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Sulz a. N. Gericht: Spendengelder kommen nicht an

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Die 31-Jährige gründete eine Facebookgruppe. (Symbolbild) Foto: TY Lim/Shutterstock

Sulz/Oberndorf - Einen Beruf hat sie nicht erlernt. Sie ist arbeitslos. Zur Gerichtsverhandlung brachte die 31-Jährige sehr zum Missfallen von Richter Wolfgang Heuer ihr Kind mit. Sie war wegen Betrugs angeklagt. Es ging unter anderem um eine Spendenaktion in der Facebookgruppe "Baby Glück".

Spendenübergabe im Livestream

Diese hat die 31-Jährige mitbegründet. In der Gruppe initiierte sie eine Spendenaktion zugunsten einer Frau aus der Schweiz, die kein Geld für den Grabstein ihres totgeborenen Kindes hatte. 133 Frauen überwiesen Beträge zwischen zwei und 300 Euro auf das Spendenkonto, insgesamt mehr als 4500 Euro. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Die Angeklagte habe einen Großteil des Geldes für sich behalten.

Die Spendenübergabe in Sulz an die Empfängerin ist live im Internet übertragen worden. Was den Richter irritierte: Die Initiatorin zeigte einen selbstgebastelten Scheck mit einem Betrag von nur 455 Euro. Auf die Frage Heuers, warum nicht der ganze Spendenbetrag aufgeführt worden sei, sagte die Angeklagte, dass es sich ohnehin nur um einen "symbolischen Wert" gehandelt habe. Die Schweizerin erhielt letzten Endes aber überhaupt nichts, weil sie sich undankbar gegenüber den Spenderinnen gezeigt habe.

Streit in Gruppe

In der Facebookgruppe kam es deswegen auf sprachlich unterstem Niveau zu einem Streit. Ein Teil der Frauen sprach sich dagegen aus, dass die Spenden für den Grabstein verwendet werden. Andere forderten das Geld zurück. Die Angeklagte versicherte vor Gericht, dass sie die Beträge bei Abzug der Überweisungsgebühr von 1,99 Euro an alle zurücküberwiesen habe, die dies verlangt hätten. Dem ermittelnden Beamten hatte sie angegeben, den wesentlich größeren Rest für private Zwecke ausgegeben zu haben.

Dass tatsächlich Geld überwiesen wurde, belegen Kontoauszüge. Die Ermittlungen waren jedoch schwierig: Die Frauen in der Facebookgruppe wohnen verstreut in ganz Deutschland. So hat der Polizeibeamte auch nicht feststellen können, wer das Geld zurückbekommen hat.

Der Vorfall liegt inzwischen drei Jahre zurück. Richter Heuer stellte das Verfahren ein. Er ging davon aus, dass die Frauen, die ihr Geld wieder haben wollten, es auch bekamen. Im Übrigen sah er kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung. Die Kosten für das Verfahren trägt die Staatskasse.

Geld geliehen: Eigenes Risiko

Sehr unbefriedigend war das Verfahren für einen Gläubiger. Der Mann hatte die junge Frau am Sulzer Bootssteg kennengelernt. Weil sie angeblich unbezahlte Rechnungen in Höhe von 500 Euro hatte, habe er ihr aus Mitleid 200 Euro geliehen.

Das war vor vier Jahren. Bis heute sind die Schulden nicht beglichen. Der Richter machte ihm keine Hoffnung auf Rückerstattung: "Sie hat nichts. Da kann man auch nichts vollstrecken." Als Betrug konnte er dies nicht werten. Der Mann habe damit rechnen müssen, dass er die 200 Euro nicht zurückbekomme. Damit sei es sein Risiko gewesen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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