Martina Böhringer von der Agentur für Arbeit (links) und Neckarwerkstatt-Geschäftsführerin Barbara Gmelin-Müller zeigten Interssierten die Neckarwerkstatt. Wirtschaftsförderer Hartmut Walter freute sich über die 60 neuen Arbeitsplätze in Sulz. Foto: Sikeler

Neckarwerkstatt stellt sich bei "Tag der offenen Tür" den Interessenten vor. Eröffnung 2012.

Sulz - Viele Sulzer kennen das Gebäude noch als den "Neukauf". Ab kommendem Jahr werden im Allmandgässle bis zu 60 geistig behinderte Menschen arbeiten. Dann nimmt die Neckarwerkstatt der Lebenshilfe ihren Betrieb auf.

"24 Menschen haben schon fest zugesagt", berichtete die Geschäftsführerin Barbara Gmelin-Müller. Weitere zehn haben Interesse daran bekundet, künftig in der Neckarwerkstatt zu arbeiten. An sie richtete sich der "Tag der offenen Tür" am Sonntag.

45 Mitarbeiter peilt Gmelin-Müller vorläufig an. "Mit 60 würde es dann schon wieder eng werden", so die Geschäftsführerin.

Die künftigen Sulzer Arbeitskräfte waren zuvor vor allem in den Schwarzwald- Werkstätten in Dornstetten (Kreis Freudenstadt) tätig.

Das Angebot der Werkstätten richtet sich an behinderte Menschen aus Sulz, Oberndorf, Vöhringen, Epfendorf, Horb, Dornhan und Empfingen. Um die behinderten Menschen werden sich Vollzeitkräfte, neben Gmelin-Müller, unter anderem ein Werkstatt- und zwei Gruppenleiter, kümmern.

"In den Räumen herrscht ein gutes Arbeitsklima"

An den ehemaligen "Neukauf"-Supermarkt erinnert allenfalls noch der Bodenbelag. Der ist nämlich derselbe geblieben. Hell und freundlich sind die Räume durch den Umbau geworden. Die beiden großen Werkstatträume verfügen über eine große Fensterfront, die in Richtung der Parkplätze zeigt. "In den Räumen herrscht ein gutes Arbeitsklima", betonte die Geschäftsführerin. Die Schwarzwaldwerkstätten, oder, wie sie korrekt heißen, die gemeinnützigen Werkstätten und Wohnheime für behinderte Menschen, sind zu 50 Prozent Gesellschafter an den Neckarwerkstätten.

Der andere Gesellschafter ist die Lebenshilfe Horb/Sulz. Die Neckarwerkstatt firmiert aber dennoch als eigenständige Firma. Welche Tätigkeiten die Mitarbeiter ausführen können, hänge vom Grad der Behinderung ab, erklärte Gmelin-Müller bei einem Rundgang am "Tag der offenen Tür" am Sonntag. Die Werkstätten werden jedenfalls unter anderem über eine CNC-Drehmaschine und vier Bohrmaschinen verfügen.

Mit einigen Auftraggebern aus Sulz und Umgebung verhandelt Gmelin-Müller bereits. Die Firmen profitieren von der Zusammenarbeit gleich zweifach: Für die Produkte muss nur der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent bezahlt werden. Und die Aufträge, die sie an die Werkstätten vergeben, können mit der Schwerbehindertenabgaben verrechnet werden, die Unternehmen bezahlen müssen, wenn sie keine behinderten Mitarbeiter beschäftigen.

Die Neckarwerkstatt könnte nicht das einzige größere Projekt der Lebenshilfe in Sulz bleiben. "Zurzeit lässt unser Architekt prüfen, ob angrenzend an den Parkplatz der Werkstatt eine Wohnbebauung möglich ist", heißt es in einem Schreiben der Neckarwerkstatt. Geplant sei ein Wohnheim für zehn vollstationäre Plätze. Viele Eltern behinderter Kinder würden sich fragen, wo ihre Kinder nach ihrem Tod arbeiten könnten, erläuterte Gmelin-Müller.

Für die Sanierung des Gebäudes sind 47.700 Euro an Fördergeldern aus dem "Soziale Stadt Programm" (SSP) geflossen.