Meolie Jauch beendet ihre Karriere als Turnerin. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Sie galt als eines der größten Turntalente am Stützpunkt in Stuttgart. Nun aber zieht Meolie Jauch überraschend einen Schlussstrich mit gerade einmal 17 Jahren. Was steckt dahinter?

Immer fröhlich, immer gut gelaunt. So ist das Bild, das Wegbegleiter von Meolie Jauch von der 17-Jährigen haben. Und so beschreibt sie sich auch selbst. Ganz aktuell: am Mittwochabend in einem Post auf ihrem Instagram-Kanal. Da nennt sie sich eine „immer fröhliche, immer gut gelaunte Turnerin Meolie“. Und streicht in zwei langen Statements zugleich: das Wort „Turnerin“. Denn das will Meolie Jauch ab sofort nicht mehr sein.

 

Es sind nachdenkliche Worte, bemerkenswerte ebenso, die der Teenager kurz vor Weihnachten abgesetzt hat. Die aber ein wenig verwundern, wenn man nur einige Wochen zurückdenkt. Denn da kämpfte die Schülerin noch um ihr Comeback. Und um eine erfolgreiche Zukunft – die dem großen Talent stets vorausgesagt worden war.

Am 1. April dieses Jahres hatte sich die Turnerin vom MTV Stuttgart einen Kreuzbandriss zugezogen. Es folgte der Versuch, mit einer konservativen Behandlungsmethode wieder gesund zu werden. Im Spätsommer fiel dann aber doch die Entscheidung für eine Operation. „Direkt nach der Verletzung war es schwer“, erinnerte sich Meolie Jauch kürzlich im Gespräch mit unserer Redaktion, betonte aber auch: „Jetzt weiß ich, dass das Knie repariert ist und ich Gas geben kann.“ Sie sprach vom DTB-Pokal Ende März und von der Turn-EM in Leipzig als möglichen Zielen. Doch nun nimmt sie den Fuß komplett vom Gas.

„Ich wollte alles geben“, schreibt sie über den Kampf ums Comeback, „dabei bemerkte ich nicht, dass ich nicht genug auf meinen Körper und auf meine mentale Gesundheit hörte.“ Nun hat ihre „innere Stimme“ Gehör gefunden – und Meolie Jauch beendet mit gerade einmal 17 Jahren ihre Laufbahn als Leistungssportlerin.

Dabei hadert sie nicht mit den Anforderungen des Spitzensports oder jenen besonderen im Turnen. „Leistungssport ist hart, das ist mir klar“, schreibt sie – und erzählt von ihrem Weg. Im Alter von vier Jahren habe sie mit dem Turnen begonnen, zwei Jahre später wechselte sie ans Kunstturnforum, besuchte ab der fünfte Klasse dann auch in Stuttgart die Schule, um Training und Unterricht besser vereinbaren zu können. „Mein Alltag wurde dem Turnen untergeordnet“, schreibt sie. Die Erfolge stellten sich ein.

Nationale Titel und internationale Medaillen bei den Juniorinnen, ein zweiter Platz beim Weltcup in Cottbus, im Herbst 2023 die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Antwerpen. Im Rennen um den einen noch zu vergebenden Platz für die Olympischen Spiele in Paris hatte Meolie Jauch zumindest Außenseiterchancen – dann riss das Kreuzband, der Olympiatraum war vorbei. Und der Teenager fand Ablenkung im „normalen“ Leben.

Sie besuchte ein Schullandheim, fuhr als Teilnehmerin des Turnjugend-Camps nach Paris, war Schülerin und Jugendliche. Keine Leistungssportlerin. Ehe die Rückkehr in den Turnalltag folgte – mit einer recht einsamen Zeit in den vergangenen Wochen, da ihre Trainingspartnerin Elisabeth Seitz wegen eines Bundeswehrlehrgangs fehlte. Am Ende des Jahres kommt Meolie Jauch zu dem Schluss: „Die Halle, die so lange mein Zuhause war, ist für mich heute ein Ort, an dem ich mich nicht mehr so wohl fühle“, sagt sie und blickt sehr nachdenklich auf die Zeit seit der Knieoperation.

„Nach meinem Kreuzbandriss entschied ich: Ich muss zurückkommen, genauso wie all die anderen Male zuvor. Doch es fühlte sich anders an“, schreibt sie, „ich wollte nicht aufgeben, aber es war nicht mehr mein eigener Wille, der mich antrieb. Es war das Gefühl, für alle anderen zurückkommen zu müssen – für diejenigen, die zu mir aufschauten und deren Erwartungen ich zu erfüllen habe.“ Sie habe dabei vergessen, „dass es um mich gehen sollte“.

Darüber hinaus habe sie „eine andere Form der Erschöpfung“ gespürt. Entsprechend beende sie nun ihre Laufbahn. „Nicht, weil ich nicht mehr kämpfen will, nicht, weil mein Körper nicht mehr kann“, betont Meolie Jauch, „sondern weil es mental nicht mehr geht.“

Der Stützpunkt in Stuttgart verliert damit ebenso wie die Nationalmannschaft ein Toptalent, das auch mit ihrem positiven Charakter begeistert hat. „Sie wird uns in der Halle mit ihrer fröhlichen und positiven Art fehlen“, sagt Robert Mai, der Meolie Jauch trainiert hat. Der Coach ergänzt: „Sie hat sich nach ihren Verletzungen toll zurückgekämpft, und wir haben gemeinsam alles gegeben, dass sie auch für den Mehrkampf fit wird. Leider ist es aber gerade nach einer so schweren Verletzung wie einem Kreuzbandriss eine große Herausforderung, wieder zu alter Form zurückzukommen.“

In Helen Kevric und Marlene Gotthardt (beide 16) und Routinier Elisabeth Seitz (31) – sie war Meolie Jauchs großes Vorbild – verbleiben drei Topturnerinnen, die am Standort in Stuttgart trainieren. Ihre Ex-Kollegin dagegen könnte dem Turnen auf andere Art erhalten bleiben, will nun aber erst einmal „die Welt als Meolie erkunden“. Und nicht mehr als Turnerin.