Laut SPD haben 430 000 Vollzeitbeschäftigte in Baden-Württemberg ein Einkommen von weniger als 2284 Euro. Überwiegend sind Frauen betroffen. Das habe eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung ergeben.
Stuttgart - Das Industrieland Baden-Württemberg könnte nach Ansicht der SPD stark von der Anhebung des Mindestlohnes auf zwölf Euro profitieren. Laut Daten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung gab es 2020 rund 430 000 Vollzeitbeschäftigte in Baden-Württemberg mit einem Einkommen von unter 2284 Euro brutto, also mit einem Stundenlohn von unter zwölf Euro. „Genau diese hart arbeitenden Menschen werden von der Anhebung des Mindestlohns profitieren“, so die Parteivorsitzende Saskia Esken, die ihren Wahlkreis in Calw/Freudenstadt hat.
Frauen sind doppelt so oft betroffen
Die Studie zeige auch, dass Frauen häufiger für niedrige Löhne arbeiten als Männer. In Baden-Württemberg beträgt der Anteil der Beschäftigten im Niedriglohn insgesamt 13,7 Prozent, doch Frauen sind zu 22,4 Prozent betroffen, also fast doppelt so oft. Die Mindestlohnerhöhung sei somit „eine längst überfällige Gleichstellung der Arbeit von Männern und Frauen“, sagte Andreas Stoch, der SPD-Landesvorsitzende bei einem SPD-Treffen in Stuttgart. Neben Frauen werden vom höheren Mindestlohn An- und Ungelernte, Beschäftigte unter 25 und Arbeitnehmer ohne deutschen Pass profitieren.
Ein Problem auch im Nordschwarzwald
Auch ländliche Regionen sind Niedriglohn-Hotspots, sagt die Studie. Insbesondere die Gastronomie, die Arbeitnehmerüberlassung und die Land- und Forstwirtschaft haben überdurchschnittlich viele Beschäftigten im Niedriglohn. „Mein Wahlkreis ist geprägt vom Tourismus und Gastgewerbe. Da wundert es mich nicht, dass die Zahlen hier überm Landesschnitt liegen“, so Esken. Trotz faktischer Vollbeschäftigung arbeiteten im Nordschwarzwald mehr als 17 Prozent der Beschäftigten für niedrige Löhne, bei den Frauen seien es fast 30 Prozent.