Mit einer selten dagewesenen Fülle an Schenkungen ist am zweiten Advent die traditionelle Krippenausstellung des Sülchgauer Altertumsvereins (SAV) in der Zehntscheuer eröffnet worden.
Noch bis zum 18. Januar können Besucherinnen und Besucher dort historische und moderne Krippen aus Rottenburg und der Region entdecken. Der Eintritt ist wie gewohnt frei.
Früh zeichnete sich für das Krippenteam um Werner und Eva Wiedmaier ab, dass in diesem Jahr „Schenkungen“ zum Schwerpunkt werden würden. „Wir bekamen über 30 Krippen, Figurengruppen oder auch Ställe – so viele wie noch nie zuvor“, berichtet Wiedmaier. Besonders wertvoll ist die kunstvoll geschnitzte Hauskrippe, die das Ehepaar Bernhard aus Baisingen dem Verein überließ. Auch ein Besucher aus Hechingen zeigte sich nach dem Rundgang 2024 so beeindruckt, dass er seine handgeschnitzte Oberammergauer Krippe vermachte. Viele kleinere Spenden – einzelne Figuren, Ställe oder ganze Krippenszenen – ergänzen die Sammlung und zeigen die große Verbundenheit der Menschen mit der Rottenburger Krippentradition.
Drei historischen Hauptkrippen restauriert
Während das Team im November und Dezember die neuen Stücke sichtete, wurden zugleich die drei historischen Hauptkrippen der Schau restauriert und aufgebaut: die Altstadtkrippe, das Kalkweiler Kripple und das „Dodereskripple“ aus der Theoderichskapelle. Alle drei stammen aus dem Barock und haben ihre ursprünglichen Standorte in Rottenburger Kapellen verlassen müssen – aus Sicherheitsgründen. Diebstähle hatten die Verantwortlichen dazu veranlasst, die wertvollen Krippen ins Museum zu überführen. Besonders das Dodereskripple fällt durch seine „kaschierten Figuren“ auf, bei denen die Gewänder in Leim getaucht und anschließend bemalt wurden.
Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll die Vielfalt der regionalen Krippenkunst. Neben den barocken Hauptwerken finden sich auch zeitgenössische Interpretationen: Eine Kastenkrippe mit handkolorierten Papierfiguren von Bartle Neu sticht ebenso hervor wie ein aus Schwemmholz gestalteter Krippenstall. Historisches und Modernes verbinden sich so zu einer stimmungsvollen Gesamtpräsentation, die die Entwicklung der Krippendarstellung über Jahrhunderte anschaulich macht.
Ein fester Bestandteil der Schau ist das Weihnachtsrelief aus dem Rottenburger Dom, das seit Jahren an der Wand der Zehntscheuer zu sehen ist. Auch an die verstorbene Irma Burberg, frühere Leiterin des Krippenteams, wird erinnert: Ein von ihr geschaffenes Fatschenkindle, hinter Glas liebevoll arrangiert, steht in einem restaurierten Bauernschrank und würdigt ihr Engagement.
Die Ursprünge der Krippentradition reichen weit zurück. Die Weihnachtsgeschichte nach dem Lukas-Evangelium – die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem – ist seit dem Mittelalter zentrales Motiv der christlichen Bildkultur. Franz von Assisi wird als Wegbereiter des Krippenspiels genannt; mit lebenden Tieren stellte er in Greccio erstmals eine Krippenszene nach. Diese Tradition hat sich bis heute fortgesetzt – in Kirchen genauso wie in Privathaushalten.
Zehntscheuer eine der wichtigsten Stationen
Wer den Rottenburger Krippenweg besucht, findet in der Zehntscheuer eine der wichtigsten Stationen. Neben der Ausstellung können Postkarten, historische Kataloge sowie das Buch „Rottenburger Krippen“ von Heimatforscher Dieter Manz erworben werden. Die diesjährige Schau überzeugt durch ihre Vielfalt und durch die große Zahl an neu hinzugekommenen Objekten – ein sichtbares Zeichen dafür, wie lebendig und geschätzt die Krippenkultur in Rottenburg geblieben ist.
Rund um die Ausstellung
Zu sehen ist die Weihnachtsausstellung
des Sülchgauer Altertumsvereins ab sofort und dies noch bis zum 18. Januar 2026, immer Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Weihnachten und Dreikönig ist die Ausstellung geöffnet. An den Feiertagen Heiligabend und an Silvester ist sie geschlossen.
Der Eintritt ist frei
, es liegen Flyer aus, zudem können alte Postkarten zu den Krippen gekauft werden. Um Spendenwird vom Sülchgauer Altertumsverein gebeten.
Zu finden ist die Ausstellung
– es existiert ein barrierefreier Aufzug – in der Rottenburger Zehntscheuer, auf dem Zehntscheuerplatz unweit des Haus am Nepomuk.
Die Infotelefonnummer
lautet: 07472 / 165 333.