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Standort Sulz soll neu strukturiert und wieder profitabel gemacht werden. 40 Prozent der Mitarbeiter betroffen.

Sulz - Noch vor wenigen Jahren stellte der damalige Geschäftsführer der Firma Haugg Industriekühler ordentliche Umsatzsteigerungen am Standort Sulz in Aussicht. Nun müssen seine Nachfolger die Insolvenz des Unternehmens bekannt geben.

In einer Betriebsversammlung hat am Donnerstag die Geschäftsleitung die Belegschaft der Firma in der Bahnhofstraße informiert. Am selben Tag wurde beim Amtsgericht in Rottweil die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt.

2012 hat der Gesetzgeber die Möglichkeit eines sogenannten Schutzschirmverfahrens geschaffen. Wie Ralf-Dieter Mönning auf Anfrage unserer Zeitung erklärt, ist dieses Verfahren nur unter bestimmten Umständen möglich. Der Aachener Anwalt Mönning ist von Haugg Industriekühler zum Sanierungsberater berufen worden. Erste Voraussetzung für das Schutzschirmverfahren ist, dass die betroffene Firma nicht zahlungsunfähig ist.

Ziel sei es nun, den Standort Sulz der Haugg-Gruppe neu zu strukturieren und wieder profitabel zu machen. Das, räumt Mönning ein, gehe allerdings nicht ohne den Abbau von Personal.

Bis zu 40 Prozent der derzeit 80 Mitarbeiter könnten davon betroffen sein. Ob dies im Rahmen von einem Interessensausgleich, einem Sozialplan oder einer Transfergesellschaft geschieht, werde derzeit noch geprüft.

Wie konnte es überhaupt zur Insolvenz kommen? In den vergangenen Jahren habe die Firma eine Fehlentscheidung getroffen, so Mönning. Man habe sich entschlossen, ins Seriengeschäft einzusteigen. Dieser Sektor werde jedoch mittlerweile von Asien aus wesentlicher günstiger bedient. Ein jährlicher Verlust von 1,5 Millionen Euro am Standort Sulz könne aber nicht mehr getragen werden, um nicht die ganze Gruppe zu gefährden. Hoher Umsatz führe bekanntlich nicht immer zu einem Gewinn.

Deshalb werde sich die Firma künftig wieder auf seine Kernkompetenz zurückziehen. Dazu gehörten die Planung und Entwicklung von Kühlsystemen für große Motoren, etwa von Baufahrzeugen und Landmaschinen.

Zum Sachwalter wurde vom Amtsgericht der Stuttgarter Rechtsanwalt Michael Pluta bestellt. Er muss sicherstellen, dass das angestrebte Verfahren ordentlich umgesetzt wird.

Der aktuelle Geschäftsführer vor Ort, Ralf Deppler, wird zudem vom Sanierungsexperten Claus Nürnberg unterstützt. Wenn alles klappt, sagt Ralf-Dieter Mönning, könnte Haugg Industriekühler in sechs Monaten schon wieder aus dem Insolvenzverfahren draußen sein.

Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind jedenfalls für die kommenden drei Monate über die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes abgesichert.

Seite 2: Aus der Pressemitteilung

Die am Standort Sulz produzierten Kühler regulieren die Betriebstemperaturen in Kompressoren, Vakuumpumpen und Hydraulikaggregaten, Bussen, Lokomotiven und Schiffen, Kranwagen und Traktoren sowie darüber hinaus in weiteren Bau- und Landmaschinen.

Mit etwa 80 Beschäftigten erwirtschaftete das Unternehmen zuletzt einen Jahresumsatz von acht Millionen Euro.

Die Haugg Industriekühler GmbH in Sulz gehört zur Haugg-Gruppe. Es ist das einzige Unternehmen der Gruppe, das einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren gestellt hat. Die Haugg Unternehmensgruppe mit Sitz in Aachen bündelt als Familienunternehmen über 90 Jahre Industriekompetenz in der Verarbeitung dünner Metalle – insbesondere zu Wärmetauschern.

Die Aktivitäten der Unternehmen konzentrieren sich auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Wärmetauschern für Nutzfahrzeuge und Industrie sowie Stanz- , Tiefziehteile und Feinblechkonstruktionen für diverse Branchen.

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