Den Beinberger Landwirten ist es endlich gelungen, ihre zwei ausgebüxten Kälber einzufangen (Symbolfoto). Foto: © abehrendt - stock.adobe.com/@ ANKE BEHRENDT

Neun aufreibende Tage liegen hinter den Besitzern der Tiere, die offenbar in Panik von ihrer Weide in Oberlengenhardt geflüchtet waren. Doch noch können sie nicht aufatmen.

„Wir sind schon mal dankbar, dass niemand zu Schaden gekommen ist – weder Tier noch Mensch“, sagt Hedwig Hamm-Gorjup am Dienstagvormittag. Hinter ihr und ihrem Mann Uwe Gorjup liegen neun Tage, die kein Tierbesitzer erleben möchte: In der Nacht zu Sonntag, 14. Mai, waren zehn ihrer Kälber von ihrer Weide in Oberlengenhardt geflohen. 46 Tiere grasten dort. Während sie acht von ihnen bereits am selben Tag wieder einfangen konnten, blieben zwei Kälber verschwunden.

 

Immer wieder wurden die beiden gesehen – mal an der B 296 zwischen Calmbach und Oberreichenbach, mal in einem Waldstück zwischen Oberreichenbach und Würzbach. Dort allerdings zum letzten Mal am Freitagabend. Selbst dass die Gorjups die Mütter der beiden Kälber dorthin brachten und dort auch beließen, zeigte zunächst keinen Erfolg.

Mütter nehmen ihre Jungen nicht mehr an

Bis Montagabend, 22. Mai: Als Uwe Gorjup mit seinem Schwiegersohn zu den eingezäunten Kühen fuhr, sahen sie die Kälber. Das spezielle Futter, das der Landwirt für die Jungtiere dort gelassen hatte, hatte sie offenbar angelockt. Dennoch dauerte es rund dreieinhalb Stunden, bis die Männer es schafften, die beiden Tiere erst mit Gittern zu umschließen, und sie dann auf den Anhänger zu laden. Nach 22 Uhr waren die Tiere endlich, endlich wieder zu Hause.

In einem Waldstück bei Würzbach gelingt es Uwe Gorjup und seinem Schwiegersohn endlich, die beiden Kälber einzufangen. Foto: Gorjup

„Wir sind froh“, sagt Hedwig Hamm-Gorjup. Doch ihre Sorgen sind die Landwirte längst nicht los. Die Kälber seien traumatisiert, das merke man. Sie seien verängstigt und nicht mehr zutraulich wie vor ihrer Flucht. Im Moment befinden sich die beiden mit ihren Müttern im Stall auf dem Hardthof der Gorjups in Beinberg. Allerdings: „Die Mütter der beiden haben keine Milch mehr, sie nehmen ihre Kälber nicht mehr an.“ Offenbar waren die Jungtiere zu lange von den Kühen getrennt. Wie es nun weitergeht? Ein Kollege, der vor Langem ebenfalls ein traumatisiertes Kalb hatte, macht den Gorjups wenig Hoffnung. Er meint, die Tiere werden sich von dem Schock nicht mehr erholen.

Aus Sicht der Landwirte ist Feuerwerk Auslöser für Flucht

Für die Landwirte steht fest, dass die Kälber in Panik von ihrer Weide geflohen sind, weil am nahe gelegenen Schützenhaus bei einer privaten Feier ein Feuerwerk gezündet worden war. Dafür gebe es Zeugen, zudem ein Handyvideo. Das Paar überlegt deshalb, Anzeige zu erstatten gegen den Veranstalter des Fests. Erst einmal müssen die beiden aber nacharbeiten. Zu viel ist in den vergangenen Tagen auf ihrem Hof liegen geblieben.

Die vergangene Woche „war ein totaler Alptraum“

„Es war ein totaler Albtraum“, sagt Hedwig Hamm-Gorjup im Rückblick. Zur stunden- und tagelangen Suche kam nicht nur die Sorge um die Tiere, sondern auch die, dass die Kälber in ein Motorrad oder Auto laufen und Menschenleben in Gefahr bringen könnten.

Deshalb haben die Gorjups in den vergangenen Tagen diverse Genehmigungen eingeholt – unter anderem damit Jäger die Tiere betäuben oder erschießen dürfen. Seit 31 Jahren sei ihnen kein Tier durchgegangen, sagt die Landwirtin. Im Kontakt mit den Behörden fühlte sie sich dennoch manchmal an den Pranger gestellt.

Nach neun Tagen Ausnahmezustand können sie nun zumindest ein bisschen durchschnaufen. Davon abgesehen gibt es auf dem Hardthof genug zu tun.