Der Stuttgarter Prüfkonzern will 2022 mehr als 1000 Arbeitsplätze schaffen. Der neue Chef Stan Zurkiewicz sieht Wachstumschancen mit neuen digitalen Angeboten, beispielsweise ferngesteuerte Kontrollroboter.
Der neue Dekra-Chef Stan Zurkiewicz will die Digitalisierung vorantreiben und den Stuttgarter Prüfkonzern international breiter aufstellen, den Wachstumskurs fortsetzen und damit auch zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. „Dekra ist operativ und strategisch gut für weiteres Wachstum aufgestellt“, kündigte der 42-Jährige bei der Vorlage der Bilanz an. Zurkiewicz hat Anfang April den langjährigen Vorstandschef Stefan Kölbl, unter dessen Führung das Geschäft kräftig ausgeweitet wurde, an der Spitze des Unternehmens abgelöst.
Der neue Dekra-Chef hat fast 20 Jahre in China gelebt
Bisher entfällt etwas mehr als ein Drittel des Geschäfts auf Auslandsmärkte. Zusätzliche Chancen sieht der neue Dekra-Chef vor allem in Nordamerika sowie in Asien. Für den Ausbau des internationalen Geschäfts bringt der neue Top-Manager gute Voraussetzungen mit. Zurkiewicz ist in Polen geboren, hat aber nie in seinem Heimatland gearbeitet, wie er bei seinem ersten Auftritt als Vorstandschef in einer digitalen Pressekonferenz auf Englisch mit Simultandolmetscher berichtete. Nach der Ausbildung in Europa, den Vereinigten Staaten und Asien verbrachte er fast 20 Jahre in China. 2006 kam der Manager zur Dekra, wo er das asiatisch-pazifische Geschäft auf- und ausbaute. Im Januar 2021 wurde Zurkiewicz in den Dekra-Vorstand berufen, seit diesem Monat steht er nun an der Spitze des Unternehmens, das bald seinen 100. Geburtstag feiern kann.
Der Konzern sieht sich als Weltmarktführer bei Fahrzeugprüfungen
Aus dem 1925 in Berlin gegründeten Deutschen Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein ist heute eine Sachverständigen-Organisation mit einem breiten Angebot von Dienstleistungen rund um das Thema Sicherheit geworden. Das Portfolio reicht von regelmäßigen Fahrzeugprüfungen (hierzulande besser als Tüv-Prüfung bekannt) und Gutachten, über vielfältige Sicherheitsüberprüfungen und Zertifizierungen in verschiedenen Branchen bis hin zu Schulungsangeboten und Zeitarbeit.
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Bei den Fahrzeugprüfungen, die mit Abstand die wichtigste Sparte für Dekra sind, sieht sich das Unternehmen als Weltmarktführer. Im vergangenen Jahr wurde mit 28 Millionen geprüften Fahrzeugen nach Angaben des Unternehmens ein neuer Rekord erreicht. Bis zum Jubiläumsjahr 2025 will Dekra die Marke von 30 Millionen Prüfungen überschreiten.
Die Wachstumsdelle des Coronajahrs 2020 wurde ausgebügelt
Nach einem Umsatzrückgang im Coronajahr 2020 hat der Prüfkonzern den Umsatz 2021 um elf Prozent auf mehr als 3,5 Milliarden Euro steigern können, der Jahresüberschuss kletterte um rund 50 Prozent auf 141,5 Millionen Euro. Die Belegschaft wurde um etwa 3800 Männer und Frauen auf knapp 47 800 Beschäftigte in rund 60 Ländern aufgestockt. Der Löwenanteil der neuen Jobs entfiel auf die Zeitarbeitssparte. Im laufenden Jahr sollen mehr als 1000 neue Jobs hinzukommen. Beim Umsatz wird ein Wachstum von fünf Prozent angepeilt.
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In den kommenden Jahren soll das Unternehmen laut Zurkiewicz „digitaler, schlanker, und schneller“ werden. Schlanker bedeute jedoch nicht, dass dann Arbeitsplätze gestrichen werden sollen, stellte der Vorstandschef mit Hinweis auf den geplanten Wachstumskurs klar. „Wir sind weiter auf der Suche nach zusätzlichen Talenten“, sagte Zurkiewicz.
Die Prüfung der Cybersicherheit ist ein Wachstumsmarkt
Gute Wachstumschancen im Digitalen sieht das Unternehmen unter anderem bei Angeboten rund um die Cybersicherheit, etwa bei der digitalen Überwachung von Maschinen und Anlagen: An gefährlichen oder schwer zugänglichen Stellen von Industrieanlagen sollen auch verstärkt ferngesteuerte Roboter oder Drohnen zur Kontrolle eingesetzt werden.
Ein weiteres Beispiel für neue Sicherheitsdienstleistungen sind automatisiert fahrende vernetzte Autos. Das Stuttgarter Unternehmen hat vom Kraftfahrtbundesamt im vergangenen Jahr den Status eines Typprüfers für neue internationale Regularien zur Cybersicherheit und zu Software-Updates erhalten.
Ein weiteres Wachstumsfeld sieht der Prüfkonzern bei Serviceleistungen rund um das Thema Nachhaltigkeit. So wurde etwa ein Test entwickelt, mit dem der Zustand von Batterien von Elektroautos ermittelt werden kann. Das wiederum ist wichtig für die Wertermittlung von gebrauchten E-Autos.