Auch wenn der Barbie-Film jüngst zahlreiche Besucher in die Kinosäle lockte, so ist die Branche doch stark gebeutelt. Die Beliebtheit von Streamingdiensten, die Corona-Pandemie, die Hollywood-Streiks: All das hat Spuren hinterlassen. Benedikt Petschl, Vorsitzender der Subiaco-Kinos schätzt die Situation ein.
Die Zukunft der Kinos ist nicht erst seit den Streiks der Schauspieler und Drehbuchautoren in Hollywood oder der Corona-Pandemie ins Wanken geraten. Auch die Konkurrenz von Streamingdiensten wie Netflix und Disney+ sägt an der Stellung der Unterhaltungsstätten.
Benedikt Petschl ist Vorsitzender der Subiaco-Kinos Alpirsbach, Schramberg, Freudenstadt. Er dämpft die Sorge, dass die Leinwände bald weiß bleiben könnten, zumindest ein wenig: „Jetzt sind noch Filme da.“ Experten vermuten, dass in sechs bis neun Monaten das große Loch kommt, bedingt durch die Streiks. Doch das Subiaco hat einen Vorteil: Dort werden nicht nur Hollywood-Produktionen gezeigt, sondern auch Independent-Filme. „Die Streiks stellen eher ein Problem für die großen Kinos dar“, erklärt Petschl.
Europäische Filme auf dem Vormarsch
„Zudem sind wir Mitglied im Netzwerk, Europa Cinemas‘“, schiebt er hinterher. Das heißt, das Subiaco erhält Fördermittel, wenn europäische Filme über die Leinwand flimmern. Und die seien ohnehin auf dem Vormarsch. Filme aus Skandinavien oder der Türkei sind laut dem Experten stark im Kommen, französische Filme nach wie vor populär. „Auch deutsche Filme kommen gut beim Publikum an – allerdings nur in Deutschland“, so Petschl. Im Ausland seien deutsche Produktionen nicht sonderlich beliebt. Möglicherweise liege das am Humor, sagt er schmunzelnd. „Und die Schweighöfer/Schweiger-Welle ist mittlerweile vorbei“, ergänzt Petschl.
Der Fernseher war in den 70er-Jahren der Feind
„Regionale Filme wie ,Das kalte Herz‘ ziehen das Publikum an. Die gibt’s beim Streamingdienst nicht.“ Und wenn es dann noch Events drumherum gebe, wie Besuche von Regisseuren oder das Subiaco Open-Air-Festival mit musikalischem Vorprogramm und Essen, dann laufe das gut. In diesem Jahr kamen knapp 2000 Kinobesucher zum Festival, 4000 Gäste insgesamt auf den Klosterplatz. Die Planungen für das Subiaco Open-Air-Festival 2024 sind bereits in vollem Gange. Petschl verrät: „Barbie wird auf jeden Fall laufen.“
Sorgen um das Kino macht sich Petschl keine. „Die Filmbranche ist immer so pessimistisch“, sagt er. In den 70er-Jahren sei der Fernseher der Feind gewesen – letztendlich grundlos. Das Kino stehe immer wieder auf, erfinde sich neu. In Alpirsbach und Freudenstadt gebe es beispielsweise das Kinocafé, in Schramberg werde ein Kinobrunch angeboten und beim Filmdinner werden Unterhaltung und Essen kombiniert. Neue Konzepte, die gut ankommen.
Zur Belohnung geht es nach Cannes oder Leipzig
Und dann ergänzt Benedikt Petschl ganz offen: „In Alpirsbach machen wir Minus, das durch die Subiaco-Kinos in Freudenstadt und Schramberg ausgeglichen wird. Förderungen sichern uns das Überleben.“ Die gebe es zum Beispiel dann, wenn das Kino 250 Tage im Jahr geöffnet hat. Zudem könnten gerade Kinos im ländlichen Raum von Synergien profitieren. „Wir sind im Landesverband Kommunale Kinos Baden-Württemberg“, sagt Petschl. Die Mitglieder können auf ein zentrales Filmarchiv zugreifen und so ihre Kosten reduzieren.
Petschl selbst kam als Schüler zum Subiaco. Heute ist er 36. Für Ehrenamtliche gab es in der Vergangenheit schon Ausfahrten zu den Internationalen Filmfestspielen in Cannes oder zur Berlinale, berichtet er. In diesem Jahr geht es für das Team zur Filmkunstmesse in Leipzig – als Belohnung für die ehrenamtliche Arbeit.