Die Tage am Schreibtisch in der Neckarstraße sind vorüber: Suchtberaterin Susanne Henning ist in den Ruhestand gegangen. Foto: Becker

20 Jahre Suchtberatung. Eine bewegte Zeit ist zu Ende. Susanne Henning hat ihre Tätigkeit in der Horber Außenstelle der Diakonie Freudenstadt beendet und befindet sich nun im berühmten (Un-)ruhestand. Ein Blick zurück.

Horb - Zunächst hat Susanne Henning 13 Jahre bei der Drogenhilfe in Tübingen gearbeitet. 1999 wechselte sie zur Diakonischen Bezirksstelle nach Freudenstadt und kam so in die Außenstelle. Gebürtig jedoch stammt Henning aus Nordrhein-Westfalen, aus Paderborn um genau zu sein. Der Werdegang der studierten Sozialarbeiterin weißt Stationen in ganz Deutschland auf. Von Sylt aus habe sie damals Bewerbungen geschrieben und sei so schließlich beim Vorstellungsgespräch in Tübingen gelandet.

In Horb fing alles zunächst in der Ihlinger Straße an, mit Sprechzeiten am Dienstag und Donnerstag. 2010 wechselte sie die Räumlichkeiten und zog in die Neckarstraße, für fünf Tage die Woche präsent. Im Laufe ihres Berufslebens habe sie "sehr, sehr viele Menschen beraten", erzählt Henning. Viele Begleitungen und Betreuungen hätten sich über Jahre hinweg gezogen.

Der eine schafft es, der andere nicht

Bei einem alkoholabhängigen Jugendlichen beispielsweise habe sie seinen Reifungsprozess miterlebt, wie er erwachsen geworden sei, sein Leben in Griff bekommen habe, und am Ende sogar Familienvater wurde. Dabei sei er ursprünglich im Zwangskontext zu ihr hergeschickt worden, eben vom Gericht, weil er straffällig geworden war.

Was Henning allerdings auch miterlebt hat: Todesfälle. Ein junger Mann, der mit sogenannten Badesalzen, das sind chemische Drogen, zu tun hatte, sei bei ihr aufgetaucht und habe erzählt, dass sich gerade wieder alles zum Guten Wende. Darauf kam die Hiobsbotschaft, dass er von der Brücke gesprungen sei.

Zum einen sei da dann noch die Selbsthilfegruppe für Angehörige von Suchtkranken und Suchtgefährdeten, die sie über Jahre hinweg begleitet habe. Zweitens die Rauchfrei-Kurse, wo die gelernte Yoga-Lehrerin Spezialtechniken einfließen ließ, um dem Suchtdruck entgegenzuwirken. Und drittens war Henning auch in der Sucht-Ohr-Akupunktur bewandert. Ins Ohr gesetzte Nadeln sollen hier Entgiftungsvorgänge in der Leber und Niere in Gang setzen.

Medien- und Spielsucht wesentlich zugenommen

An ihrer Tätigkeit jedenfalls habe ihr vor allem die direkte Zusammenarbeit mit den Menschen Spaß gemacht, resümiert Henning, also die Gespräche mit den Klienten und die Gruppenangebote. "Es gibt nicht den oder die Abhängige", betont die Suchtberaterin. Für jede Persönlichkeit müsse man einen individuellen Ansatz finden. Was über die Jahre wesentlich zugenommen habe, sei, bedingt durch das Internet, die Medien- und Spielsucht.

Ab 2004 wurde Henning dann anteilig freigestellt, um in der Mitarbeitervertretung, dem diakonischen Betriebsrat, mitzuwirken. Hier kam die Suchtberaterin mit anderen Bereichen wie Kindertagesstätten und Sozialstationen in Berührung, wo ihr Arbeitgeber auch Träger ist. Henning wirkte an Themen wie Arbeitssicherheit, betriebliche Gesundheitsfürsorge, Eingliederungs- und Einstellungsverfahren mit.

Aktiv am städtischen Kulturgeschehen beteiligt

Und ist es auch schon einmal gefährlich geworden? Einmal sei ein Klient bei ihr vorstellig geworden, auf Anordnung des Arbeitsamtes, so Henning. Er habe ein ruppiges Auftreten an den Tag gelegt. Ohne ihr Zutun sei dann Max, ihr Berner Sennenhund, der damals bei ihr mit im Büro gewesen sei, aufgesprungen und habe den Klienten angeschaut. Von da an sei das weitere Gespräch dann ganz entspannt verlaufen.

Jetzt freut sich Hennig über die Zeit, die sie bald zur Verfügung haben wird, um sich ihren Interessen zu widmen. Sie ist im Projekt Zukunft involviert, im Vorstand der Bücherei tätig und ab und zu auch mal als Stadtführerin unterwegs. "Ich werde in Horb, im Schwabenländle weiter mein Unwesen treiben", erklärt sie zum Ende strahlend.

Info: So geht es weiter

Die Nachfolge von Susanne Henning ist bereits gesichert. Maria Flaig-Maier und Rüdiger Holderried, zwei Suchtberater von der Diakonischen Bezirksstelle Freudenstadt, werden im Wechsel in der Horber Außenstelle zugegen sein. Flaig-Maier wird einen Tag, Holderried die restlichen Tage übernehmen. Im Februar wird die Außenstelle zunächst allerdings nur dienstags von Holderried besetzt sein.