Jetzt kommen noch 44 Prozent der Landesfläche in Deutschland infrage. 2020 waren es noch 54 Prozent. Foto: © M. Schuppich - stock.adobe.com

Bei der Suche nach nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll werden in den kommenden Monaten und Jahren die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt. Erste Regionen wurden aussortiert. Das sorgt für Erleichterung in Dobel und Bad Herrenalb.

Mehr als vier Jahre sind seit dem ersten Zwischenbericht vergangen – jetzt hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) die potenziell geeigneten Flächen in Deutschland weiter eingegrenzt. So wurden im Südwesten mehrere Regionen ausgeschlossen oder als wenig geeignet bewertet. Laut BGE-Sprecherin Dagmar Dehmer kommen nun noch 44 Prozent der Landesfläche in Deutschland infrage.

 

Nähere Untersuchung

18 Prozent Als ungeeignet oder gering geeignet stuften die Arbeitsstände insgesamt rund 18 Prozent der sogenannten Teilgebietsflächen ein. Unter anderem gehören dazu Gebiete in einem breiteren Streifen zwischen Bad Herrenalb über Pforzheim und Vaihingen an der Enz bis in die Kreise Neckar-Odenwald und Main-Tauber. Baden-Württemberg ist allerdings noch nicht generell aus dem Rennen bei der Endlagersuche. Weite Teile des badischen Raums, aber auch Gebiete rund um Stuttgart, im Ostalbkreis und im Alb-Donau-Kreis müssen noch näher untersucht werden.

Nicht ausgeschlossen Dobels Bürgermeister Christoph Schaack spricht im Gespräch mit unserer Redaktion vorrangig von einer Erleichterung, dass die heimische Region wahrscheinlich nicht dabei sei. Er zähle die Sonneninsel noch mit zur Rheinebene. Das Ortsoberhaupt erwähnte die Tektonik und die Wasserversorgungen. Für ein Endlager böten sich besser geeignete Regionen an. Der Dobler Rathauschef erinnert sich an den 13. November 2021, als eine öffentliche Online-Veranstaltung über die Beteiligung an der Endlagersuche für hoch radioaktive Abfälle stattfand. Tausende hätten teilgenommen. 90 Teilgebiete habe die Bundesgesellschaft für Endlagerung ausgewiesen. Namentlich seien diese nicht genannt worden. „Dass wir dabei sein können, war nicht ausgeschlossen“, so Schaack. Allerdings habe er nie wieder etwas Konkretes zum Thema gehört. Weder vom Regionalverband, dem Regierungspräsidium oder dem Landratsamt. Im März vorigen Jahres habe es einen kurzen Hinweis des Gemeindetags Baden-Württemberg gegeben, dass die Endlagersuche länger dauere. Wenn er konkrete Infos bekommen hätte, hätte man die Öffentlichkeit eingebunden, so der Dobler Schultes. Und freilich Bedenken geäußert.

90 Teilgebiete

Suchraumkulissen Der Bad Herrenalber Bürgermeister Klaus Hoffmann sagte auf Nachfrage, dass die Stadt in der Vergangenheit immer wieder in Videokonferenzen und durch Mitteilungen über Zwischenstände informiert worden sei.

„Es war jedoch klar, dass es sich zunächst nur um Suchraumkulissen handelte und der Prozess sich hinziehen würde“, so Hoffmann. „Es gab und gibt einen bundesweiten Prozess, dessen Ergebnisse jederzeit beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung nachzulesen sind.“ Der erste umfassende Bericht sei 2020 vorgestellt worden – „und damals lag Bad Herrenalb in einem der Suchräume, was sich jetzt aber geändert hat“.

Man haben alle angebotenen Möglichkeiten in Anspruch genommen, „um uns über die aktuellen Sachstände auf dem Laufenden zu halten“, so Hoffmann.

Alle gleichzeitig

Die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker habe „unser Bundesland betreffend gesagt, dass ‚auch bei uns (…) Flächen möglich‘ sind.“ Und die aktuelle Meldung verweise darauf, dass die Analyse zu den einzelnen Suchräumen noch längst nicht abgeschlossen sei, der Gesamtprozess also noch andauern werde. Wo die Endlagerung des Atommülls realisiert werde, könne zurzeit niemand vorhersagen, so Hoffmann.

Die Verantwortlichen hätte beschlossen, alle gleichzeitig zu informieren, das sei nun geschehen. Andere Kommunen müssten weiterhin warten, bis die nächsten Analysen abgeschlossen seien.