Nach saisonübergreifend zwölf Heimspielen ohne Niederlage unterlag Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers dem 1. FC Saarbrücken mit 1:2 (1:2).
Stuttgart - Es ist ja nicht so, dass Guido Buchwald ein Träumer ist. Ganz im Gegenteil. Das Präsidiumsmitglied der Stuttgarter Kickers ist ein bodenständiger Fußball-Fachmann und sich durchaus bewusst, dass die Blauen in der ersten Saison nach dem Aufstieg in die dritte Liga auch mal Lehrgeld bezahlen und Rückschläge erleiden. Was er ihnen auch zugesteht: „Man kann mal schlecht spielen, und man kann auch mal verlieren“, meinte Buchwald nach der 1:2-Niederlage gegen den 1. FC Saarbrücken, „aber auch in diesen Spielen muss der unbedingte Wille erkennbar sein.“
Das Problem ist: Genau der ging den Gastgebern am Samstag vor 4100 Zuschauern im Gazistadion ab. Der Aufsteiger ließ die Leidenschaft, den Biss und die Konzentration der vergangenen Spiele vermissen. „Das war nicht die Kickers-Mannschaft, wie wir sie zuletzt erlebt haben. Die letzten zehn Prozent haben gefehlt“, bemängelte deshalb Guido Buchwald.
Sandrino Braun war ein Sinnbild für den schwarzen Tag des Teams. Der defensive Mittelfeldspieler, in den ersten Partien noch enorm lauffreudig, passsicher und zweikampfstark, fand überhaupt nicht ins Spiel – und war darüber hinaus noch an beiden Gegentoren beteiligt: Beim 0:1 (2.) kam er im Kopfball-Duell gegen Martin Ziemer einen Schritt zu spät. Und vor dem zweiten Gegentreffer durch Lukas Kohler (10.) vertändelte der Neuzugang vom SC Pfullendorf in der Vorwärtsbewegung leichtfertig den Ball gegen den ehemaligen Kickers-Spieler Sven Sökler.
„Ich weiß auch nicht, was heute mit mir los war“, sagte ein sichtlich geknickter Sandrino Braun
Zwar verkürzte Braun im Gegenzug (11.) nach einem Freistoß von Enzo Marchese auf 1:2, nach weiteren Fehlpässen im Spielaufbau war für ihn aber bereits nach 33 Minuten Schluss. Trainer Dirk Schuster nahm Braun für Kevin Dicklhuber raus. „Ich will mich entschuldigen für die Leistung, die Tore gehen ganz klar auf meine Kappe. Ich weiß auch nicht, was heute mit mir los war“, sagte ein sichtlich geknickter Sandrino Braun.
Doch auch seine Teamkollegen waren nicht entschlossen genug und boten über weite Strecken zu wenig, um die cleveren Gäste in die Bredouille zu bringen. Dicklhuber (38.) scheiterte mit einem Linksschuss an FCS-Torhüter Michael Müller. Nach dem Seitenwechsel köpfte Marco Grüttner (46.) eine Dicklhuber-Flanke übers Tor. Auch Marchese bei einem Freistoß (53.) und Tobias Rühle (57.) zielten daneben.
Trotz eines optischen Übergewichts erspielten sich die Kickers danach keine nennenswerten Chancen mehr. Vor allem, weil die Präzision im Passspiel fehlte. „Aber auch die Laufwege, die wir brauchen, sind häufig nicht gemacht worden“, monierte Kickers-Coach Schuster.
Die Ungenauigkeiten im Spielaufbau kosteten die Spieler Kraft, Schuster Nerven. „Die Fehlerquote war unterm Strich viel zu hoch, so kann man kein Spiel gewinnen“, fasste er zusammen. Bereits am Mittwoch (19 Uhr) hat seine Mannschaft die Chance zur Wiedergutmachung. Dann ist sie bei Kickers Offenbach zu Gast. „Und dann“, sagte Guido Buchwald, „hoffe ich auf eine Reaktion. Ich will wieder die Kickers aus den vergangenen Wochen sehen.“ Die mit Aggressivität, Konzentration und dem unbedingten Willen. Und vielleicht mit Marcos Alvarez. Der Offensivmann kam zuletzt nur in der Oberligaelf zum Einsatz.