Seit nunmehr 30 Jahren ist die Südostumfahrung in Calw im Gespräch. Nun wird die Planung des dritten Bauabschnitts konkret. Das Projekt ist nicht nur komplex, sondern auch teuer.
Die Südostumfahrung beschäftigt die Stadt Calw seit Jahrzehnten. Andreas Quentin, Fachbereichsleiter Planen und Bauen, erinnerte sich in der jüngsten Bauausschusssitzung, dass erste Beratungen bereits 1995 stattgefunden hatten.
Mittlerweile ist der dritte Bauabschnitt im Gespräch. Der erste entspricht der Straße durch das Gewerbegebiet Stammheimer Feld I und II. Der zweite ebenfalls bereits realisierte Bauabschnitt ist die Weiterführung von der ENCW zum Landratsamt.
Mit dem letzten Bauabschnitt soll nun eine Verbindung zwischen Landratsamt und B 463 entstehen. Bei der Realisierung der Straße muss einiges beachtet werden – nicht nur ist das Gebiet steil und teilweise alpin. Auch die Bahngleise werden an einer Stelle gekreuzt.
Ursprünglich hätte die Straße unter der Bahn hindurchlaufen sollen. Diese Idee wurde allerdings verworfen – zu schwierig in der Umsetzung und nicht wirtschaftlich. Doch auch die neue Variante mit Überführung oberhalb der Gleise ist „sehr, sehr aufwendig“, wie Quentin erklärt.
Großes Thema sei auch der Artenschutz. Erhebliche Untersuchungen dazu habe es 2021 bereits gegeben. 2025 seien diese nochmals nachgeprüft worden.
Wozu der ganze Aufwand? Die Kernstadtumfahrung habe bisher nicht zu einer Entlastung der Stuttgarter Straße geführt, sondern lediglich zur Entlastung der Bischofstraße. Durch die Südostumfahrung könnten 10 000 Fahrzeuge umgeleitet werden. Die Aufgabe der Umfahrung soll es sein, den tendenziell zunehmenden Verkehr aufzunehmen. Dabei spielt nicht nur der Durchfahrtsverkehr eine Rolle, wie Quentin erklärt, sondern auch die Erweiterung des Landratsamtes und die Eröffnung des Gesundheitscampus, wodurch es zu zusätzlichen Verkehrsbelastungen komme. Man müsse gute Anbindungen an die neuen Infrastrukturen schaffen, das gelte auch für die Gewerbegebiete Stammheimer Feld I und II.
In jüngster Sitzung stellen Mitarbeiter des Ingenieurunternehmens Schüßler-Plan und des Büros Helbig-UmweltPlanung den aktuellen Stand vor.
Vonseiten Schüßler-Plan wird berichtet, dass im Sommer 2021 die Voruntersuchungen liefen. Es kam zu Prüfungen bei der Gleisanlage sowie Abstimmungen zwischen Bahn und Landratsamt – denn für das Projekt sollen 900 Meter an Gleisen verschoben werden.
Für die Verschiebung der Gleise müsste noch geprüft werden, ob der Felshang gesichert werden muss – vor allem mit Blick auf die Kollision der Kulturbahn mit einem Felsbrocken vor einigen Wochen.
Neuer Kreisel soll entstehen
Die Südostumfahrung soll an der Bundesstraße mit einem neu zu errichtenden Kreisverkehr zwischen Postgebäude und Altem Bahnhof anschließen.
Um den Höhenunterschied auszugleichen, werde es eine 180-Grad-Kehre geben. Durch den Bau entlang des Hangs müssen außerdem Anpassungen vorgenommen werden. Laut dem Ingenieurbüro werde man versuchen, so wenig Einschnitte wie möglich in den Waldhang vorzunehmen und so wenig wie möglich in Richtung Tal aufzuschütten.
Darüber hinaus würden Stützbauwerke zur Hangsicherung nötig werden. Durch die Fahrbahnversiegelung mussten außerdem Lösungen für die Entwässerung gefunden werden.
Untersuchungen stehen aus
Mittels eines Gehweges soll der Wanderweg aufrechterhalten werden, der von der neuen Umfahrung durchschnitten wird. Auch über den Anschluss der Wirtschafts- und Holzabfuhrwege, die gekreuzt werden, müsse man sich noch mit dem Forst abstimmen. Und das ist nicht alles, das es noch zu erledigen gilt. Für den Bau der Straße sind laut dem Büro noch statische Untersuchungen notwendig. Oberhalb müsse eine Auffangschürze angebracht werden, um die Straße vor herunterrollenden Steinen zu schützen.
Fledermausvorkommen
Und dann fehlt noch die Umweltplanung. Zu dieser ist vonseiten des Büros Helbig-UmweltPlanung zu erfahren, dass die Straße landwirtschaftliche Flächen, aber vor allem Waldgebiete sowie Waldschutzgebiete kreuzt. Wesentliche Konflikte treten hierbei in den Wäldern auf, in denen zahlreiche Vogelarten leben. Auch Biotope befinden sich in dem Gebiet. Das müsse man „rechtlich bewältigen“ – also Ausgleichsmaßnahmen treffen.
Das Thema Fledermäuse wird auch hier groß – doch hoffentlich nicht so groß, wie bei der Hesse-Bahn – , denn die geplante Trasse kreuzt Flugstraßen. Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung könne daran nichts ändern – die Fledermäuse müssen umgeleitet werden.
Wie geht es weiter? Bis Sommer soll die Planungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn stehen. In das Genehmigungsverfahren wolle man Ende des Jahres starten. Ausschreibungen und Vorbereitungen wären 2027/2028 möglich. Die reine Baumaßnahme würde etwa drei Jahre andauern.
Was soll es kosten? Ohne die Hangsicherung war die Vorplanung auf 19 Millionen Euro geschätzt worden. Das Unternehmen Schüßler-Plan kann nun mitteilen, dass dieser Schätzwert nicht gehalten werden kann. Es wird teurer. Wie viel teurer, kann noch nicht gesagt werden. Das Unternehmen strebe eine Kostenberechnung bis Herbst an.