Vier Tage lang lockte die Spezial-Ausgabe der Südwest-Messe rund um die Themen Bauen, Handwerk und Energie aufs Messegelände. Und obwohl es derzeit eine der wenigen Messen überhaupt in der Region ist, konnte sie die Erwartungen von Ausstellern und Besuchern nicht ganz erfüllen.
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VS-Schwenningen - Normalerweise zieht die Südwest-Messe rund um Pfingsten an neun Tagen mehr als 100 000 Besucher an. Die kompakte Variante stieß am vergangenen Wochenende auf deutlich weniger Resonanz. Nur 4221 Besucher kamen. "Die Besucherzahlen sind sehr übersichtlich. Trotzdem habe ich mehrere Kaufverträge abgeschlossen", sagt Jörg Puttins, der mit Grillkota, Saunafass und Whirlpool schon ein alter Hund auf der Südwest-Messe ist: Bereits zum 15. Mal ist er mit dabei. Die Sauna- und Grillhütten der Firma Scandinavic Wood Art sind in Schwenningen schon immer ein Hingucker gewesen. Einige Kunden kämen ganz gezielt und auch von weiter her. Ein Ehepaar aus der Schweiz hatte sich unter anderem angekündigt. Der Vertrieb der besonderen Holzwaren habe sehr von der Corona-Krise profitiert. "Wir wurden im vergangenen Jahr völlig über den Haufen gerannt", sagt Puttins. Dementsprechend hapere es aber bei der Produktion und den langen Lieferzeiten. Das nähmen die Kunden aber in Kauf. Seit dem Lockdown ist es die fünfte Messe für die Firma mit Sitz in Sterup bei Flensburg.
Wichtig, wieder Präsenz zu zeigen
"Es ist schon sehr ruhig", findet auch Joachim Bauer aus Dauchingen, der mit der Firma Der Torbauer vor Ort ist und Garagentore aus Stahl präsentiert. Die Firma habe schon mehrere Male einen Stand auf dem Messegelände gehabt. Trotz niedriger Besucherfrequenz ist es für ihn die Hauptsache, wieder auf einer Messe Präsenz zeigen zu können. "Die Kundengespräche sind sehr wichtig." Besonders die Südwest-Messe sei immer ein Steckenpferd für die Außenwirkung des Betriebs gewesen.
Michael Zinke von der Prefa Alu-Dächer und -Fassaden GmbH aus Thüringen findet die diesjährige Ausgabe "sehr enttäuschend". Zum einen sei zu wenig Werbung im Vorhinein gemacht worden, zum anderen fehlten kleinere Handwerks- und Imbiss-Stände, um die Besucher zum Verweilen zu animieren. "Diesmal ist man mit dem Rundgang in 20 Minuten fertig – ein Messe-Spezial bedeutet für mich etwas anderes", sagt Zinke.
Auch wenn die Firma von der Corona-Krise nicht ausdrücklich betroffen war, fehlte der direkte Kundenkontakt. "Es läuft nur noch übers Internet." Deswegen habe man nun den Fokus auf diejenigen Regionalmessen setzen wollen, die wieder stattfinden dürfen. So wäre Tuttlingen eine nächste Station gewesen. "Die Messe dort haben wir jetzt abgesagt – als Ergebnis der Südwest-Messe", so der Projektentwickler. Trotzdem meint er: "Wenn die Situation wieder normal wird, dann sind wir im nächsten Jahr mit Sicherheit wieder hier."
Keine typische Messe-Atmosphäre
Familie Dold aus Südbaden besucht regelmäßig die Südwest-Messe und wollte aus Neugier auch in diesem Jahr sich einen Eindruck davon verschaffen, wie sie als kompakte Ausgabe aufgebaut ist. Das Fazit: "Die Messe ist überschaubar und nicht überlaufen. Für uns ist das angenehm, für die Aussteller ist es wahrscheinlich nicht zufriedenstellend."
Familie Kern möchte in naher Zukunft ihr Haus umbauen und sucht auf der Messe Inspiration. Das Angebot sei in Ordnung, könne aber ruhig etwas mehr sein, sagt der Familienvater, "vor allem im Bereich Sanierung." Auch die Eheleute Knaus aus Stockach, ebenfalls treue Südwest-Messe-Gänger, zeigen sich etwas enttäuscht. Sie und ihr Mann seien gut beraten worden, unter anderem zum Thema Garagentor, sagt Gerda Knaus, vom allgemeinen Angebot habe sie sich aber mehr erhofft. "Der Wohnbereich ist leider nicht abgedeckt."
Jörg Müller möchte sich über das Thema E-Mobilität informieren und freut sich, dass er an mehreren Ständen fündig wird. Er kennt die normale Südwest-Messe und sieht sofort die quantitativen und auch qualitativen Unterschiede. "Es ist in diesem Jahr keine Messe zum Bummeln und Genießen", findet er. Ihm fehle zudem das Flair. Dennoch: Wer gezielt nach etwas von den drei Themenbereichen suchen würde, der werde auch diesmal fündig,
Die Messegesellschaft relativiert die Einschätzungen in ihrem Abschlussbericht: "Wir sind sehr froh, dass diese kompakte Sonderausgabe unserer Südwest Messe so gut gelaufen ist. Die Planungsbedingungen waren alles andere als einfach", meint Messe-Chefin Stefany Goschmann. "Man spürt, dass die Menschen sich treffen und Schritt für Schritt ins normale Leben zurückwollen."
Zukunftsgerichtet seien sich die Aussteller einig: Die Gespräche mit den Besuchern der letzten vier Tage waren sehr wertvoll und aufbauend mit viel Potenzial und Aussicht auf gute Messe-Nachgeschäfte. Bereits in den kommenenden Wochen werden die Vorbereitungen für die Original-Ausgabe starten, die im Juni 2022 stattfinden soll.
Hier gehts zum Kommentar zum Messe-Flop von unserer Autorin Mareike Kratt