Harun Gülcan mit der U19 und Max Füssenhäuser mit der U17 messen sich mit dem Nachwuchs von Bundesligisten. Beide gelten als große Trainer-Talente – mit unterschiedlichem Charakter.
Harun Gülcan nennt es eine „coole Geschichte“. Der Trainer der U19 der Stuttgarter Kickers spielt am 3. Oktober (12 Uhr) in der zweiten DFB-Pokal-Runde mit seinem Team bei dem Club mit dem mutmaßlich längsten Vereinsnamen bundesweit. Es geht zum Jugendförderverein Ahlerstedt/Ottendorf/Bargstedt/Harsefeld/Heeslingen, kurz JFV A/O/B/H/H. „Das ist ein guter Gegner. Sie haben in der ersten Runde den Nachwuchs von Zweitligist 1. FC Magdeburg ausgeschaltet“, warnt der 31-Jährige davor, das Team aus dem Landkreis Stade, zwischen Bremen und Hamburg, in irgendeiner Weise zu unterschätzen.
Hencke und Abdullahu fehlen
In der DFB-Nachwuchsliga bekommen es die A-Junioren der Blauen mit prominenteren Namen zu tun. In ihrer Vorrundengruppe geht es unter anderem gegen den FC Bayern München, den SC Freiburg und den FC Augsburg, aus den ersten sieben Spielen konnten bisher nur vier Punkte gesammelt werden. „Gegen Ulm etwa standen bis auf eine Ausnahme nur Spieler des jüngeren Jahrgangs in unserer Startelf“, sagt Gülcan. Zudem gehören Lirjon Abdullahu und Oskar Hencke, die beide noch in der U19 spielen dürften, fest zum Kader der Regionalligamannschaft.
Norbert Stippel stolz auf solche Trainer
Die nackten Ergebnisse stehen beim Nachwuchs nicht an oberster Stelle. „Wir geben unseren Trainern die Zeit, mit ihren Mannschaften zu wachsen“, stellt Norbert Stippel klar. Auf die Qualität seiner Trainer legt der Chef des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) der Kickers größten Wert, wenn es um die Chefcoachs der U19 und und U17 geht, gerät er geradezu ins Schwärmen: „Ich bin stolz, zwei solche Toptrainer bei uns zu haben, sie verbinden überragendes Fachwissen mit Herzblut und sozialer Kompetenz.“
Wobei diese Gemeinsamkeiten nichts daran ändern, dass sie völlig unterschiedliche Charaktere sind. Da passt es gut ins Bild, dass zwei unterschiedliche Namen fallen, wenn die beiden nach einem bekannten Trainer gefragt werden, an dem sie sich mit am meisten orientiert haben, dessen Arbeit sie wertschätzen und der sie beeinflusst hat.
Gülcan nennt neben Jürgen Klopp Horst Steffen, den er bei den Kickers selbst hautnah erlebt hat. Steffen möchte, dass Fußball Freude bereitet für Spieler und Fans. Menschlich überzeugt er durch Ruhe und Empathie. Sein Führungsstil ist nicht autoritär, aber er verlangt Disziplin und Engagement. Der aktuelle Coach von Werder Bremen führt kein Regiment, er will nicht übermäßig kontrollieren, eher den Rahmen setzen und Freiheiten ermöglichen, solange die Leistung stimmt.
Max Füssenhäuser überträgt Mentalität aufs Team
Max Füssenhäuser nennt als eine Art Vorbild Diego Simeone. Dem Argentinier von Atletico Madrid gelingt es immer wieder, seine Spieler emotional auf Höchstniveau zu bringen. Er fordert absolute Hingabe und Leidensbereitschaft. Er ist eine charismatische Führungspersönlichkeit, der seine Mannschaft wie eine Familie behandelt – aber mit harter Hand führt.
Auch A-Lizenz-Inhaber Füssenhäuser bringt in jungen Jahren schon eine unglaubliche Mentalität mit, die der 29-Jährige vorlebt und die sich auf seine Mannschaften überträgt. Gülcan ist eher der ruhige Analytiker, der alles bis ins letzte Detail plant, und zudem überall im Verein mit anpackt, wo es nötig ist: „Harun würde sein letztes Hemd für die Kickers geben“, ist sich Stippel sicher.
Harun Gülcan besitzt A+-Lizenz
Gülcan begann 2015 bei den Kickers als Co-Trainer der U8. Der 2019 verstorbene Vereinsjugendleiter Wolfgang Schweizer hatte ihn vom TSV Rohr nach Degerloch geholt. In den ersten fünf Jahren arbeitete er nach Abschluss seiner kaufmännischen Ausbildung noch bei einem Verlag, seitdem in Vollzeit bei den Blauen, nebenbei erwarb er die DFB-A+-Lizenz. „Ich bin super glücklich bei den Kickers und weiß, was ich an dem Verein habe. Diese Underdog-Rolle liegt mir“, erklärt Gülcan.
Über ihn kam Max Füssenhäuser zu den Kickers. Als U-13-Trainer des VfL Pfullingen besiegte er den Nachwuchs der Kickers – Gülcan sprach ihn an. So nahmen die Dinge ihren Lauf, und nun ist der gebürtige Esslinger, der Wirtschaftswissenschaften studiert hat und früher für den KSC II in der Verbandsliga am Ball war, schon im siebten Jahr Nachwuchstrainer bei den Blauen. Mit seinem U-17-Team hat er in der DFB-Nachwuchsliga nach fünf Spielen bereits neun Punkte auf dem Konto. „Bei Max steht der Erfolg über allem. Er ist ein Typ, der keine Angst kennt und die von ihm trainierten Mannschaften haben einen echten Wiedererkennungswert“, beschreibt ihn Stippel.
Das Kickers-Motto „vom Talent ins Stadion“ hat zum Ziel, Spieler so auszubilden, dass sie den Weg in die erste Mannschaft schaffen können. Die Arbeit von Gülcan und Füssenhäuser zeigt, dass das irgendwann auch für die Trainer gelten kann.