Problematisch ist die Situation vor allem bei Katzen. Foto: Tierschutzverein

Herrchen gesucht: Tiere haben es besonders im Winter nicht leicht. Helfer widmen Großteil ihrer Freizeit.

Sulz - Eine Katze, die vor dem vollen Futternapf verhungert – seit sie dieses Grauen gesehen hat, rettet Cornelia Ardelt Leben. Die Vorsitzende vom Tierschutzverein erzählt, wie es um die Tiere in Sulz bestellt ist und welche Kämpfe sie führen muss.

Vor ein paar Jahren bot sich Cornelia Ardelt ein Bild des Schreckens. 50 Degus, rattenähnliche chilenische Nagetiere, tummelten sich in einer Wohnung. Einige von ihnen waren erblindet. Die Nager brauchen nämlich spezielle Nahrung, erklärt Ardelt. Sie selbst sei, nachdem sie die Tiere so aufgefunden hätte, mit dem Kräuterkorb unterwegs gewesen.

Es war das typische Werk so genannter "Tierhorter", die krankhaft Tiere sammeln, ohne die Anforderungen für Nahrung oder Hygiene einhalten können. "Anfangs meint man es bestimmt noch gut, aber irgendwann verliert man einfach den Überblick, und die pflanzen sich schnell fort", weiß Ardelt. Sie kennt einige dieser Fälle. Meist wird der Tierschutzverein vom Veterinäramt dazu gerufen, wenn es Fälle von schlechter Tierhaltung gibt, rechtlich darf der Verein nämlich nicht reagieren. "Ein Teil unserer Einsätze ist tatsächlich die Begleitung von Beschlagnahmungen", berichtet sie.

Die Tiere, meistens sind es Nager oder Katzen, müssen dann in einer der bislang etwa zehn privaten Pflegestellen aufgepäppelt werden, denn eine vereinseigene Stelle gibt es beim 1992 gegründeten Verein mit rund 180 Mitgliedern nicht. Dort bleiben die Tiere meist zwischen 14 Tagen und acht Wochen. Auch Exoten wie Schildkröten werden häufig von den ehrenamtlichen Helfern des Vereins aufgefunden. "Meist sind sie den Leuten dann doch lästig oder einfach nicht das, was sie sich vorgestellt haben", versucht Ardelt eine Erklärung für das Verhalten zu finden. So sei es auch oft der Fall, wenn Haustiere zu Weihnachten geschenkt würden. Davon rät sie klar ab.

Sie selbst ist auch eine der privaten Pflegestellen, hatte schon so ziemlich jedes Tier bei sich – "außer Schlangen", ergänzt sie. Für Exoten würden ihr einfach sowohl Wissen als auch Platz fehlen. Für Hunde fehle ihr die Zeit, gegen Katzen sei ihr Sohn allergisch. Deswegen wohnen bei Ardelts zu Hause nur noch Kleintiere.

Wer sich um Tiere kümmern wolle, der brauche vor allem Erfahrung. "Katzen benötigen beispielsweise ein Zimmer, um zur Ruhe zu kommen. Bei Nagern sollten keine Kleinkinder in der Nähe sein", sagt Ardelt. Die Utensilien gibt es vom Tierschutzverein, das Futter muss man selbst kaufen, erhält dafür aber eine Spendenbescheinigung.

Während das Tier in der Pflegestelle aufgepäppelt wird oder einfach nur dort wohnt, wird die Vermittlung über die eigene Internetseite vorbereitet. Die Vermittlungsrate sei relativ gut. Im Schnitt könne man etwa 150 Katzen und zehn bis 20 Zwergkaninchen sowie einige Hunde pro Jahr neuen Besitzern übergeben.

Das Schöne als Pflegestelle sei, dass man mal ausprobieren könne, wie es sei, ein Haustier zu haben. Doch Ardelt warnt auch vor der Zeit, die ein Tier verschlingt: "Alles, was man streicheln kann, braucht viel Zeit". Neben beruflicher Selbstständigkeit und Familie bleibt auch bei ihr oft nur wenig Zeit.

Trotzdem werde das Tierschutztelefon jeden Abend abgehört. Dort melden sich vor allem Menschen, die Streuer sichten. Akut sei vor allem die Katzenproblematik, meint die Tierschutzvereinsvorsitzende. Wenn die Tiere nicht kastriert seien, würden sie sich uneingeschränkt fortpflanzen. Deswegen sei die Kastration wichtig. Viele Katzenjunge würden auf der Straße auch Schnupfen bekommen, der sie schließlich erblinden und im schlimmsten Fall ersticken lasse. Besonders Igel seien in der kalten Jahreszeit gefährdet. Aufnehmen solle man sie, wenn sie weniger als 400 Gramm wiegen würden und kleiner als eine Grapefruit seien, rät die Vorsitzende.

Cornelia Ardelt und die anderen ehrenamtlichen Mitarbeiter haben schon viel Schlimmes gesehen, Dinge, die sie dazu gebracht haben, einen Großteil ihrer Freizeit dem Tierschutz zu widmen. Als Opfer sehen sie das jedoch nicht, denn viel größer ist die Freude, wenn sie ein Tier retten und an liebende Herrchen vermitteln können. Denn ein gutes Leben würden sie alle verdienen.

Weitere Informationen: www.tierschutzverein-sulz.de

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