Die Vorkommnisse rund um das WFV-Pokal-Finale beschäftigen Stuttgarter Kickers, Polizei, Stadt und Verband. Das ist der aktuelle Stand.
Es war das unschöne Ende einer wenig erbaulichen Saison der Stuttgarter Kickers. Mit dem 1:4 im WFV-Pokal-Finale am 23. Mai gegen den Drittliga-Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach verpassten die Blauen einen Titel und die damit verbundene Teilnahme am DFB-Pokal.
Die sportliche Enttäuschung war schnell abgehakt. Die Spieler gingen in den Urlaub, die Verantwortlichen richteten den Blick nach vorne. Die äußerst unerfreulichen Begleitumstände werden dagegen immer noch mit aller Intensität aufgearbeitet:
Das Abbrennen von Pyrotechnik, das Betreten des Innenraums durch Kickers-Fans aus dem B-Block und die dadurch notwendige Spielunterbrechung sowie der Angriff auf Spieler Michael Kleinschrodt von der SG Sonnenhof Großaspach nach Spielende auf dem Weg zum Parkplatz. Das eingeleitete Sportgerichtsverfahren des Württembergischen Fußball-Verbandes (WFV) läuft. Genauso die Ermittlung der Täter durch die Polizei in enger Kooperation mit den Stuttgarter Kickers.
Zu diesem Themenkomplex kam Anfang dieser Woche eine Runde zusammen mit Vertretern der Kickers, der Stadt, der Polizei und des WFV. Offiziell möchte sich zu Details keiner äußern. Nach Informationen unserer Redaktion wurde konstruktiv und selbstkritisch (auch über die Schiedsrichteransetzung) diskutiert. Dabei ging es auch um das Thema, das WFV-Pokal-Finale künftig nicht mehr im Gazi-Stadion auf der Waldau auszutragen. Ein Ergebnis diesbezüglich steht noch aus.
Nicht zum ersten Mal Probleme
Mögliche Alternativen sind die Stadien in Reutlingen, Ulm und Großaspach, wo auch das Finale 2024 über die Bühne ging. Ansonsten fanden seit 2014 alle Endspiele auf der Waldau statt. Viermal mit Beteiligung der Kickers - und leider dreimal mit unschönen Begleiterscheinungen. Nicht nur gegen die SG kam es zu Ausschreitungen, auch 2017 (1:3 gegen die SF Dorfmerkingen) rasteten Teile der Fans der Blauen aus, warfen Gegenstände aufs Spielfeld und das Spiel musste für zehn Minuten unterbrochen werden.
2022 gab es nach dem 5:4-Sieg im Elfmeterschießen gegen den SSV Ulm 1846 Schlägereien mit Spatzen-Anhängern. Aus alle dem könnten sich nun Konsequenzen ergeben, was den künftigen Austragungsort betrifft. Der Namensgeber des Cup-Wettbewerbs DB Regio ist ausgestiegen, macht der WFV auch bei der Spielstätte einen Schnitt?
Dass das Gazi-Stadion im Grunde als „Berlin des WFV-Pokals“ ideal ist, steht außer Frage. Es steht in der Landeshauptstadt, in Stuttgart ist der WFV beheimatet, die Kapazität, die Infrastruktur mit Vip- und Medienräumen könnte für eine Veranstaltung dieser Größenordnung besser nicht sein.
15 Personen im Visier
Bleibt die Frage nach weiteren kurzfristigen Folgen der Ausschreitungen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es Stadionverbote geben, die sowohl den WFV-Pokal als auch die Regionalliga betreffen. In drei Stufen werden die Vergehen der rund 15 Personen eingeteilt und entsprechend sanktioniert: Fans, die auf den Zaun kletterten, die den Innenraum betraten und die Spieler auf dem Spielfeld angingen.
Getrennt davon wird die Attacke und das Ausrauben des SG-Spielers Michael Kleinschrodt behandelt. „Wir haben noch niemanden ermittelt, die Ermittlungen laufen“, heißt es auf Nachfrage dazu von Seiten der Polizei. Dass in diesem Zusammenhang in dieser Woche Hausdurchsuchungen anstehen, wurde von der Pressestelle nicht bestätigt. Unabhängig davon, ob die dem Spieler Kleinschrodt entwendete Medaille für den Pokalsieg gefunden wird, bemüht sich der WFV, die Medaille zu ersetzen.
Es dürfte eines der kleineren Probleme sein bei diesem heiklen Themenkomplex.