Sechs Schüler des Albeck-Gymnasiums tragen die Ergebnisse ihrer Seminararbeiten vor großem Publikum vor

Von Marcella Danner

Sulz. Geschichtsunterricht behandelt in der Regel die großen Ereignisse – Weltkriege, Revolutionen, Kaiser- und Königreiche, Staatsgründungen. Aber Geschichte findet auch im Kleinen statt, zum Beispiel in der Stadt Sulz. Diese Thematik stand im Mittelpunkt des Seminarkurses am Albeck-Gymnasium. Drei der dabei entstanden Arbeiten wurden gestern im Backsteinbau im Rahmen des "Dreiklang der Schulen" vorgestellt.

Passend zu den Heimattagen behandelten die Vorträge Ereignisse, die sich während des Russlandfeldzugs von Napoleon und der Revolution von 1848 in und um die Neckarstadt zugetragen haben. Stadtarchivar Paul T. Müller freute sich als Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins darüber besonders. Er stand den Elftklässlern bei der Recherche zur Seite.

Geschichtslehrer Kai Ullmann konnte so viele Gäste im Vortragsraum begrüßen, dass die Stühle gar nicht ausreichten. Besonders bedankte er sich bei seinem ehemaligen Kollegen Klaus Schätzle, der die Aktion ins Leben gerufen hatte und die Projekte, inzwischen als Pensionär, mit begleitet. Richtige Forschungsarbeiten seien entstanden.

Fabian Leuschner und Tobias Hecht kamen bei ihren Recherchen über die württembergischen Soldaten unter Napoleon etwa zur Erkenntnis, dass es im Oberamt Sulz jede Menge "Wehrdienstverweigerer" gegeben hat. Unter Androhung von Sanktionen, wie Enteignung und Haftstrafe, wollten sie sich "nicht als Kanonenfutter" verheizen lassen. Einige flüchteten sogar aus dem Oberamtsbezirk und aus dem württembergischen Königreich, um der Teilnahme am Krieg zu entgehen.

Lea Dettling und Nadine Homuth beschäftigten sich mit der These, ob der damalige Kommandant der Bürgerwehr, Graf Kuno von Uexküll-Gyllenband – alleine für die fehlerfreie Aussprache des Namens ist den Mädchen Respekt zu zollen – ein Feigling oder ein Held war. Denn er ließ seine Bürgerwehr in Zeiten des Angriffs von Revolutionären gerne mal allein. Und da nur er den Schießbefehl geben durfte, schlussfolgerten die Schülerinnen, habe er damit so manches Blutvergießen verhindert. Schließlich habe er sich vom rechten Lager zu den Revolutionären bewegt. Ihr Fazit: Uexküll-Gyllenband war ein Held.

Die Sulzer und Mühlheimer Petitionen mit den Forderungen zur Abschaffung der feudalen Rechte standen im Mittelpunkt der Arbeit von Johanna Stark und Lisa Trudel. Letztere kam sogar direkt vom Sportabitur aus Oberndorf zum Vortrag. Über den Mut der Bürger sprachen die Mädchen bereits im Mühlheimer Ortschaftsrat (wir berichteten).

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