Vom Familienbetrieb zur Institution: Angelika Männle beendet nach dem Tod ihres Mannes die lange Geschichte des „Kreuz“ in Sulgen.
Für Angelika Männle ist die Zeit des Loslassens angebrochen. Nachdem sie ihren Mann durch seine schwere Krankheit begleitet hatte, und Franz Männle am 13. November vergangenen Jahres verstarb, geht im Mai ein weiterer Lebensabschnitt für sie zu Ende: Nach mehr als 50 Jahren als Gastronomin schließt sie ihr „Kreuz“ in Sulgen.
Erst war’s die „Linde“
Der Beginn dieser langen Geschichte reicht weit zurück. Frisch verheiratet eröffneten Angelika und Franz Männle am 3. Dezember ihr erstes gemeinsames Lokal, das Gasthaus „Linde“ in Sulgen. Er, gelernter Koch und Metzger, übernahm die Küche, sie, ursprünglich Damenschneiderin, wechselte aus Liebe in die Gastronomie und kümmerte sich um den Service. Tatkräftig unterstützt wurden sie von ihren Eltern. „Wir haben einfach aufgeschlossen, ohne große Feier – und die Gäste sind von Anfang an gekommen“, erinnert sich Angelika Männle.
Treue Stammgäste
Nach fünf Jahren als Pächter folgte der nächste große Schritt: Im Januar 1980 kauften sie von Helmut Herzog das Gasthaus „Kreuz“. Während dort bereits umgebaut wurde, lief der Betrieb in der „Linde“ weiter. Nach Anbau und Sanierung konnte ihr „Kreuz“ im September 1980 eröffnet werden. Viele „Linde“-Stammgäste blieben ihnen treu, zugleich kamen zahlreiche neue hinzu.
Mit der Zeit entwickelte sich das Gasthaus zu einer festen Größe in der Region. 1989 wurde Sohn Peter geboren, drei Jahre später erfolgte ein weiterer umfangreicher Umbau: Ein großes Nebenzimmer entstand, Räume wurden renoviert und die Sanitäranlagen erneuert.
Beliebt für Familienfeiern
Das „Kreuz“ zog Gäste weit über Schramberg hinaus an. Aus einem Umkreis von mehr als 50 Kilometern kamen Menschen – ob Stammtischrunden, Familienfeiern, Geschäftsessen oder Ausflügler. Viele Familien feierten bei Männles alle wichtigen Stationen ihrer Kinder: Taufe, Einschulung, Erstkommunion, Verlobung und Hochzeit.
Gemeinsam mit einem eingespielten Team bewältigte das Ehepaar auch große Veranstaltungen. „Wir waren immer sehr dankbar für unser tolles Personal und unsere treuen Gäste“, sagt Angelika Männle. Wie verlässlich dieses Team ist, zeigte sich besonders in den vergangenen Monaten, als sie den Betrieb nach dem Tod ihres Mannes alleine weiterführte.
Dank an die Mitarbeiter
„Alle haben fest zur Stange gehalten. Ein ganz besonderer Dank gilt denen, die seit Januar und bis zum Schluss dabei waren.“
Bis zur Schließung ab Sonntag, 3. Mai, ist der Betrieb noch voll ausgelastet, zahlreiche Reservierungen stehen an. Wie es danach weitergeht, lässt Angelika Männle offen. Eine Verpachtung oder gar ein Verkauf kommen zumindest vorerst nicht infrage. Ob aus dem „Kreuz“ Eventräume werden? „Vielleicht.“
Wenn es unten im „Kreuz“ still wird, will Angelika Männle oben in ihrer Wohnung die ganzen Erinnerungen an die vergangenen 50 Jahre sortieren, Kisten ordnen, Fotoalben anlegen und zur Ruhe kommen. „Das habe ich mir vorgenommen, dafür hatte ich bisher keine Zeit“.