Dokumentation: Römer trafen vor 1650 Jahren auf Alamannen / Schauplatz könnte bei Sulz gewesen sein
Mit einer Dokumentation im "Schlössle" in Glatt erinnert Siegfried Esslinger an ein Ereignis, das sich vor 1650 Jahren abgespielt hat. Im Jahr 368 nach Christus fand die Schlacht bei Solicinium statt.
Sulz-Glatt. Die Historiker rätseln, wo sich dieser Ort befand. Eine Mutmaßung ist, dass der Schauplatz der Auseinandersetzung zwischen Römern und Alamannen bei Sulz war. Jedoch kommen dafür noch andere Orte in Frage, unter anderem Sülchen bei Rottenburg oder die Villa Rustica in Stein bei Hechingen. Siegfried Esslinger ist jedoch überzeugt: In Sulz haben sich Römer und Alamannen bekriegt. Die Römer hatten gewonnen, allerdings unter großen Verlusten.
Das römische Kastell in Sulz war schon vor fast 100 Jahren aufgegeben worden, als Kaiser Valentinian I. Mainz eroberte, um dann eine Offensive gegen die immer wieder über den Limes drängenden Alamannen zu starten. Darüber berichtet der Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus. Esslinger hat dessen Chronik mit deutscher Übersetzung auf einem der Tische im "Schlössle" ausgelegt.
Erwähnt wird der kriegerische Akt auch in der Köhler’schen Chronik. Der Autor bezieht sich dabei auf Sattlers Geschichte von Württemberg aus dem Jahr 1767 und Kolbs Lexikon von 1814.
Der Ammian’schen Chronik zufolge ist die Schlacht auf einem Berg ausgetragen worden. Dies würde ganz gut zu dem zehn Kilometer langen Höhenrücken zwischen Weiden und Fischingen passen. Auf dem verlief die Römerstraße von Waldmössingen her bis zur Pfahljochbrücke in Neckarhausen. Hier könnten Römer und Alamannen aufeinandergetroffen sein.
Dass auf dem sogenannen "Langebuch" einiges los war, zeigt Esslinger anhand von Fotos. Da gibt es die keltische Viereckschanze, Keltengrabhügel, alamannische Gräber oder auch einen Burghügel ("Motte"). Das seien allerdings keine Neuentdeckungen, sagt Esslinger.
Bereits 1972 hat er auf der Breite, oberhalb von Glatt, einen Acker mit Mauer, so hieß es im Kaufvertrag, ersteigert. Das weckte natürlich seinen Forscherdrang. Esslinger suchte nach der Mauer – und fand etliche Reste davon. "Das ist meine Entdeckung", erklärt er. Landwirte hätten ihm versichert, dass die Mauern nicht von ihnen errichtet worden seien.
Esslinger könnte sich vorstellen, dass sie aus der Alamannenzeit stammen. Später habe die Breite wohl als Steinbruch gedient. Die Mauersteine seien möglicherweise zum Häuserbau in Glatt verwendet worden, eventuell auch zum Bau des Schlosses.
Die Dokumentation zeigt, dass auf dem Höhenrücken mit der alten Römer- und Handelsstraße früher viel Betrieb war. Die Mauern auf der Breite sind für Esslinger mit ein Beleg dafür. Ob entlang der antiken Straße auch gekämpft wurde, das bleibt offen. Esslinger hofft, dass die Forschungen fortgesetzt werden und neue Erkenntnisse gewonnen werden. Vielleicht gibt seine Dokumentation dafür auch einen Anstoß. Die Ausstellung mit vielen Fotos und Schriften wird am Samstag, 29. September, um 18 Uhr im "Schlössle" eröffnet. Siegfried Esslinger gibt eine Einführung. Am Sonntag, 30. September, ist nochmals von 14 bis 17 Uhr geöffnet.