Machen das Kino zum vielfältigen Kulturort (von links): Gabriele King, Siegried Lägeler, Jens Fichter, Michael Maurer, Reiner Lupphold, Thomas Ade, Helgae Effinger, Eva Ade, Angela Arcadi, Matthias Hartmann, Conny Herde, Brigitte Broghammer und Volker Broghammer. Foto: Rainer langenbacher

Im Subiaco werden nicht nur Filme vorgeführt – hier entsteht Kultur. Ehrenamtliche stemmen täglich ein Programm, das Menschen berührt, inspiriert und zusammenbringt.

 

Die Urkunde leuchtet sonnengelb und ist frisch in Schramberg eingetroffen: Das Subiaco-Kino wurde erneut von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) für sein „sehr gutes Jahresfilmprogramm 2024“ ausgezeichnet. Besonders bemerkenswert ist dies, weil hinter den Subiaco-Kinos in Schramberg, Alpirsbach und Freudenstadt ein Verein steht – und die Spielstätten seit Anfang der 2000er-Jahre an 365 Tagen im Jahr ausschließlich von Ehrenamtlichen betrieben werden.

36 Filmvorführer

Während viele Kinos im Land mit sinkenden Besucherzahlen kämpfen, zeigt sich das Schramberger Subiaco-Team zufrieden mit dem Zuspruch. „Wir haben treue Stammkunden, und durch unsere Kooperationen mit hiesigen Vereinen kommen immer wieder neue Gesichter hinzu“, sagt Gabriele King, eine von 36 Ehrenamtlichen, die auch als Filmvorführerin tätig ist.

Damit der Betrieb so reibungslos läuft, braucht es ein engagiertes Team – denn die Aufgaben sind vielfältig. So wechselt beispielsweise Jens Fichter jede Woche die Plakate, Reiner Luppold kümmert sich um alles rund um die Räumlichkeiten, übernimmt teils den Projektor- sowie Kassendienst und ist erster Ansprechpartner für Kooperationspartner. Doris Brechtelsbauer koordiniert die Spielplangestaltung, betreut den Webauftritt und organisiert die Schulkinowoche. Gabriele King verantwortet Filmveranstaltungen mit besonderem Rahmenprogramm. Brigitte Broghammer lädt zum Stricken im Kino (bei gedämmten Licht) ein. Thomas Ade hilft bei technischen Problemen, insbesondere bei der Elektrik.

Zupackende Stimmung

Lena Holstein gestaltet Plakate für das Vormittags- und Nachmittagskino, und Matthias Hartmann pflegt den Veranstaltungskalender für die Stadt Schramberg. „Wenn irgendwo Hilfe gebraucht wird oder ein Film noch keinen Vorführer hat, findet sich sehr schnell jemand, der sagt: ‚Ich mache es‘“, beschreibt Gabriele King die zupackende Stimmung im Team. Mehrmals im Jahr trifft sich zudem eine kleine Gruppe zum sogenannten „Trailer-Schauen“. Ein Punktesystem entscheidet schließlich, welche Filme ins Programm genommen werden. „Thriller, Pornos oder gewaltverherrlichende Filme scheiden von vornherein aus“, erklärt Gabriele King. Aus jahrelanger Erfahrung wisse man: „Die Schramberger lieben Komödien und Literaturverfilmungen. Die Filme der Franz-Eberhofer-Reihe beispielsweise waren sensationell gut besucht.“ Insgesamt deute das Team dies als Wunsch der Besucher, für einige Stunden einfach mal abzuschalten und eine unbeschwerte Zeit verbringen zu wollen.

Zwölf Lieder gesungen

Für die Ehrenamtlichen ist das Kino im Schramberger Majolika Firmenpark (SMF) aber weit mehr als eine reine Filmspielstätte. „Wir möchten unseren Besuchern einen Kulturort bieten. Sie sollen sich darauf verlassen können, dass sie wirklich etwas Gutes geboten bekommen.“ Und dafür geht das Subiaco-Team gerne kreativ-ungewöhnliche Wege: In Kooperation mit verschiedensten Partnern wird im Kino gestrickt, getanzt, gesungen oder Kunst präsentiert – stets in Verbindung mit einem passenden Film.

Beim jüngsten „Singe ma im Kino“ war der Saal proppenvoll. Mit Gitarrenlehrer Reinhard Günter aus Tennenbronn wurden zwölf Lieder gesungen – die Texte erschienen auf der Leinwand. „Die Teilnehmer gingen richtig beseelt nach Hause“, berichtet Gabriele King.

Kooperation mit Künstler

Mit „Podium Kunst“ wird die Reihe „Ein Augenblick Kunst im Kino“ umgesetzt. Künstler stellen darin eines ihrer Werke vor und berichten von ihrer Arbeit. Die nächste Veranstaltung findet am Freitag, 28. November, 19 Uhr, mit den Künstlern Elke Nierle und Klaus Andreae statt. Gezeigt wird zu diesem Doppelpack der Film „Im Taxi mit Madeleine“.

Am Sonntag, 14. Dezember, lädt Tanzleiterin Susanne Bödker um 18 Uhr zu „Tanzen im Kino“ ein – diesmal mit Tänzen der Bretonen; ab 19.30 Uhr läuft der Film „Das Leben ein Tanz“. Für das neue Jahr sind weitere Projekte geplant: eine Bewegungsperformance in Zusammenarbeit mit der Trossinger Musikhochschule, ein Open-Air-Kino und ein Workshop zu analogen Kurzfilmen stehen auf der Wunschliste. Für die Umsetzung braucht es jedoch Sponsoren. Da der Trägerverein in Alpirsbach sitzt, gebe es seitens der Stadt Schramberg keine finanzielle Unterstützung. Auch über weitere Filmvorführer würde sich die Schramberger Truppe freuen. „Und wenn noch mehr Vereine oder Gruppierungen das Rahmenprogramm bereichern möchten, dürfen sie sich gerne melden.“

Dass die öffentliche Wahrnehmung für dieses umfangreiche kulturelle Angebot in Schramberg zuweilen fehle, findet Gabriele King zwar schade, doch die positiven Rückmeldungen überwögen deutlich. „Innerhalb von rund drei Stunden haben wir meist einen Saal voller zufriedener Menschen. Wo sonst kann man das schaffen?“ Das komplette Subiaco-Programm findet sich unter www.subiaco.de