Vapes sind bei Jugendlichen beliebt – und ihre negativen Auswirkungen werden unterschätzt. Foto: Marijan Murat/dpa

Die Villa Schöpflin legt ihren Jahresbericht 2025 vor. Das Präventionsangebot ist vielfältig – die Suchtgefahren auch. Neue Formate und Partner sollen mehr Jugendliche erreichen.

Tabak, Alkohol und Cannabis, aber auch sogenannte stoffungebundene Abhängigkeiten durch beispielsweise digitale Medien: Kinder wachsen heute mit mehr potenziellen Suchtgefahren auf als früher. Die Lörracher Villa Schöpflin, Zentrum für Suchtprävention, reagiert darauf mit einem breiten Präventionsangebot und hat nun ihren Jahresbericht 2025 bei einer Pressekonferenz vorgestellt.

 

„Wir haben 340 Familien intensiv begleitet und dabei mehr als 1070 Beratungsgespräche geführt“, sagt Geschäftsführer Peter Eichin. Insgesamt setzte die Villa 423 Präventionsmaßnahmen um und erreichte damit 6059 Personen direkt. 1789 Schüler nahmen an Präventionsworkshops teil.

Die Villa Schöpflin entwickelt Präventionsangebote für Kinder und Jugendliche im Umgang mit Suchtmitteln – und setzt diese im Landkreis Lörrach auch selbst in die Praxis um. Die eigenen Programme werden somit direkt erprobt und weiterentwickelt.

Eichin macht deutlich: Das Angebot der Villa Schöpflin sei keine Suchtberatung, sondern vorbeugende Arbeit. Das Ziel sei, rechtzeitig einzuschreiten, bevor es problematisch wird. „Jugendliche, die bereits eine Abhängigkeit entwickelt haben, werden weitervermittelt.“

Alkoholprävention

„HaLT – Hart am LimiT“ (kurz HaLT) ist das von der Villa Schöpflin im Jahr 2002 entwickelte Alkoholpräventionsprogramm, das laut Jahresbericht mittlerweile in 14 Bundesländern umgesetzt wird. Die Ausgangslage: „Der Konsum findet meistens nicht im Elternhaus statt“, sagt Eichin. Entsprechend brauche es andere Zugangswege. Beispielsweise können Krankenhäuser beispielsweise nach einer Alkoholvergiftung die Villa Schöpflin kontaktieren.

So können Jugendliche darin unterstützt werden, das eigene Verhalten in Bezug auf Alkohol zu reflektieren. Eichin: „Wir nennen das lernoffene Momente – in solchen Ausnahmesituationen sind viele Jugendliche offener für eine Intervention.“ 2025 fanden laut Bericht 17 Beratungen infolge einer Krankenhauseinlieferung mit Alkoholintoxikation statt.

Insgesamt nahmen 20 Personen das HaLT-Beratungsangebot an, darunter zehn Jugendliche beziehungsweise junge Erwachsene und zehn Eltern oder Bezugspersonen. Zudem wurden 45 Multiplikatoren geschult – etwa Lehrer oder Sozialarbeiter an Schulen. Insgesamt haben 2025 laut Bericht 374 Fachkräfte an diesen Schulungen teilgenommen.

Digitale Medien

Im Bereich von Digitalen Medien ist das Tabu, sich Hilfe zu suchen, deutlich geringer. Häufig sind es Eltern, die das Gespräch mit dem Schöpflin-Team suchen, weil sie sich Sorgen um den Medienkonsum ihrer Kinder machen. Dabei können Geräte wie Smartphones oder Spielkonsolen, aber auch Inhalte im Fokus stehen.

„Digitale Medien sind bei uns der häufigste Anfragegrund“, sagt Präventionsfachkraft Lena Butter. Das zeigt sich auch im Jahresbericht: Im Beratungsangebot „ESCapade“ begleitete die Villa 2025 insgesamt 117 Familien überwiegend zum Thema digitale Medien und angemessenen Medienkonsum. Dabei fanden 994 Einzeltermine statt.

Auch die Justiz ist involviert – etwa wenn es um die Nutzung und Weiterverbreitung von jugendpornografischen Bildern, Memes und Videos geht. Im Rahmen einer Auflage eines eingestellten Verfahrens werden Jugendliche häufig zur Villa Schöpflin geschickt. Butter macht deutlich: „Kinderpornografie ist im Besitz und erst recht in der Verbreitung strafbar.“ Vielen Heranwachsenden sei jedoch die Tragweite ihres Handelns nicht bewusst. Also leiste das Präventionszentrum auch viel Aufklärungsarbeit – beispielsweise bei der Frage: Wie verhalte ich mich, wenn ich etwas geschickt bekomme? Die Antwort der Experten: „Verweigern – in der Rechtssprache heißt das: Den Besitzwillen negieren.“

Cannabis

Etwas aus dem Blick geraten ist in der Justiz die präventive Arbeit mit Cannabis konsumierenden Jugendlichen. Hier hatte sie in der Vergangenheit viele Heranwachsende an die Villa Schöpflin vermittelt. Seit der Legalisierung falle dieser Zugang jedoch weitgehend weg.

Das bringe die Villa dazu, andere Kanäle stärker in den Fokus zu nehmen – etwa den „Cannabis – quo vadis?“-Workshop oder die enge Zusammenarbeit mit Schulsozialarbeitern, sagt Präventionsfachkraft Franziska Ruch.

Die Gefahren durch Cannabis seien dabei oft weniger unmittelbar sichtbar, aber nicht weniger gravierend: „Teilnahmslosigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme, Leistungsabfall“, zählt Ruch auf. Geschäftsführer Peter Eichin ergänzt: „Bei Jugendlichen mit regelmäßigem Konsum entstehen biografische Lücken, die sich später kaum noch schließen lassen.“

Tabak und Inhalationsprodukte

Weiterhin bieten Fachkräfte Unterstützung beim Rauchstopp an. Eigentlich seien die Zahlen rauchender Heranwachsender seit Jahren rückläufig, sagt Präventionsfachkraft Anna Lauer, wobei es Anzeichen gäbe, dass sich das wieder ändert.

Deutlich an Bedeutung zugenommen haben aber Inhalationsgeräte wie Vapes. Diese sind bei Jugendlichen inzwischen fest etabliert und werden laut Lauer als harmlos wahrgenommen – von der Industrie auch so gewollt. „Die Produkte zielen direkt auf Jugendliche, mit bunter Werbung und süßen Geschmäckern“. Gleichzeitig würden die Geräte häufig als harmlos wahrgenommen. „Aber das sind sie nicht“, sagt Lauer. „Vapes sind nicht ohne Grund erst ab 18 erlaubt.“