Bald startet für den SC Freiburg und den Südwest-Konkurrenten VfB Stuttgart eine lange Saison. So gut sind die Kader der beiden Europa-League-Teams dafür aufgestellt.
Der Tennenbronner Christian Günter trägt die DNA des SC Freiburg in sich wie kein anderer Spieler. Noch nie spielte er als Profi für einen anderen Club, noch wenige Partien fehlen ihm, um SCF-Rekordspieler zu werden.
Es ist daher nur logisch, dass Günter verbal vor der neuen Saison in drei Wettbewerben zumindest ein wenig auf die Bremse tritt. „Die letzten Jahre gab es viele Beispiele: das Jahr davor international, vielleicht sogar Champions League, und im Jahr danach haben die Vereine in die andere Richtung schauen müssen“, sagte er kürzlich dem SWR, fast wortgleich äußerte er sich bereits nach dem ersten Training Anfang Juli.
Understatement? Oder eine realistische Einschätzung der Lage beim SC Freiburg? Die Wahrheit liegt, wie so oft, wohl irgendwo in der Mitte. Denn auch durch den sich seit Wochen anbahnenden Abgang von Topspieler Ritsu Doan sind die Breisgauer in ihrem XXL-Kader – neben Doan gibt es weitere Abgangskandidaten – gut aufgestellt.
Auf fast allen Positionen doppelt besetzt
Trainer Julian Schuster konnte beim Doppeltest gegen den Hamburger SV zwei nahezu gleichwertige Teams aufbieten, während beim HSV ein klares Leistungsgefälle zu erkennen war. Auf nahezu allen Positionen ist der SC Freiburg in diesem Sommer doppelt besetzt, auch dank flexibel einsetzbarer Spieler wie Max Rosenfelder, Johan Manzambi und Merlin Röhl.
Klassischer Mittelstürmer als Gregoritsch-Ersatz?
Und für den Sturm wurde mit Igor Matanović ein klassischer Mittelstürmer von Eintracht Frankfurt verpflichtet. Mutmaßlich als Ersatz für Michael Gregoritsch, dessen Zukunft beim SC Freiburg äußerst ungewiss ist. Ob Matanović direkt die eher maue Statistik der Stürmertore aufbessern kann, muss sich jedoch zeigen.
Denn nicht nur im Angriff, sondern gleich auf vielen Positionen – unter anderem hinten links, wo Kapitän Günter längst nicht mehr felsenfest gesetzt ist – herrscht dichter Konkurrenzkampf. Schuster wird also auch in dieser Saison wieder zu harten Entscheidungen gezwungen sein.
Transfers in Höhe von mehr als 30 Millionen Euro
Und genau das war auch das Ziel bei der Kaderplanung, bei der in diesem Sommer die Rekordsumme von mehr als 30 Millionen Euro ausgegeben wurde. Damit fühlt man sich beim SC Freiburg bereit für die Saison, in der durch die Europa League mindestens acht Spiele mehr und damit zahlreiche englische Wochen warten.
Dieses Pensum wartet auch auf die Südwest-Konkurrenz des VfB Stuttgart, dessen Sommervorbereitung von zahlreichen Störgeräuschen – in Form von Transfergerüchten – begleitet wird. Vor allem im Fokus: Nick Woltemade, der dem Vernehmen nach gerne zum FC Bayern München wechseln möchte.
Jede Menge Grüchte um Nick Woltemade
Die Schwaben planen fest mit dem Shootingstar der U21-Europameisterschaft und geben das auch regelmäßig, fast schon gebetsmühlenartig, öffentlich zu Protokoll. Derzeit sieht es so aus, als könnte Woltemade tatsächlich trotz intensivem Werben des Rekordmeisters beim VfB bleiben.
Aus sportlicher Sicht ein wichtiges Zeichen der Stuttgarter, die nach der Vizemeisterschaft in der Saison 2023/24 eine eher durchschnittliche Runde spielten. In Zukunft blickt man beim Pokalsieger, der nur deshalb im zweiten Jahr nacheinander im Europapokal vertreten ist, wieder etwas nach weiter oben.
Mehrere Nationalspieler in der VfB-Offensive
Der Kader gibt das durchaus her, vor allem die Offensive ist – mit Woltemade – das Prunkstück. Deniz Undav, Jamie Leweling, Angelo Stiller und Chris Führich trugen alle bereits das DFB-Trikot. Dazu kommt Ermedin Demirovic, der ein durchwachsenes erstes Jahr beim VfB hatte. Er wolle sich in der Vorbereitung zeigen und anbieten, sagte er jüngst.
Zudem hat Trainer Sebastian Hoeneß mehrere talentierte Youngster im Team, die unter dem Coach zu Stammspielern werden könnten. Komplett zufrieden ist Hoeneß jedoch noch nicht mit dem Kader, den Enzo Millot verlassen wird. „Der Transfermarkt ist noch offen. Und ich denke schon, dass wir da noch nachlegen. Wir wollen versuchen, uns zu steigern“, sagte Hoeneß erst vor wenigen Tagen. Mit Blick auf die Dreifachbelastung keine schlechte Idee.