Ein Drittel des Hauses an der Kappel ist bereits abgebrochen. Viel Erhaltenswertes ist darin laut Regina Sülzle nicht gefunden worden. Foto: Steinmetz

Stadtbildprägendes Gebäude weicht einem Neubau. Firma entsorgt Bauschutt.

Sulz - Das Haus an der Kappel steht bald nicht mehr. Die Abbrucharbeiten sind im Gang. Ein Drittel des Gebäudes ist mittlerweile abgerissen.

 

Weil das Kappel-Haus direkt an der Straße steht, sind die Arbeiten nicht einfach, vor allem dann, wenn es an den Giebel geht. Der Bagger müsse diesen von hinten packen und zu Boden ziehen. "Man muss mit System arbeiten, sonst liegt der Giebel auf der Straße", erklärt Bauleiter Rainer Pleinies von der Abbruchfirma TLS Seedorf.

Abbruchmaterial kommt auf den Recyclingplatz

Der Abbruch wird auch deswegen erschwert, weil das Gebäude unterkellert ist und der Baggerfahrer dies berücksichtigen muss. Den ganzen Schutt auf die Deponie zu fahren, "das geht heute nicht mehr", erklärt Pleinies. Das Abbruchmaterial kommt auf den Recyclingplatz in Lackendorf, wird dort erprobt und kann, sofern es unproblematisch ist, für den Straßenbau verwendet werden.

Noch an der Baustelle wird separiert. Das Gebäude ist ein altes Fachwerkhaus mit sehr viel Holz, teilweise behandelt. Fenster- und Türrahmen sind lackiert. Auch die Schindeln auf der Fassade: "Die sind das Schlimmste", sagt Pleinies. Sie dürfen ebenfalls nicht im normalen Bauschutt landen. Getrennt gelagert werden auch Abflussrohre aus Plastik.

Wiederverwertbar sind Sandsteine aus der Bauzeit. Sie könnten für Gartenmauern genutzt werden. Alte Fensterläden als Schmuck für Haus und Garten gab der Bauträger, Sülzle Baukonzept, für einen guten Zweck ab. Der Erlös soll für krebskranke Kinder gespendet werden.

Viel Erhaltenswertes sei im Haus nicht gefunden worden, teilt Regina Sülzle mit. An einer Wand hat sie die Zahl 1879 entdeckt. Ob damit das Baujahr des Hauses vermerkt ist, weiß sie aber nicht.

Zeichnung kann aus dem 19. Jahrhundert sein

Das Haus an der Ecke Stockenbergweg/Kappel war stadtbildprägend – sowohl hinsichtlich der Größe als auch wegen der Schindelfassade. Früher befand sich darin der Gebetssaal der evangelischen Gemeinschaft, die in den 1950er-Jahren in die alte Volksbank unterhalb der Stadtkirche zog. Deren Mitglieder trafen sich zur "sonntäglichen Stund’".

Die Schindeln sind wohl erst später auf die Fassade gekommen. Eine alte Kreidezeichnung, die im Besitz von Jörg und Regina Sülzle ist, zeigt ein Haus mit offengelegtem Fachwerk. Die Zeichnung könnte im 19. Jahrhundert entstanden sein. Man sieht eine Frau im langen Rock, die auf dem Kopf einen Korb trägt. Rechts von ihr befindet sich ein Leiterwagen. Zwei Pferde stehen an der Tränke vor dem urig wirkenden Kappel-Haus. Im Vordergrund schnattern einige Gänse. Eine idyllische Ansicht: Die Zeichnung wollen die Sülzles im Neubau aufhängen.

Die Bauarbeiten werden beginnen, sobald die Abbrucharbeiten abgeschlossen sind. Das soll am kommenden Montag der Fall sein. Auf dem Grundstück entsteht ein barrierefreies Wohn- und Geschäftshaus.