In der Nacht auf Sonntag wollte der Party-Marathon bei den Kickers nicht enden. Foto: Baumann/Julia Rahn

Mit Herz und Leidenschaft feiern die Stuttgarter Kickers ihre Meisterschaft in der Oberliga. Für die Regionalliga sind erste Neuzugänge im Gespräch.

Wie lange die Feierlichkeiten gingen? „Es war schon hell, als ich nach Hause kam“, sagte Mustafa Ünal am Sonntag um die Mittagszeit mit leicht heiserer Stimme, bevor der Party-Marathon auf dem Cannstatter Wasen weiterging. Der Trainer des Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers, die Spieler, der ganze Verein, die Fans – alle feiern diesen Aufstieg ausgelassen. Weil sie so viel gelitten haben in den vergangenen Jahren. „Der Schmerz hat uns gierig gemacht, fokussiert bleiben lassen und dahin gebracht, wo wir jetzt sind“, erklärte Ünal.

 

Unbeirrt auf Kurs

Aus den teils dramatischen Nackenschlägen der letzten Saison ging das Team gestärkt hervor. Vom ersten Spieltag an befanden sich die Kickers in ihrem fünften Oberligajahr auf Regionalliga-Kurs. Von kleinen Dämpfern ließen sie sich nicht beirren. Die letzten Restzweifel an der Mission Aufstieg waren dann am Samstag um 15.50 Uhr beseitigt. Im Kickers-Spiel beim SSV Reutlingen lief erst die 20. Spielminute, als die Kunde von der 1:3-Niederlage von Verfolger SG Sonnenhof Großaspach beim bereits um 14 Uhr angepfiffenen Spiel in Villingen die Runde machte. Die 3000 Kickers-Fans unter den 4836 Zuschauern begannen zu feiern.

„Jeder bekam das natürlich mit. Danach war schon ein Spannungsabfall festzustellen, hinzu kamen unsere müden Beine aus dem Pokal-Halbfinalspiel bei Türkspor Neu-Ulm vom vergangenen Mittwoch“, bat Ünal um etwas Verständnis für den etwas durchwachsenen Kickers-Auftritt beim 0:0 in Reutlingen.

Der aber juckte am Ende keinen mehr. „Es war nicht unser bestes Spiel, aber wenn man Stand jetzt mit zwölf Punkten Vorsprung Meister geworden ist, dann ist das Jammern auf hohem Niveau“, sagte der gefeierte Chefcoach noch in den Katakomben des Kreuzeiche-Stadions.

Lorz als stiller Genießer

Neben ihm stand Präsident Rainer Lorz mit einem Meisterbier in der Hand. Er gab sich gewohnt sachlich – trotz der Genugtuung nach vielen Tiefschlägen in seiner inzwischen knapp 13-jährigen Amtszeit: „Ich bin eher der stille Genießer. Wir haben schließlich nicht die Champions League gewonnen, aber natürlich ist der Erfolg irrsinnig wichtig für den Verein.“

Man sehe es ja in Reutlingen, wie das Interesse auch einmal erlahmen könne, wenn die Rückkehr in höhere Gefilde über Jahre hinweg nicht gelingt. Danach machte sich auch Lorz auf nach Degerloch, wo mit rund 1000 Fans noch am Gazi-Stadion auf der Waldau mit Freibier gefeiert wurde, für die Mannschaft ging’s in der Kneipe La Concha und in diversen Clubs der Stadt weiter.

„Den Spielern setze ich keine Grenzen. Sie dürfen feiern bis sie nicht mehr können – danach beginnen wir wieder mit trainieren“, sagte Ünal mit einem Augenzwinkern. Spätestens am Mittwoch dürfte dies der Fall sein. Dann beginnt die Vorbereitung auf das Heimspiel am kommenden Samstag (14 Uhr) gegen die SG Sonnenhof Großaspach, bei dem dann auch die offizielle Meisterehrung durch den Württembergischen Fußball-Verband (WFV) stattfinden wird.

Double als großes Ziel

Spätestens in den letzten beiden Oberligasaisonspielen daheim gegen den FC 08 Villingen (20. Mai) und beim Freiburger FC (27. Mai, beide 15.30 Uhr) wird dann schon das WFV-Pokal-Finale am 3. Juni (16.15 Uhr/Gazi-Stadion) gegen Regionalligist TSG Balingen mehr als nur im Hinterkopf sein. „Die Mannschaft hat bisher eine sensationelle Saison abgeliefert, jetzt wollen wir uns doppelt krönen“, sagte Sportdirektor Marc Stein. Mit der Titelverteidigung im Cup wäre die erneute Teilnahme am lukrativen DFB-Pokal-Wettbewerb verbunden. Und ganz bestimmt auch wieder die eine oder andere Feierlichkeit rund um den Fernsehturm.

Personalien

Vertragsverlängerungen
Die Verträge von Maximilian Otto, Ivo Colic und Luigi Campagna laufen am Saisonende aus. Allen drei sollen Angebote zur Verlängerung vorliegen. Vollzug gibt es noch nicht. Keeper David Nreca-Bisinger dürfte die Kickers verlassen, zumal das 1,93 Meter große Torwarttalent Leon Neaime aus der U19 aufrückt.

Neuzugänge
Externe Neue gibt es noch nicht. Im Gespräch sind Stürmer Jan Ferdinand (TSG Balingen/früher VfB II) und der offensive Mittelfeldspieler David Tomic (SGV Freiberg). Gehandelt werden auch die Mittelfeldspieler Christian Mauersberger und Ruben Reisig (beide Freiberg) sowie die Verteidiger Kristjan Arh Cesen und Eduard Heckmann (beide VfR Aalen). (jüf)