Die Drehleiter ist nochmals benötigt worden: In dem zerstörten Haus sind immer noch Glutnester. Foto: Steinmetz

Feuerwehr fordert erneut Drehleiter an. Verletztem Ehepaar geht es wieder besser.

Sulz-Mühlheim - Nach fünf Tagen hat es im Bauernhaus in der Mühlheimer Ortsmitte erneut geraucht. Besorgte Anwohner hatten am Donnerstagmorgen gegen 8.30 Uhr die Feuerwehr alarmiert.

Abteilungskommandant Thorsten Schlotterbeck war mit sechs Feuerwehrleuten vor Ort. Viel konnten sie von außen vorerst nicht tun. Das Betreten des Gebäudes ist wegen der Einsturzgefahr immer noch zu gefährlich.

Im Bereich der Hauswand auf der Straßenseite "Bei der Kirche" musste sich noch ein Glutnest befinden, wie der aufsteigende Rauch zeigte. Auf einer Leiter erkundete einer der Feuerwehrmänner die Situation. Das Problem sei, so Schlotterbeck, dass im Gebäude viel Brandschutt liege. Darunter kann es immer noch glosten.

Der Abteilungskommandant hatte die Drehleiter aus Sulz angefordert. "Feuerwehrrentner" Gert Bornheft manövrierte das schwere Fahrzeug rückwärts zu dem brandgeschädigten Haus. Mit einem Atemschutzgeräteträger lenkte er die Leiter direkt über den Brandherd. Von oben wurde dann das Feuer im Gebäudeinneren gelöscht.

Die Brandsachverständigen konnten die Ursache des Feuers bisher noch nicht ermitteln. "Die Experten kommen noch, alles wird untersucht", teilte gestern Cornelia Obermaier, deren Familie das Haus gehört, mit. Wie bereits bei der Mühlheimer Ratssitzung am Mittwochabend Ortsvorsteherin Barbara Klaussner (siehe unten stehenden Bericht), zollte auch sie den Einsatzkräften höchsten Respekt. Das Haus konnte zwar nicht gerettet werden, doch ein Übergreifen des Feuers in der engbebauten Mühlheimer Ortsmitte verhinderte die Feuerwehr. "Das hat uns schwer beeindruckt", sagte sie. Die Nachbarn, die das Ehepaar in dem brennenden Haus schreien hörten, bezeichnete Cornelia Obermaier als Lebensretter. Diese ermunterten auch die Hausbewohner, vor allem die Frau, über die aus einer Garage geholten Leiter nach unten zu steigen. Hinter ihr habe es bereits lichterloh gebrannt. Den Helfern erschien es, so Cornelia Obermaier, eine Ewigkeit, bis die Frau den Ausstieg wagte. Dabei ist sie allerdings aus etwa drei Metern Höhe auf den Boden gestürzt und hat sich so schwere Verletzungen zugezogen, dass Lebensgefahr zu befürchten war. Aber es war wohl Rettung in letzter Sekunde. Sie und ihr Mann wurden sehr schnell ins Krankenhaus gebracht.

"Es war richtig dramatisch", schildert Cornelia Obermaier die Situation. Inzwischen sei das verletzte Ehepaar, das in dem Haus zur Miete gewohnt hatte, wieder auf dem Weg der Besserung. Zwei Vögel, die im Haus gehalten wurden, fielen dem Feuer zum Opfer. Die Hauskatze konnte sich dagegen retten.

An der Nachbarscheune und an einem rückwärtig gelegenen Haus sind durch den Brand kleinere Schäden entstanden. Die Brandschäden seien inzwischen der Versicherung gemeldet worden, sagte Cornelia Obermaier.

Das abgebrannte Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert stand unter Denkmalschutz. Es wird jetzt wohl abgebrochen. In der Scheune waren diverse Sammlerobjekte des verstorbenen Eugen Obermaier untergebracht, alte Wohnungseinrichtungen, Küchengebenstände und "uralte" Bilder. "Das waren richtige Schätze", erzählt die Tochter. Eugen Obermaier, ein passionierter Sammler, hatte an der Ortsdurchfahrt in seiner Scheune ein Bauernmuseum eingerichtet. Die "feineren Sachen" waren in der Scheune in der Ortsmitte untergebracht und sind jetzt durch das Feuer zerstört worden.

Für Cornelia Obermaier hat der Löscheinsatz deutlich gemacht, wie wichtig die Feuerwehr im Ort ist. Dass der Gemeinderat die "Red Card", mit der es für Feuerwehrleute einige Vergünstigungen geben sollte, mehrheitlich abgelehnt hat, das kann sie nicht verstehen.

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