusätzlich Sicherheit. Wenn nötig, könnten die Hochwasserschutzmauern erhöht werden.

Von Hochwasser werden die Fischinger immer wieder heimgesucht. Elsässer zählte mehrere Ereignisse auf: Das schlimmste Hochwasser war 1953, als die Brücke einstürzte. Dieses rechnete er der Größenordnung HQ 50 zu. Das Jahrhunderthochwasser im Glatttal 1990 erreichte Fischingen mit einer Stärke von HQ 20. Bei einem zehnjährlichen Ereignis stehe der Sportplatz 30 Zentimeter unter Wasser, veranschaulichte Elsässer. Er wies auf die schwierige Ortslage hin, die im engen Tal mit der Bahnlinie und der Straße für die Hochwasserschutzmaßnahmen eine Herausforderung darstelle.

Für Regenrückhaltung 15 Standorte erkundet

Die Hochwassergefahr bereits oberhalb des Neckars zu mindern, ist den Berechnungen zufolge nicht möglich. Für Regenrückhaltebecken seien 15 Standorte erkundet worden. Zwölf davon konnten, so Elsässer, ausgeschlossen werden, drei seien am Neckar, an der Eschach und an der Schlichem näher untersucht worden. In solchen Becken kann das Hochwasser zwischengespeichert und dann kontrolliert abgegeben werden. Das Ergebnis der Flussgebietsuntersuchung auf einer Fläche von mehr als 1000 Quadratkilometern sei gewesen, dass die drei Standorte kaum eine Wirkung für Fischingen brächten und deshalb verworfen worden seien. Es mussten technische Maßnahmen im Ort gesucht werden. Diese erläuterte Norbert Gollasch vom Büro Inros Lackner.

Mauern nicht viel höher als einen Meter

Eine Vorgabe für die Planer war, dass die Mauern nicht wesentlich die Höhe von einem Meter übersteigen. Neben Dämmern und einer Flutmulde auf der Wiese unterhalb des Feuerwehrhauses ist das nur zu erreichen, wenn die Sohle des Neckars tiefer gelegt wird, angefangen beim Wehr bis hinter die Brücke beim Kajakverleih. Oben wird die Sohle um 1,5 Meter abgegraben. Sie verflacht sich dann bis zum Ortsende und geht in das ursprüngliche Flussbett über. Zu diesem Thema gab es die meisten Fragen und auch Befürchtungen. Es handelt sich auch um einen sehr wesentlichen Eingriff in das Gewässer. Elsässer räumte ein, dass dieses Vorhaben sicher noch Gespräche mit der Naturschutzbehörde erfordere.

Während der Versammlung stellte sich vor allem die Frage, wie nachhaltig die Sohleeintiefung ist. Wird nicht irgendwann wieder Material angeschwemmt? Da hakte auch Bürgermeister Gerd Hieber nach. Das Wehr sei eine Art Zäsur und halte das Geschiebe ab, sagte Gollasch. Die Vertiefung des Bachbetts sei nachhaltig, allerdings hänge das von der Zahl der Hochwasserereignisse ab. Ohne die Abgrabung bräuchte man Mauern bis zu einer Höhe 1,60 Metern. Überzeugen konnte der Planer nicht alle. Edwin Bailer verwies auf die oberhalb liegenden Kiesbänke, die bei Hochwasser abgetragen werden könnten.

Eine Zuhörerin befürchtete, dass durch die Tieferlegung der Sohle alte Häuser unterspült werden und Risse erhalten könnten. Durch eine Baugrunduntersuchung soll das, so Gollasch, verhindert werden. Für jedes Gebäude werde der aktuelle Zustand aufgenommen. Falls doch Schäden aufträten, müsse die Kosten dafür nicht der Eigentümer tragen.

Genehmigungsverfahren kann sich hinziehen

Kraftwerksbetreiber Eberhard Oehler bedauerte, dass er, "recht spät", erst Ende 2019 von den Hochwasserschutzplänen erfahren hat. Da habe er schon mit den Planungen für das Wasserkraftwerk begonnen. Er teilte mit, dass er den Triebwerkskanal stilllegen wolle. Damit könnte man den Hochwasserschutz anders gestalten. Elsässer meinte dazu, dass die Kanalgestaltung ein Thema für die Stadt sei.

Nachgefragt wurde auch, ob das Hochwasser wieder im Ort ablaufen könne. Dieses Problem lösen die Planer unter anderem mit Drainagen. Über sie werde das Wasser zu einem Pumpwerk abgeführt.

Wann mit den Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz begonnen wird, konnte Elsässer nicht sagen. Das hänge vom Genehmigungsverfahren ab, und das könne sich bis zu zwei Jahre hinziehen. Anschließend müsse die Finanzierung geklärt werden. Das Land werde 70 Prozent der Kosten übernehmen, 30 Prozent die Stadt. Etliche Details sind ebenfalls noch nicht geklärt. Ob der Aushub nochmals verwendet werden kann, dazu habe man sich bislang keine Gedanken gemacht. "Entschädigungen werden auch ein Thema sein", erklärte Elsässer. Neben Grunderwerb seien beispielsweise Dienstbarkeiten denkbar.

Die Planer haben vier Varianten erarbeitet. Die letzte, die eine ökologische Verbesserung enthält, sei jetzt so ausgereift, dass man damit Anliegergespräche führen könne, teilte Hieber mit. Die Umsetzung sei aber noch nicht beschlossen.

Die Entwurfsplanung ist bereits dem Gemeinderat vorgestellt worden (wir berichteten). Die Informationsveranstaltung war der nächste Schritt. Sie fand vor der Turn- und Festhalle im Freien in der prallen abendlichen Hitze statt. Danach gingen mit Ortsvorsteher Jürgen Huber noch etwa 25 Interessierte zum Feuerwehrhaus, um neuralgische Punkte zu besprechen. Er hofft auf weitere konstruktive Diskussionen.

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