Bürgermeister Gerd Hieber im Gespräch mit Katja Blöchle Foto: Schwarzwälder-Bote

Wirtschaft: "Hopfauer Tag" für Stadt und HGV / Straßenbauarbeiten im Glatttal sind ein Thema für Betriebe

Mit ihrem Firmenbesuch haben die Vertreter der Stadt und des Handels- und Gewerbevereins (HGV) einen "Hopfauer Tag" eingelegt. Gemeinsames Thema: der Ausbau der Glatttalstraße und die Folgen für die Betriebe.

 

Sulz. Bürgermeister Gerd Hieber, Wirtschaftsförderer Hartmut Walter, Ortsvorsteher Albert Beck und Michael Schmid vom HGV besuchten gestern drei Firmen – die Tankstelle Seeger, Baumschule Späth und das Blatt Werk. Es ging ihnen zum einen um Kontaktpflege, zum anderen wollten sie sich über die Betriebe und deren Anliegen informieren. "Es ist bemerkenswert, was Hopfau zu bieten hat", stellte Hieber am Ende fest.

Unternehmen steht auf mehreren Standbeinen

Bei der Firma Seeger hat mittlerweile ein Generationswechsel stattgefunden. Der Familienbetrieb beschäftigt zwei Gesellen, eine Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte. Senior Herbert Seeger arbeitet immer noch mit, macht auch die Urlaubsvertretung für Sohn Eric und dessen Frau Rebecca, die im Büro arbeitet.

Die Tankstelle in Hopfau gibt es seit 58 Jahren. Erstaunt blickten die Besucher draußen auf das Tankstellenschild: Kurz nach neun Uhr wurde der Spritpreis um einen Cent herabgesetzt. Das ging ganz automatisch. Drinnen erfuhren sie, dass dies zentral vom Lieferanten per Telefonleitung gesteuert wird. Wenn Diesel und Benzin mal wieder teurer werden, ist das schlecht für das Geschäft. Die Autofahrer tanken dann auch weniger. "Von der Tankstelle und dem Shop allein könnten wir in Hopfau nicht leben", erklärte Eric Seeger.

Gleichwohl bringt die Tankstelle Kundschaft für die angegliederte Werkstatt und den Auto-Service. Die Kunden kommen aus einem Umkreis von 30 Kilometern. Eher auf den lokalen Bedarf ausgerichtet ist der Getränkemarkt, ein drittes, kleineres Standbein.

"In den nächsten Monaten gibt es eine Durststrecke", spielte Hieber auf ein ganz anderes Thema an. Die Glatttalstraße wird ausgebaut. Baubeginn ist an der Brücke bei Neckarhausen. Dort ist seit Montag kein Durchkommen mehr. "Wir, die von der Straße leben, werden schon in Mitleidenschaft gezogen," sagte Seeger. Über die Straßensperrungen hat er durch die Zeitungen erfahren, die Informationen des Landkreises an die Gewerbetreibenden seien gleich Null, bedauerte er.

Noch lässt auch die Beschilderung zu wünschen übrig. Das stellte sich gleich beim nächsten Firmenbesuch heraus. Die Umleitung ist zwar über die L 409 nach Sulz ausgewiesen. Doch, was irritiert, ist die Sperrung noch vor der Baumschule in Richtung Glatt. "Ich habe dafür kein Verständnis", ärgerte sich Inhaber Jochen Späth über den Landkreis, der die Schilder aufgestellt hat.

Dass die Straße saniert werde, "wollen wir alle", meinte er. Die Betriebe sollten aber wissen, wie der Ablauf des Straßenbaus aussehe und wann gesperrt wird. Er selber muss sich mit dem Verkauf darauf einstellen. Späth rechnet durch die Bauarbeiten mit finanziellen Einbußen.

Dienstleistungen zunehmend gefragt

Die Baumschule hat Späths Großvater um 1895 im Dobelweg gegründet. 1974 siedelte der Betrieb an den heutigen Standort aus. Jochen Späth hat die Gärtnerei 1994 übernommen. Inzwischen beschäftigt er fünf Vollzeitgärtner und mehrere Teilzeitkräfte.

Hauptstandbein ist die Dienstleistung: Gartenanlage, Gartenpflege und Gartenplanung. Das werde zunehmend gefragt. Ein Problem für Späth ist, dafür qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen. Die Jüngeren ziehe es in die Stadt. Michael Schmid staunte, dass das Internet auch für Gärtnereien eine große Konkurrenz darstellt. Andererseits hätten die Hopfauer Unternehmer Nachteile, weil schnelles Internet bislang fehlte, meinte Späth. Gegen Frost kann der Gärtnermeister seine Pflanzen zwar schützen, aber nicht gegen Unwetter. Diese hätten in den vergangen Jahren zugenommen und seien auch heftiger geworden. Ganz schlimm vor drei Jahren: Da sei alles kaputt gewesen. In diesem Jahr blieb Hopfau von einem größeren Unwetter jedoch verschont.

Bei der Information über den Straßenbau an die Gewerbetreibenden, versprach Wirtschaftsförderer Hartmut Walter, "lassen wir uns etwas einfallen". Wegen der Straßensperrung vor dem Gärtereibetrieb hat Ordnungsamtsleiterin Sabrina Glöckler gestern noch mit dem Landratsamt telefoniert.

Zehn Jahre Blatt Werk kann Katja Blöchle feiern. Sie hat den ehemaligen Kohleschuppen – danach war das Gebäude direkt am Radweg ein Farbenlager – gekauft und etwas daraus gemacht. "Wir müssen mehr arbeiten als ein Geschäft mit Laufkundschaft", erklärte sie. Das heißt: Jedes Jahr müsse den Kunden etwas Neues geboten werden. Sie ging ihren eigenen Weg, und der führte in Richtung "Naturfloristik". Andererseits hat sie erkannt, dass es allein mit Floristik schwer ist, Fuß zu fassen. Sie kombinierte ihre Werkstatt mit Gastronomie – einem "Café für Floristik". Und das, versicherte Katja Blöchle, "kommt sehr gut an".

Das gilt vor allem für das Frühstück mit lokalen Produkten. Die Leute kommen aus der ganzen Umgebung. Im Sommer kann auch draußen gefrühstückt werden.

Ein Vorteil hat das Land: Vor dem Geschäft sind genug Parkmöglichkeiten. Das schätzen die Kunden. Katja Blöchle verzeichnete aber auch eine steigende Zahl an Radfahrer. "Frühstück, Floristik, Radweg – das passt", sprach Michael Schmid das Schlusswort.