Unter dem Motto „Wieso? Weshalb? Darum“ geht es beim bundesweiten Aktionstag Suchtberatung am 9. November um die Angebote der Beratungsstellen in Deutschland. Im Landkreis Calw gibt es dazu ein niederschwelliges Angebot, denn das Problem betrifft breite Kreise der Bevölkerung.
Pia Vollmer, Alica Wagner, Melanie Fritz, Thomas Kikowatz und Carolin Becker kümmern sich um die Suchtkranken im Landkreis Calw. Die Fachstelle Sucht hat ihren Sitz in der Bahnhofstraße 31 in Calw mit Außenstellen in Nagold und in Calmbach.
Angebot „Wir sind breit aufgestellt“, sagt Melanie Fritz im Gespräch mit unserer Redaktion. Die fünf Suchttherapeuten beziehungsweise Sozialpädagogen beraten bei legalen und illegalen Drogen. Auch bei stoffungebundene Abhängigkeiten wie zum Beispiel die Spielsucht dürfen sich Betroffene an die Fachstelle Sucht im Landkreis Calw wenden.
Die Mitarbeiter beraten aber nicht nur, sondern bieten auch eine ambulante Rehabilitation an. In diesem Bereich sind durchschnittlich 30 bis 40 Patienten in Behandlung, berichtet Fritz. Nach ihren Worten ist dieses Angebot besonders dann wichtig, wenn Betroffene nach einer stationären Behandlung stabilisiert werden und in den Alltag zurückfinden. „Wir knüpfen dort an, wo die Sucht entsteht“, berichtet Fritz. Beim Medienkonsum bietet die Fachstelle Sucht immerhin eine Beratung an.
Zu einem immer größeren Problem werden Essstörungen. Hier soll es bald ein zusätzliches Angebot geben. „Eine neue Angehörigengruppe ist in Planung“, berichtet Fritz.
Schleichender Prozess
Betroffene Und wer ist von einer Sucht betroffen? Es sind beileibe nicht nur Randgruppen, wie Fritz betont. Alle gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen sind tangiert. „Jeder kann abhängig werden“, gibt die Sozialpädagogin zu bedenken. Das sei mitunter ein schleichender Prozess, der sich über Jahre hinziehe. „Deshalb ist die Beratungsstelle vor Ort so wichtig“, sagt Fritz. Es gehe darum, einen niederschwelligen Zugang zum Angebot zu haben und einer Stigmatisierung entgegenzuwirken: „Alle dürfen kommen.“ Die Mitarbeiter begegneten den Betroffenen auf Augenhöhe. „Wir sind mit Herzblut dabei“, sagt sie. Alles sei freiwillig. Angesprochen fühlen dürfen sich dabei nicht nur Betroffene, sondern auch Angehörige und sonstige Interessierte.
Von Januar bis zum 6. November kamen zur Fachstelle Sucht in Calw 317 Personen, davon waren 232 männlich und 85 weiblich. 2022 kamen zur Fachstelle Sucht 338 Betroffene. Fast drei Viertel waren Männer. Fritz erklärt sich die Überzahl der Männer mit gesellschaftlichen Phänomen: „Bei Männern ist Alkohol eher akzeptiert.“ Frauen dagegen müssten stärker mit einer Stigmatisierung rechnen, wenn sie alkoholabhängig seien. Die Hemmschwelle sei deshalb größer, Hilfe zu suchen. Sie hätten Angst vor Ausgrenzung.
Drogen Und was ist die Droge Nummer eins? Es ist der Alkohol. Von den 317 Personen, die in diesem Jahr bis 6. November in die Fachstelle kamen, waren 180 alkoholabhängig. Es folgt mit weitem Abstand Cannabis mit 47 Personen. 2022 hatten von den 338 Betroffenen rund 60 Prozent ein Problem mit dem Alkohol. Rund ein Viertel nahmen illegale Drogen.
Prävention Damit es zum Drogenkonsum erst gar nicht kommt, spielt die Prävention bei der Fachstelle Sucht eine große Rolle. Die Mitarbeiter gehen in Jugendhäuser, besuchen Elternabende und gehen zu Sportvereinen, Schulen und anderen Bildungsstätten, macht Fritz deutlich.
Kontakt Wer Probleme mit einer Sucht hat, darf sich an die Fachstelle Sucht in der Bahnhofstraße 31 in Calw wenden, Telefon 07051/9 36 16, Fax 07051/93 61 88, E-Mail fs-calw@bw-lv.de. Das Sekretariat in Calw ist von Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 12 und von 13 bis 14 und zusätzlich donnerstags von bis 16 Uhr geöffnet. In der Marktstraße 12 in Nagold gibt es dienstags von 10.30 bis 12.30 Uhr und donnerstags von 13 bis 15 Uhr eine offene Sprechstunde. In Calmbach dürfen Betroffene für den Montag einen Termin vereinbaren. Dienstags gibt es von 16 bis 18 Uhr offene Abendsprechstunden.
Träger Der Baden-Württembergische Landesverband für Prävention und Rehabilitation (bwlv) mit Sitz in Renchen ist Träger der Fachstelle Sucht im Kreis Calw.