21 Spiele sind vorbei, nur noch 13 stehen aus – und die Stuttgarter Kickers haben sich eine hervorragende Ausgangsposition fürs neue Jahr erarbeitet. Sollten sie die Gunst der Stunde nutzen und die Wahrscheinlichkeit für den Aufstieg mit einem oder zwei Qualitätsspielern erhöhen?
Einer der Sätze, die Mustafa Ünal nach dem 2:1 gegen den KSV Hessen Kassel von sich gegeben hat, war: „Wir sollten nicht anfangen, uns mit Sachen zu beschäftigen, die uns bisher nicht interessiert haben.“ Was der Trainer des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers zum Abschluss eines grandiosen Jahres vor allem in Richtung seiner Mannschaft sagen wollte: Bitte nutzt die Winterpause, um euch zu erholen, und nicht etwa, um zu viele Gedanken an einen Durchmarsch in die dritte Liga zu verschwenden.
Keine großen Ansagen
Es wäre wenig typisch für die Kickers, nun plötzlich die ganz großen Ansagen zu machen. So verwundert es nicht, dass Rainer Lorz den Ball flach hält: „Ich sage zwar nicht, dass wir nicht bereit sind, wenn wir die Punkte haben, und wir reichen die Bewerbungsunterlagen für die dritte Liga auch ein“, sagt der Kickers-Präsident, „aber ich werde einen Teufel tun und jetzt das Ziel Meisterschaft ausgeben. Durch solche Aussagen steigst du doch nicht auf.“
Die Zahl der Argumente für einen zweiten Aufstieg der Kickers in Serie nahm jedoch im Laufe dieser Saison immer weiter zu. 21 Spiele sind schon vorbei. Und es ist alles andere als Zufall, dass das Ünal-Team ganz oben steht, sondern ein Ausdruck von Qualität.
Trainingsstart 16. Januar
Wenn die Punkterunde (Trainingsstart ist am 16. Januar 2024) am 2./3. März mit der Partie gegen den TSV Steinbach Haiger fortgesetzt wird, stehen nur noch 13 Spiele aus. „Wenn wir nur einen Zentimeter nachlassen, werden wir unser blaues Wunder erleben“, warnt Lorz. Natürlich kann noch sehr viel passieren, und es sind schon ganz andere Polster aufgebraucht worden. Doch in dieser engen Liga sind vier Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten TSG Hoffenheim II und sechs auf den vermeintlich schärfsten Rivalen FC 08 Homburg zumindest ein Statement für Stabilität und Stärke.
Bei dieser hervorragenden Ausgangsposition stellt sich die Frage: Sollen die Kickers, salopp formuliert, „all-in gehen“? Sollen sie mit ein, zwei oder gar drei gezielten Verstärkungen vor Schließung des Transferfensters am 31. Januar die Wahrscheinlichkeit erhöhen, den Sprung in die dritte Liga schon in dieser Saison zu schaffen? Gründe genug gäbe es: weil die Blauen in der neuen Runde nicht mehr der – zumindest zu Beginn etwas unterschätzte – Neuling sind, weil die Aufstiegseuphorie weg ist, weil der Druck größer ist, weil vielleicht der SC Freiburg II und Waldhof Mannheim aus der dritten Liga herunterkommen oder Teams wie Kickers Offenbach noch einmal aufrüsten.
Was erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit?
Die Strategen der Blauen sind klug genug, um sich mit dieser Thematik differenziert zu befassen. „Wir werden uns zusammensetzen und schauen, auf welche Weise wir die Erfolgswahrscheinlichkeit steigern können“, erklärt Lorz in seiner bekannt nüchtern-analytischen Art. „Wenn die Erkenntnis lautet, dass es die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöht, wenn die Zusammensetzung so bleibt, wie sie ist, dann ist das auch eine Antwort.“ Man werde nicht den Fehler machen, ein gut funktionierendes Team, das geliefert und sich Vertrauen erarbeitet hat, auseinanderzureißen, betont Sportdirektor Marc Stein.
„Wenn wir aber zu dem Ergebnis kommen, dass punktuell etwas sinnvoll ist, dann wären wir auch bereit, das zu machen, und würden das auch finanziell gestemmt bekommen“, sagt Lorz. Optimierungsbedarf gibt es in jedem Team zu jeder Zeit. Also auch bei den Blauen. Sie sind in der Innenverteidigung dünn besetzt, immer wieder musste Trainer Ünal improvisieren. Ein Umschaltspieler mit viel Tempo für die Außenbahn könnte ebenfalls nicht schaden. Und für einen Club, der Großes erreichen möchte, ist ein Stürmer mit eingebauter Torgarantie immer hilfreich.
Dünn besetzte Innenverteidigung
Bei allen Überlegungen aber steht eines fest: Sinn ergeben würde nur ein Spieler, dessen sportliche Qualitäten vom ersten Training an vollkommen unumstritten sind, der in Sachen Mentalität zu 100 Prozent in das intakte, homogene blaue Ensemble passt und der auch in der dritten Liga ein Leistungsträger wäre.
Nur wenn diese Kriterien zutreffen, käme ein Transfer überhaupt infrage und würde auch das Gefüge nicht sprengen: „Wenn uns ein Spieler sportlich und auch in der Kabine besser macht, dann ist eine ehrgeizige Mannschaft froh über jeden, der hilft, die Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen“, sagt Ünal, dem ein Aufstieg auch persönlich einen Vorteil bringen würde: Der A-Lizenz-Inhaber hätte automatisch einen Platz im DFB-Fußballlehrer-Lehrgang sicher.
Spielplan
Regionalliga
Kickers Offenbach – Stuttgarter Kickers 0:1, Kickers – TuS Koblenz 7:0, KSV Hessen Kassel – Kickers 2:1, Kickers – 1. FSV Mainz 05 II 4:1, TSV Steinbach Haiger – Kickers 1:3, Kickers – TSG Balingen 2:2, Kickers – VfR Aalen 0:0, Eintracht Frankfurt II – Kickers 1:0, Kickers – TSG 1899 Hoffenheim II 1:0, SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Kickers 0:2, Kickers – TSV Schott Mainz 3:0, Bahlinger SC – Kickers 1:1, Kickers – FSV Frankfurt 0:0, VfB Stuttgart II – Kickers 0:2, Kickers – FC Astoria Walldorf 2:2, SGV Freiberg – Kickers 0:2, Kickers – FC 08 Homburg 2:2, Kickers – Kickers Offenbach 1:0, TuS Koblenz – Kickers 0:0, 1. FSV Mainz 05 II – Kickers 1:4, Kickers – KSV Hessen Kassel 2:1, Kickers – TSV Steinbach Haiger 2./3. März 2024.
WFV-Pokal
1. Runde: Freilos, 2. Runde: 1. Göppinger SV – Kickers 3:4 i. E., 3. Runde: TSV Weilimdorf – Kickers 0:7, Achtelfinale: TSG Backnang – Kickers 1:2 n. V., Viertelfinal-Auslosung am 26. Januar 2024. Noch dabei: SSV Ulm 1846 Fußball (dritte Liga), Stuttgarter Kickers, VfR Aalen (beide Regionalliga), SG Sonnenhof Großaspach, SSV Reutlingen (beide Oberliga), Türkspor Neckarsulm (Verbandsliga), TSV Buch, SG Empfingen (beide Landesliga). Termine: Viertelfinale 3. April (Nachholspiele 10. April), Halbfinale 1. Mai, Finale 25. Mai.