Eine der rätselhaftesten Gewalttaten im Land wird womöglich nie aufgeklärt: Der Polizistinnenmord von Heilbronn - trotz 40 Spuren.

Stuttgart. Die Polizistin Michèle Kiesewetter war im April 2007 bei einem Einsatz in Heilbronn mit einem Kopfschuss ermordet worden. Ihr Kollege überlebte schwer verletzt, kann sich an den Tathergang aber nicht mehr erinnern. Der Fall hatte nicht nur wegen seiner Brutalität bundesweit für Aufsehen gesorgt, sondern weil er Auftakt zur Suche nach dem Phantom von Heilbronn wurde. Bei den Ermittlungen hatten Spezialisten am Fahrzeug der Polizisten DNA-Spuren einer unbekannten Frau entdeckt.

In den folgenden Monaten wurde der gleiche Gencode bei unzähligen Verbrechen im In- und Ausland entdeckt und zudem mit alten DNA-Spuren abgeglichen. Dabei gingen die Fahnder davon aus, dass die unbekannte Person auch für Morde in Freiburg und Idar-Oberstein verantwortlich war. Doch je länger die Suche nach dem Phantom dauerte, desto größer wurden die Zweifel an der Echtheit der Spur. Im März dieses Jahres kam dann die Ernüchterung, als sich herausstellte, dass die DNA-Spur gar nicht von der gesuchten Verbrecherin, sondern von einer Firmenmitarbeiterin stammte, die für das Verpacken der Wattestäbchen zuständig war. SPD und Grüne hatten deshalb Innenminister Heribert Rech (CDU) wegen wiederholter Pannen kritisiert. Erst Mitte dieser Woche erneuerten die Grünen ihre Kritik an Rech.

Unabhängig davon wurde seit März weiter nach dem Polizistinnenmörder von Heilbronn gesucht - ohne Erfolg. Von ursprünglich 1700 Hinweisen, die nichts mit der falschen DNA-Spur zu tun hatten, sind noch 40 zu bearbeiten. LKA-Sprecher Haug betonte, man gehe den Spuren weiter nach, teilweise führen sie auch ins osteuropäische Ausland. Schon früher war vermutet worden, die Täter von Heilbronn könnten aus der Drogenmafia stammen.

Die Beamten aus Heilbronn, die einst den Kern der Soko bildeten, sind inzwischen an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt. Der Fall werde jetzt komplett vom LKA bearbeitet - und wohl demnächst abgeschlossen. "So ein Fall wird dennoch nicht ad acta gelegt, denn Mord verjährt nicht", betonte der LKA-Sprecher. Selbst die ausgelobte Belohnung von 300.000 Euro existiert noch - allein, es fehlen habhafte Hinweise auf die Täter.