Für Paul Polauke ist das Pokalspiel mit dem SGV Freiberg bei den Stuttgarter Kickers ein besonderes Duell. Der Verteidiger sagt, warum, spricht über die Favoritenrolle und seinen Coach.
Die Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers und SGV Freiberg kämpfen an diesem Dienstag (19 Uhr/Gazi-Stadion) im WFV-Pokal-Viertelfinale um den Einzug ins Halbfinale. Paul Polauke, Ex-Kickers-Spieler und Stammkraft im SGV-Dress, ordnet die Lage ein.
Herr Polauke, warum hat es am vergangenen Samstag beim Schlusslicht Bahlinger SC nur zu einem 2:2 gereicht?
Bahlingen ist grundsätzlich kein einfaches Pflaster. Zudem hatte das Team nichts zu verlieren und einen Trainerwechsel hinter sich. Am Ende haben sie sich den Punkt verdient.
Davor war der SGV mit drei Siegen und 9:0 Toren sehr gut aus der Winterpause gekommen.
Wir haben im Winter hervorragend gearbeitet. Für mich war es die härteste Vorbereitung, die ich je mitgemacht habe. Außerdem kamen die Neuzugänge Florian Ballas, Nicklas Shipnoski und Minos Gouras hinzu, die enorm viel Erfahrung mitbringen und echte Waffen sind.
Wie schafft es der SGV, immer wieder Volltreffer bei den Transfers zu landen?
Da bin ich nicht ganz der richtige Ansprechpartner, aber offenbar hat der Verein ein gutes Gespür dafür, Spieler zu holen, die das Gesicht der Mannschaft optimal abrunden.
Vor allem in der Offensive gibt’s viele Optionen.
Für vier offensive Positionen haben wir sieben, acht Topspieler. Unser Trainer kann sich den Luxus erlauben, einen 15-Scorer-Punkte-Mann wie Gal Grobelnik von der Bank zu bringen.
Waren die Verpflichtungen im Winter ein Signal ans Team?
Auf jeden Fall. Dass solche Kaliber gekommen sind, zeigt doch, dass es der Verein komplett wissen will. Kurz vor dem Re-Start kamen dann noch die Info, dass der Lizenzantrag für die dritte Liga eingereicht wird, und die Nachricht, dass wir in Heilbronn unsere künftige Heimspielstätte bekommen. Das hat die Gemüter beruhigt und uns Spielern samt Trainerteam einen weiteren Motivationsschub gegeben.
Stichwort Trainer: Was zeichnet Kushtrim Lushtaku neben seiner Emotionalität aus?
Er schafft es, diese Mannschaft mit ihren vielen guten Individualisten richtig anzupacken und die richtigen Personalentscheidungen zu treffen. Er ist einzigartiger Trainer, den es auf dem Markt sonst nicht gibt. Er ist eine absolute Respektsperson, der seine Linie zu 100 Prozent durchzieht. Es gibt keinen, der sich trauen würde, aus der Reihe zu tanzen.
Erinnert er Sie an Mustafa Ünal?
Ich sehe ein paar Parallelen, ja. Man kann mit jedem Thema zu ihm kommen und mit ihm darüber sprechen. Aber keiner würde es wagen, ihm auf der Nase herumzutanzen. Das war bei Musti in meiner Kickers-Zeit auch so. In einer ruhigen Minute konnte man mit ihm über alles reden. Aber wer auf dem Platz nicht mit voller Intensität mitzieht, verliert schnell den Anschluss.
Der Vertrag Ihres Trainers läuft am Saisonende aus, der von Kapitän Marco Kehl-Gomez genauso – und Ihrer auch. Wie ist der Stand?
Ich kann nur für mich sprechen. Es gab noch keine Gespräche, was bestimmt auch daran liegt, dass keiner weiß, in welcher Liga wir in der kommenden Saison spielen. Grundsätzlich spricht, Stand jetzt, aus meiner Sicht jedoch nichts gegen eine weitere Zusammenarbeit.
Sie sind ein emotionaler Spieler. Wie kommen Sie damit klar, dass Sie mit dem SGV häufig vor einer sehr überschaubaren Kulisse am Ball sind?
Mein Emotionalität ist nach wie vor da – sie gehört einfach zu meinem Spiel. Durch die Rahmenbedingungen hat sie sich vielleicht um ein paar Prozent heruntergeschraubt. Die Spiele sind zwar immer noch manchmal hitzig und brisant, aber es gibt weniger Grundhektik und weniger Nebenkriegsschauplätze. Mit einem klaren Kopf kann ich neben der Emotion auch meine anderen Qualitäten gut einbringen und mich voll auf mein Spiel konzentrieren.
An diesem Dienstag im Pokal wird es heiß hergehen. Sie kommen mit dem SGV als Favorit zum Viertelfinal-Duell.
Wer sagt das?
Zum Beispiel Kickers-Sportgeschäftsführer Lutz Siebrecht. Und schließlich kommt der SGV auch als Tabellenführer – mit immer noch satten zwölf Punkten mehr auf dem Konto als die Blauen.
Ich kenne Lutz und auch Trainer Marco Wildersinn sehr gut. Sie schieben die Favoritenrolle gerne von sich und machen ihr Team schlechter, als es ist. Die Kickers gehören mit ihrer individuellen Klasse unter die Top Fünf der Regionalliga.
Also erwartet Sie ein Fifty-fifty-Spiel?
Das wird ein Spiel auf Messers Schneide. Kleinigkeiten werden entscheiden.
Spielt es eine Rolle, dass die Kickers in der Liga tabellarisch praktisch jenseits von gut und böse liegen?
Unabhängig davon, dass wir zu 100 Prozent gewinnen wollen, glaube ich schon, dass der Pokalsieg für die Kickers wichtiger ist als für uns.
Und welche Bedeutung hat das Spiel für Sie persönlich?
Ich spiele mit meinem Heimatverein gegen meinen Herzensverein. Die Zeit in der Jugend mitgerechnet, spiele ich jetzt elf Jahre für den SGV. Mit den Kickers habe ich den Aufstieg in die Regionalliga geschafft und stand zweimal im WFV-Pokal-Finale – das waren absolute Höhepunkte. Ich habe immer alles gegeben und konnte meinen Traum leben. Ich bin brutal dankbar für die Erfahrungen, die ich in diesen vier Jahren machen konnte. Die Fans der Blauen wissen genau, dass ich sie in mein Herz geschlossen habe. Auch die Verantwortlichen kennen mich. Ich bin ein offenes Buch. Man weiß nie, was im Leben noch kom mt.
Zur Person
Karriere
Paul Polauke wurde am 11. Januar 2000 in Ludwigsburg geboren. Seine Jugendvereine waren FV Ingersheim und SGV Freiberg. In der U 19 wechselte der Innenverteidiger zum FC Ingolstadt. Dort spielte er von 2018 bis 2021 auch in der zweiten Mannschaft. Von 2021 bis 2025 trug er den Dress der Stuttgarter Kickers. Nach nur knapp zwei Monaten bei den SF Siegen schloss er sich Ende August 2025 dem SGV Freiberg an.
Persönliches
Polauke ist liiert mit Chiara Baur, der Tochter von Handball-Weltmeister Markus Baur. (jüf)