"Weihnachten mal anders, ohne Hast und Streit" singen die Realschulchöre gemeinsam. Foto: Steinke-Vollmer Foto: Schwarzwälder-Bote

Weihnachtsfeier der Lina-Hähnle-Realschule / Rektor Dieter Traichel rät, sich mehr Zeit füreinander zu nehmen

Von Anastasia Steinke-Vollmer

Sulz. Bei kaum einer anderen Veranstaltung ist die Stadthalle im Backsteinbau so voll besetzt wie bei der Weihnachtsfeier der Lina-Hähnle-Realschule. Mit einem gleichermaßen ansprechenden wie anspruchsvollen Programm, das sich durchaus kritisch mit dem, was an Weihnachten wirklich wichtig ist, auseinandersetzte, begeisterten Bläser, Chöre, Bands und Ensembles, die die Weihnachtsfeier mit Gedichten und Geschichten zum Nachdenken bereicherten.

In seiner Rede zur Weihnachtsfeier ging Realschulrektor Dieter Traichel auf die Statistik ein, dass es zur Weihnachtszeit mehr Herzprobleme als in der übrigen Zeit des Jahres gebe. Mit dem Beispiels von Legehennen beginnend, die sich, so sehr sie sich auch bemühen, nie über ein volles Nest verfügen, schlug er einen Bogen zu den Menschen, die der Befriedigung von Konsumwünsche nachjagend, nie zur inneren Ruhe fänden.

"Was brauchen wir denn?," diese zentrale Frage werde in Umfragen mit "Freundschaft, Wärme, Geborgenheit, Geschätzt werden" und "Dazugehören" beantwortet, was die Stadt Frankfurt dazu bewogen habe, zu Weihnachten zu der Aktion "Zeit schenken" aufzurufen. Zeit für sich und für andere zu haben, das sei in der Weihnachtszeit ideal umzusetzen, etwa bei einem Kochabend oder einem Zoobesuch, plädierte Dieter Traichel für eine Umsetzung dieses Projekts auch in den eigenen Familien. Mit der Geschichte eines Indianers, dem die Hektik der vorbeihuschenden Bilder zuviel war und der deshalb den Zug anhalten wollte, um "die Seele nachkommen zu lassen", prägte sich die im gemeinsam mit Publikum und Chören gesungenen Kanon enthaltene Botschaft "Weihnachten ohne Hast und Streit" ein.

In einem mit Lehrerin Gabi Bruker einstudierten Erzählgedicht "Wir schenken uns nichts? Oder!" von Horst Winkler nahmen die Schüler der Klasse 7c die Schenkgewohnheiten ihrer Mitmenschen aufs Korn.

Mit feierlich intonierten Traditionals wie "Tochter Zion" oder "Herbei all ihr Gläubigen" erfreuten die Bläser. Auch die Lehrer hatten wieder just für diesen Konzertauftritt ein Ensemble aus Instrumenten zusammengestellt, für das auch die Musikstücke entsprechend arrangiert werden mussten. Umso mehr Applaus konnten sie für ihren fast höfisch klingenden barocken Marsch und "Die Hirten auf dem Felde" ernten.

Gänsehaut-Feeling ließen Franziska Haas und Diana Stierle als Frontfrauen der Schülerband II mit ihren ausdrucksstarken Soli in "Thank God it’s Christmas" und "Halleluja" aufkommen.

Nachdenkliches brachten Lizzy Vögele, Bettina Thellmann und Lea Schemmert mit der Erzählung "Licht in der Wehnacht" auf die Bühne. Mitmenschlichkeit, Licht und Liebe seien zur Weihnachtszeit häufig verwendete Begriffe. Doch für manche Menschen sei Weihnachten eine einzige lange Wehnacht, vor allem für einsame Menschen, die sich vor der Einsamkeit fürchteten und Weihnachten deshalb am liebsten ausfallen lassen würden.

Mit glockenhellen Stimmen erfreute der Unterstufenchor mit "Nessaja" aus dem Tabaluga-Musical und dem Jingle-Bell-Rock, der Chor der älteren Schüler glänzte mit Gospels wie "Amen" mit Solisten, und einem Weihnachtsfreude verbreitenden "Christmas Time". Mit viel Empathie beeindruckte auch die "Schülerband I" mit "Impossible" und "Wonderwall".

Auch der Lehrerchor bereicherte die Weihnachtsfeier, die in diesem Jahr vor allem ein Ziel hatte: den Zug eine Zeitlang anzuhalten.