Leerstände in der Kernstadt häufen sich / Wirtschaftsförderer Hartmut Walter hofft auf Sanierung älterer Gebäude

Von Cristina Priotto Sulz. Droht dem Sulzer Stadtkern ein Dornröschenschlaf? Zumindest hat sich die Zahl der leerstehenden Geschäfte in den vergangenen Monaten erhöht. Neue Magnetwirkung geht dafür von den Händlern in den "Neckarwiesen" aus.Wer durch die Innenstadt bummelt, schaut immer wieder in die Röhre: Hinter etlichen Schaufenstern bleibt es dunkel. Innerhalb weniger Monate haben der zweite Schlecker-Markt in der Unteren Hauptstraße, ein Geschäft für Imkerei- und Bienenprodukte sowie ein Bistro in der Sonnenstraße geschlossen, und auch in der Vöhringer Steige steht ein Laden schon seit geraumer Zeit leer.

Große Anziehungskraft auf Neuansiedlungen oder Händler, die bislang in der Kernstadt ansässig waren, übt dafür das aufgewertete Areal "Neckarwiesen" aus. Ist dadurch ein neuer Magnet auf Kosten eines anderen, kleineren Magneten im Stadtkern entstanden, wie Kritiker befürchten?

Wirtschaftsförderer Hartmut Walter ist überzeugt, dass in Sulz beide Bereiche auch in Zukunft parallel nebeneinander bestehen können, ohne sich gegenseitig Kunden abzuschöpfen. Walter verweist etwa auf die Geschäfte rund um den Marktplatz, die mit dem Wochenmarkt für eine hohe Kundenfrequenz auch in der Innenstadt sorgen.

Die Schuld bei der Kernstadterweiterung zu suchen, wäre nach Auffassung des Sulzer Wirtschaftsförderers jedoch falsch: "Die Kernstadterweiterung war schon immer unser Ziel, um gerade Händlern und Dienstleistern, die im Zentrum für ihre Gewerbe nicht ausreichend Platz finden, eine Möglichkeit zu bieten", sagt Walter. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass expansionswillige Händler in Nachbarstädte auswichen.

Die Älteren erinnern sich noch, dass bis vor rund 30 Jahren rund um den Bahnhof viel mehr los war, als es dort noch ein Café, eine Gaststätte und die Post gab. Erst danach fiel das Areal in einen Dornröschenschlaf – bis die Stadt beschloss, den Backsteinbau für die Stadthalle und für Gewerbeansiedlungen umzubauen und Jens Faras durch den aufwändigen Umbau des Bahnhofsgebäudes zusätzlich für mehr Kunden in der durch die Neugestaltung aufgewerteten Bahnhofstraße beitrug.

Deshalb ist Hartmut Walter überzeugt, dass es nicht nur eine Frage des Standorts ist, ob sich ein Geschäft hält. "Es kommt auch auf die Immobilie an und wie sie in Stand gehalten wird", gibt er zu bedenken. Hier bestehe gerade in der Kernstadt bei einigen Gebäuden noch Nachholbedarf.

Dabei gibt es durchaus gelungene Beispiele für ehemals leerstehende frühere Geschäfte, die mit dem "Sanierungsprogramm Soziale Stadt" gerettet werden konnten: Dazu gehört etwa der frühere Edeka-Markt im Allmandgäßle, wo bis Ende des Jahres die "Neckarwerkstatt" einziehen soll, wodurch wieder mehr Leben in die Innenstadt kommen dürfte. Die Stadtverwaltung werde einen Aufstockungsantrg stellen, versichert Walter. Schließlich weiß der Wirtschaftsförderer, dass sich ein – möglichst energetisch – saniertes Gebäude viel leichter an einen neuen Investor vermarkten lässt.

Den Backsteinbau will Hartmut Walter nicht als Ursache der Expansion früher im Zentrum ansässiger Läden verstanden wissen, sondern vielmehr als Möglichkeit, Kaufkraft in Sulz zu halten oder neue herzuholen.

Im Übrigen liegen die Innenstadt und der Bereich "Neckarwiesen" auch nicht so weit auseinander, dass Kaufwillige nicht sogar zu Fuß vom Zentrum zum Bahnhofsareal oder umgekehrt laufen könnten. Die sanierte Bahnhofstraße könnte sich hierbei als Achse erweisen, glaubt Walter – und langfristig wieder für eine Belebung der Kernstadt sorgen.