Bettina Häberle wird derzeit zur ehrenamtlichen Notfallseelsorgerin ausgebildet. Eine wichtige Arbeit, die stets mit den Grenzbereichen menschlichen Lebens zu tun hat. Und die dringender denn je gebraucht wird.
Es sind so ziemlich die schlimmsten Erlebnisse, die man sich im Leben vorstellen kann. Der Tod eines Kindes. Ein Suizid im engsten Familienkreis. Akut lebensbedrohliche Erkrankungen.
Das sind nur einige Beispiele, in denen die Psychosoziale Notfallversorgung im Landkreis Calw/Notfallseelsorge (PSNV) Hilfe anbietet. Dabei ist die Einrichtung auf ehrenamtliche Seelsorger angewiesen.
Denn allein die Hauptamtlichen schaffen das nicht, sagt Notfallseelsorgeleiterin Kirsten Kastner, da die Arbeit auch bei ihnen als Ehrenamt zu ihrem Dienstauftrag hinzukommt.
Bettina Häberle stellt sich dieser Aufgabe, wird ihre Ausbildung zur ehrenamtlichen Notfallseelsorgerin im Januar abgeschlossen haben. Die Ausbildung zur Mitarbeit wird von der Landesarbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge – der evangelischen und katholischen Kirchen in Württemberg und Baden – verantwortet.
Häberle hatte vor vielen Jahren schon einen landeskirchlichen Kurs in Seelsorge und Gesprächsführung absolviert und war in der Klinikseelsorge aktiv. Beruflich ist sie Assistentin von Dekan Erich Hartmann im Evangelischen Dekanatamt in Calw. Auch von daher sind ihr seelsorgerische Aufgaben geläufig.
Ehrliche Reflexion
Mit diesen Vorerfahrungen kam irgendwann die Frage auf sie zu, sich als Mitarbeiterin bei der Notfallseelsorge ausbilden zu lassen. Häberle war klar, dass es sich dabei um andere Anforderungen handelte.
In der PSNV-Arbeit hat man fast immer mit den Grenzbereichen menschlichen Lebens zu tun. Es braucht deshalb eine ehrliche Reflexion der eigenen Person, so Häberle. Sie musste sich erst darüber klar werden, ob sie dem gewachsen sein wird und den Aufgaben, die sich stellen, regelmäßig nachkommen kann.
Zwei Theoriekurse
Die Notfallseelsorger sind stets zu zweit im Einsatz. In der Hospitationsphase war Häberle mit einer erfahrenen Kraft unterwegs.
Neben den Praxisphasen sind es zwei Theoriekurse, die zu absolvieren sind. Insgesamt dauert die Ausbildung gut ein Jahr. Dabei stehen Themen wie Krisenintervention, Suizid, psychische Erkrankungen sowie Todesfälle im Vordergrund.
Aber auch bei Bränden oder Naturkatastrophen kommen PSNV-Kräfte zum Einsatz. Dafür müssen sie für den Umgang mit den Blaulichtkräften wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst geschult werden. Kommunikation spielt eine wichtige Rolle. Deshalb müssen die PSNV-Kräfte sich im Wording, also in der Ausdrucksweise der Blaulichtorganisationen, auskennen. Das soll letztlich dazu beitragen, die Einsatzkräfte zu entlasten, wie Notfallseelsorgeleiterin Kastner erläutert.
Wahrung des Geheimnisses
Ganz wichtig für Häberle ist die Supervision, die regelmäßig stattfindet. Dort reflektieren Notfallseelsorgekräfte über ihre Erfahrungen, über belastende Situationen und tauschen sich aus. Einsätze werden anonymisiert besprochen. Die Wahrung des Seelsorgegeheimnisses steht an erster Stelle.
Eine Todesnachricht, etwa nach einem Unfall, muss die Polizei überbringen. Die Beamten werden von der Nofallseelsorge begleitet, die dann den Fokus auf die Hinterbliebenen richtet. „Wichtig ist, den Menschen Zeit zu geben“, sagt Kastner. Erst wenn sich das Gefühl einstellt, die Familie kann allein gelassen werden, verlassen die PSNV-Kräfte den Einsatzort.
Von den Einsatzkräften verlangt die immens schwere Aufgabe eine große psychische und physische Stabilität. Weitere Mitarbeiter werden gebraucht, zumal die Einsatzzahlen steigen. Interessierte können sich bei der Notfallseelsorge im Landkreis Calw, Telefon 0160/1 85 44 03, E-Mail kirsten.kastner@elkw.de melden.