Der Vertrag von Sportdirektor Marc Stein bei den Stuttgarter Kickers läuft am Saisonende aus. Wird der Kontrakt verlängert? Löst ihn sein Vorgänger Lutz Siebrecht ab? Die Entscheidung soll noch in diesem Kalenderjahr fallen.
Marc Stein hat derzeit jede Menge Arbeit. Spieler und ihre Berater geben sich im Büro des Sportdirektors des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers in der Geschäftsstelle im ADM-Sportpark die Klinke in die Hand. Es geht um Vertragsverlängerungen, auch um Neuzugänge (mögliche Rückkehr von Stürmer David Stojak vom FC Nöttingen), aber vor allem um Lösungen, den komfortabel ausgestatteten 25-Mann-Kader zu verkleinern. Manche Verhandlungen sind bereits abgeschlossen. Dabei handelt es sich um Personalentscheidungen, die ziemlich unstrittig sind. So sind die Vertragsverlängerungen mit Christian Mauersberger, Lukas Kiefer und Kapitän Nico Blank vom Verein inzwischen bestätigt.
Es gibt aber auch Fragen bei der Teamzusammenstellung, die durchaus kontrovers diskutiert werden können. Sind etwa zweikampfstarke Mentalitätsspieler wie Paul Polauke oder Marcel Schmidts vielleicht nicht doch zu wertvoll, um ihnen in der Winterpause für einen Wechsel keine Steine in den Weg zu legen? Würden sie nicht vielleicht sogar über die laufende Saison hinaus dem Gesicht eines ausgewogen ausgestatteten Kickers-Kaders guttun?
Klarheit bis Jahresende
Die aktuellen Entscheidungen trifft – nach Absprache mit Trainer Marco Wildersinn – der Sportdirektor. Das ist das Normalste der Welt. Das Problem beginnt da, wo die Beschlüsse über das Saisonende hinausreichen. Denn ob Stein da überhaupt noch das Sagen hat, ist nach derzeitigem Stand offen. Sein zum 1. Januar 2022 abgeschlossener Dreieinhalbjahresvertrag läuft am 30. Juni 2025 aus. Eine Entscheidung über eine Verlängerung ist noch nicht gefallen. Müsste nicht so schnell wie möglich Klarheit geschaffen werden, damit auch derjenige die Weichen stellt, der in der kommenden Runde die sportliche Verantwortung trägt?
Präsident Rainer Lorz räumt ein: „Das ist eine Kernfrage, die sich nicht bis Januar, Februar, März ziehen sollte, die Weichen werden jetzt gestellt.“ Er bittet aber auch um Verständnis. Man habe in den vergangenen Wochen und Monaten jede Menge Aufgaben vor der Brust gehabt: „Das 125-Jahr-Jubiläum, die Mitgliederversammlung – jetzt werden wir das Thema angehen. Wir werden ein Zwischenfazit ziehen. Wo stehen wir? Was ist gut gelaufen? Was ist schlecht gelaufen? Dann treffen wir eine Entscheidung, die hoffentlich vernünftig ist“, erklärt der Kickers-Chef.
Kontakt zu Siebrecht nie abgerissen
Wenn nicht alles täuscht, ist die einzige wirklich ernsthafte Alternative zu Marc Stein sein Vorgänger. Lutz Siebrecht und die Kickers haben auch nach seinem Abschied bei den Blauen im Oktober 2021 den Kontakt nie abreißen lassen. Sein Fachwissen, sein Netzwerk in der Region und sein Pragmatismus waren immer wieder einmal gefragt.
Es ist eine Kernfrage, eine strategische Entscheidung, die der Verein nicht von kurzfristigen Ergebnissen auf dem Spielfeld abhängig machen wird. Es gibt Personen in verantwortlicher Position im Verein, die ihre eigene Zukunft bei den Kickers von der Sportdirektorenfrage abhängig machen. Dabei geht es offensichtlich um unterschiedliche Herangehensweisen, wie man die Menschen im Verein mitnimmt, aber auch um eine grundsätzliche Tendenz, was die Spielphilosophie angeht. Für was stehen die Kickers?
Vereinfacht ausgedrückt: für dominanten Ballbesitzfußball oder Powerfußball mit Intensität und Aggressivität gegen den Ball? Nicht nur für Lorz steht fest: Die Mischung macht’s. Mit der energiegeladenen und kraftvollen Spielweise der Ära Ünal, den Siebrecht im September 2021 für Ramon Gehrmann zum Chefcoach beförderte, sei man am Ende zu leicht ausrechenbar gewesen. „Nur mit Ballbesitzfußball ist in dieser Liga aber auch nichts zu holen. Das kann man machen, wenn man Manchester City ist. Wir sind dazu nicht um so viel besser als unsere Gegner“, so Lorz.
Diese Einschätzung macht seine Entscheidung in Sachen Sportdirektor nicht einfacher. Dass Stein gerne weitermachen würde, daran lässt der 39-Jährige wenig Zweifel: „Ich fühle mich sehr wohl und sehe uns auf dem richtigen Weg.“