Jubiläum: Das Unternehmen feiert mit mehr als 600 Gästen / Musik, Vortrag und Talkrunde
Von der mechanischen Werkstatt zum innovativen Unternehmen: Das Heinrich Kipp Werk in Holzhausen feierte am Dienstag mit mehr als 600 Gästen 100-jähriges Bestehen.
Sulz-Holzhausen. Die Besucher nahmen im Foyer an festlich gedeckten Tischen Platz. Sie erwartete ein unterhaltsames Programm, das die Opernsängerinnen Marie-Audrey Schatz und Farrah El Dibany musikalisch eröffneten.
Der Festakt stand unter dem Motto "100 Prozent Zukunft seit 1919", dem Jahr der Gründung des Unternehmens durch Christian Kipp. Der neue Imagefilm zum Jubiläum zeigte den Gästen, wie sich das Werk aus einfachen Verhältnissen heraus im Laufe eines Jahrhunderts entwickelt hat. Heute arbeiten bei Kipp mehr als 400 Mitarbeiter an zehn Standorten.
"Es ist nicht alles glatt gelaufen", sagte Heinrich Kipp bei seinem Rückblick. Es habe auch wirtschaftliche, moralische und menschliche Tiefschläge gegeben. Er verglich die Unternehmensgeschichte mit einem Hürdenlauf.
In den vergangenen Jahrzehnten konnte, mit Ausnahme der Wirtschaftskrise 2008/09, allerdings ein stetes Wachstum verzeichnet werden. Es sei jedoch eine Illusion zu glauben, dass "der erarbeitete Status quo zum Überleben ausreicht", meinte Kipp. In einer "Zeit der Ungewissheit" könne man heute nicht sagen, "wie wir und Deutschland in zehn bis 30 Jahren dastehen". Welche Konsequenzen seien etwa aus der Klimakrise zu ziehen? Bei diesem Thema warnte Kipp davor, in Hysterie und Panik zu verfallen. "Wir müssen in Deutschland zur Gelassenheit zurückfinden."
Der Buchautor, Firmenberater und digitaler Evangelist Lukas-Pierre Bessis – er moderierte den Abend – hat sich damit befasst, wie das Leben 2025 aussehen kann. "Mit der Technologie kommt der Wohlstand", betonte er in seinem videounterstützten Impulsvortrag. Die Technologie habe sich in den vergangenen 50 Jahren nicht linear, sondern expotenziell in großen Schritten entwickelt. Eine Folge davon sei die längere durchschnittliche Lebenserwartung, die in Europa inzwischen bei 84 Jahren liege. In immer kürzerer Zeit erfolgen die Entwicklungsschritte. Bessis erläuterte dies am Beispiel eines Roboters. 2015 kann dieser noch nicht einmal gehen, zwei Jahre später schafft er einen astreinen Salto rückwärts, und 2019 gelingt ihm bereits eine komplette Bodenturnkür. Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren oder Taxi-Drohnen seien schon jetzt Realität. Nano-Robotik und 3D-Drucker könnten die Medizin enorm voranbringen. Bessis prognostiziert ein künftiges Durchschnittsalter von 124 Jahren. "Alles geht schneller, günstiger und intelligenter. Es wird alles noch besser. Die kommenden Jahre werden viel großartiger werden", zog er ein euphorisches Fazit.
Veränderungen waren auch das Thema in der Talkrunde. Heinrich Kipp verriet, dass er, nach nicht bestandener Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium, seine einzige "Ehrenrunde" drehen musste. Damals habe man sich den Luxus geleistet, für 20 Pfennig ein Eis zu kaufen. "Mit wenigen Dingen waren wir happy." Für ihn war früh klar, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Nach Mechanikerlehrer und Maschinenbaustudium war er in der französischen Schweiz und in Frankreich, wo er auch seine Frau Béatrice kennenlernte.
Landrat Wolf-Rüdiger Michel stellte fest, dass sich im Landkreis Rottweil eine bedeutende Industrie entwickelt habe. "Wir nehmen einen vorderen Platz im Deutschland-Ranking ein. Das verdanken wir innovativen Unternehmen wie Kipp, aber auch gut ausgebildeten Arbeitnehmern", sagte er.
Nicolas Kipp, seit 2014 Geschäftsführer, sieht die größte Herausforderung für das Unternehmen in der Logistik und Lieferfähigkeit der Produkte, die auf 60 000 Artikel erhöht worden seien. Die Verfügbarkeit liege bei 98 Prozent . Lieferkompetenz und Internationalisierung – "wir müssen den Kunden folgen" – müssten weiter forciert werden.
Das unterstrich auch Hans-Jochem Steim von Kern-Liebers in Schramberg. Wichtig sei dabei, mutig und weltoffen zu sein sowie Glück zu haben. In der komplexer werdenden Welt biete die IHK Unternehmen Plattformen zur Information und zum Austausch an, teilte Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez mit. Er gratulierte Heinrich Kipp zu einer "fantastischen unternehmerischen Leistung".
Diese würdigte auch Bürgermeister Gerd Hieber in seinem anschließenden Grußwort. Kipp biete in Sulz jungen Menschen Perspektiven, in der Stadt zu bleiben. Als Jubiläumsgeschenk überreichte er einen Fotodruck auf Leinwand vom Sulz-Bild des Glatter Künstlers Norbert Stockhus.
Zum Festabend hatte die Familie Kipp die ganze Belegschaft eingeladen. "Ihr seid ein tolles Team", lobte Heinrich Kipp die Mitarbeiter. Seiner Frau dankte er mit einem Schokoladenherz.
Ein besonderer Gruß galt der Familie Imao aus Japan, mit der seit 46 Jahren Geschäftsbeziehungen bestehen. Sven Gnass, Leiter der Opernfestspiele in Glatt, hatte für das musikalische Programm gesorgt. Marie-Audrey Schatz und Farrah El Dibany, begleitet von Florian Lipphardt auf dem Keyboard, bekamen für ihre Auftritte großen Applaus. Unter anderem sangen sie das "Blumenduett" aus der Oper Lakmé von Léo Delibes und französische Chansons.
Nach zweieinhalbstündigem Programm konnte das Buffet eröffnet werden.