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Sulz a. N. Corona-Krise: Hotels bereiten sich auf Touristen vor

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Hotels dürfen ab dem 29. Mai wieder für alle Gäste öffnen. Foto:   DragonImages – stock.adobe.com

Sulz/Dornhan - Sie dürfen bald wieder kommen – doch kommen sie wirklich? Touristen können ab 29. Mai in Hotels und Pensionen übernachten. Die Hotellerie in Sulz bereitet sich vorsichtig auf den "erweiterten Betrieb" vor. An einen Ansturm glaubt aber keiner.

20 Betten hat Bärbel Lambacher in ihrem Gasthof im Herzen von Sulz. "Für Juni habe ich vielleicht fünf Buchungen, ansonsten habe ich nur Stornos bekommen", schildert sie die aktuelle Situation im "Lamm". Viele Touristen, weiß Lambacher, wollen ihren Urlaub ins nächste Jahr verschieben. Für sie absolut nachvollziehbar: "Ich weiß auch nicht, ob ich meinen Urlaub antreten kann, den ich geplant habe."

Auch bei den Geschäftskunden, die in den vergangenen Wochen schon in Unterkünften übernachten durften, ist die Nachfrage verhalten. Lambacher zweifelt daran, dass ab Freitag auf einmal wahre Touristenströme kommen. "Wir werden uns durchhangeln", formuliert sie den Plan für die Sommer-Saison. Im Bereich Gastronomie hat sie bereits die Erfahrung gemacht, dass die Menschen sehr vorsichtig sind. "Es ist nicht so, dass sie uns die Bude einrennen."

Das Ganze sei sehr mühsam, der Aufwand groß – doch man müsse sich mit der Situation arrangieren. Lambacher findet, dass gerade kleinere Hotels oder Pensionen es momentan besser haben. "Bei uns übernachten eher Tagestouristen. Aber in ein Hotel mit 150 Gästen will ja heute kaum jemand."

Darüber, wie etwa das Frühstückskonzept im "Lamm" künftig aussehen könnte, zerbricht sich Lambacher seit Tagen den Kopf. "Ich habe nur sechs Tische. Sollen die Gäste zeitversetzt kommen? Soll es Listen geben, auf denen sie ihre Vorlieben ankreuzen können?" Viele Fragen sind noch offen. "Es wird auf jeden Fall kein Buffet geben", steht für Lambacher fest. Sie will das Modell einige Wochen fahren und dann aufs Neue schauen, ob sich der Aufwand überhaupt rechnet. "Wir machen alles Schritt für Schritt, bleiben geduldig und tolerant und versuchen, das Beste daraus zu machen", sagt die Inhaberin.

Hoffnung auf Radfahrer

Ähnlich sieht es auch Martina Zabcic vom Gasthof "Hecht" einige hundert Meter weiter. Hier habe es im Mai lediglich zwei Übernachtungen von Geschäftsreisenden gegeben. Um den Hygieneplan macht sich die Betreiberin keine Sorgen. Die Zimmer seien schon immer gründlich desinfiziert worden. Im Frühstücksraum werden sich die Gäste künftig umstellen müssen: "Es wird alles individuell serviert." Den Abstand einzuhalten, sei kein Problem: In den insgesamt acht Zimmern können im "Hecht" bei Vollbelegung zwölf Gäste untergebracht werden. "Der Platz ist da", meint Zabcic. Ihre Hoffnungen setzt sie auf die Radfahrer, die in Sulz spontan übernachten werden.

"Keine gute Prognose"

Weniger optimistisch ist Annemone Noé vom Gasthof "Grüner Baum" in Renfrizhausen. "Die vergangenen Wochen waren grausig. Wir hatten keinerlei Einkünfte, es war ganz schlimm", sagt sie. "Ich kriege Gänsehaut, wenn ich daran denke", fügt sie hinzu. Die Situation nimmt Noé spürbar mit. Denn auch beim zweiten Standbein der Familie – seit 21 Jahren betreiben die Noés den Kiosk mit Gastronomie im Freibad – droht in diesem Jahr absoluter Stillstand. Und diese ungewohnte Stille kann Annemone Noé kaum aushalten. "Eigentlich wollten wir dieses Jahr mit einer guten Saison abschließen und dann in Rente gehen. Aber wie soll es überhaupt weitergehen?", fragt sie sich. Für diese Woche hat sie immerhin eine Buchung von einem Geschäftsreisenden. Das ist natürlich ein Tropfen auf den heißen Stein.

"Ich habe keine gute Prognose für dieses Jahr", sagt Noé. "Die Leute sind sehr ängstlich. Viele bleiben lieber in den eigenen vier Wänden. Denn so ein Urlaub mit Maske macht einfach keinen Spaß", findet sie. Man sei eingeschränkt, man könne sich nicht frei bewegen. "Die Menschen wollen es gemütlich haben, aber das alles ist einfach nur unangenehm."

Neues Konzept notwendig

Ungewöhnlich still ist es seit Wochen auch in "Danner’s Hotel Löwen" in Marschalkenzimmern. Komplett ausgefallen seien sämtliche Seminare und Tagungen, Busreisen sowie Familienfeiern und Hochzeiten, schildert Johannes Danner. "Wir haben sehr starke Umsatzeinbußen und mussten Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken", sagt er. Nun laufen die Vorbereitungen auf die vollständige Öffnung am Freitag.

Das Problem: "Wir waren nicht für den Einzeltourismus ausgelegt." Da die Veranstaltungen aber wohl für längere Zeit nicht möglich sein werden, muss sich die Betreiberfamilie neu orientieren. "Für uns ist es absolutes Neuland, aber wir sind dabei", sagt Danner. Er weiß: Das neue Übergangszeit-Konzept für die Kunden zu etablieren – das dauert seine Zeit.

Die neuen Vorschriften hält der Junior-Chef für gut umsetzbar. Nichtsdestotrotz: "Für das Personal bedeutet das einen Mehraufwand." Finanziell, weiß er, wird der "Löwen" in diesem Jahr keinen Gewinn machen. Das zweite Hotel der Familie, der "Pflug" in Dornhan mit zwölf Zimmern, bleibt auch nach dem 29. Mai zu. "Wir fokussieren uns auf den Löwen mit 37 Zimmern. Erst wenn wir hier voll ausgelastet sind, können wir den ›Pflug‹ aufmachen. Aktuell ist kein Bedarf da", erklärt Danner. In die Zukunft blickt er trotzdem optimistisch. "Wir sind guter Dinge", sagt er.

Null Gäste in acht Wochen

Hart getroffen hat die Corona-Situation Frank Lehner, der in seinem Gästehaus Talblick in Bergfelden vor allem Gruppen ein Dach über dem Kopf bietet. "In den vergangenen acht Wochen waren null Gäste da", stellt er ernüchternd fest. Etliche Gruppen haben bereits bis in den Herbst hinein storniert.

Lehner sagt, er vermisst klare Regelungen, wie es in seinem Fall weitergeht. Gleichzeitig ist er überzeugt: Auch wenn Reisen von größeren Gruppen wieder stattfinden dürfen, wird er Verluste von bis zu 60 Prozent haben. "Natürlich habe ich im Gästehaus manches renoviert und in Ordnung gebracht. Aber wenn die Perspektive fehlt, fehlt irgendwann auch die Motivation", sagt Lehner.

Anfragen gehen ein

Im Privathotel "Zur Freystatt am Wasserschloss" in Glatt waren die vergangenen Wochen laut Chefin Sarah Fischer geprägt von vielen Stornierungen, leerstehenden Gästezimmern und einem Buchungsstand gegen null. "Wir öffnen schrittweise gemäß den gesetzlichen Vorschriften, und es gehen zwischenzeitlich auch wieder Anfragen und Buchungen ein", sagt sie zur aktuellen Lage.

Kaum Dienstreisen

Jörg Sturm vom Hotel-Landgasthof Brachfeld meint, dass der Inlandstourismus sich schnell erholen wird. Die Industrie sei dagegen noch sehr zurückhaltend, Dienstreisen seien eher Ausnahmen. Der Vorteil seines Hauses: "Es liegt sehr abgelegen und verfügt über viel Platz." Kein Problem also mit dem Abstand. Nun zählt das eine: dass die Gäste kommen.

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