Seit Dienstag leitet Marco Wildersinn als Chefcoach das Training bei Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers. Davor war er zwei Jahre lang bei den Würzburger Kickers tätig. Welche Spuren hat er dort hinterlassen?
Wer sich bei den Würzburger Kickers nach Marco Wildersinn erkundigt, der hört allenthalben nur Positives über den neuen Cheftrainer des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers. Offiziell würdigte der Verein auf seiner Homepage Wildersinn nach dessen Abschied mit Worten voller Anerkennung und Wertschätzung: „Sein taktisches Geschick und seine Spielweise haben maßgeblich zum sportlichen Aufschwung des Vereins in den letzten zwei Spielzeiten beigetragen. In seiner Amtszeit hat er die Mannschaft nicht nur sportlich weiterentwickelt, sondern auch eine Kultur des Zusammenhalts und der Professionalität gefördert.“
Erfolgreicher Neuanfang
Der 43-Jährige hat die Würzburger Kickers 2022 übernommen, als der Verein am Boden lag. Der Traditionsclub hatte zuvor im Aufzug den falschen Knopf erwischt und war von der zweiten Liga ungebremst nach unten in die Regionalliga Bayern durchgerauscht. Es herrschte während der Talfahrt nicht nur eine hohe Fluktuation bei den Trainern (u.a. Bernhardt Trares, Torsten Ziegner, Danny Schwarz), auch Ex-Bundesliga-Trainer Felix Magath stieg als Berater von Investor und Hauptgeldgeber Flyeralarm während dieser Phase in Würzburg wieder aus.
Wildersinn wurde nach diesen unruhigen Zeiten zum Mann des Neuaufbaus erkoren. Und er erfüllte in dieser Schlüsselrolle die Erwartungen schneller als gedacht. Er formte ein Team, das offensiven, attraktiven und vor allem auch erfolgreichen Fußball spielte. Im Hurra-Stil legte sein Team nach seinem Amtsantritt los, Ergebnisse wie 6:0 oder 7:1 gab es nicht nur einmal. Dennoch reichte es in der ersten Saison nicht zur Meisterschaft, da die SpVgg Unterhaching am Ende sechs Punkte mehr auf dem Konto hatte.
Im 4-3-3-System
Im zweiten Regionalliga-Jahr behielt Wildersinn sein 4-3-3-System mit gepflegter Spieleröffnung bei, legte aber ein noch stärkeres Augenmerk auf die defensive Stabilität. Mit Erfolg: Die einzigen beiden Saisonniederlagen setzte es auswärts gegen die spielstarken Profinachwuchsteams des 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth. Die Meisterschaft gelang souverän mit 13 Punkten Vorsprung.
Überhaupt die zweiten Mannschaften: In den Aufstiegsspielen zur dritten Liga kam das tragische Aus gegen Hannover 96 II im Elfmeterschießen. Damit war klar, dass die Tendenz dahin geht, dass Wildersinn den Verein verlassen wird. Denn im Februar 2024 hatte er seinen Vertrag nur für den Fall des Drittligaaufstiegs verlängert. Letztendlich reizte den ehemaligen Spieler der Blauen (2005 bis 2008) die Herausforderung in Stuttgart mehr.
Diplomatisch und zurückhaltend
Was für einen Trainer man nun unterm Fernsehturm erwarten kann? Wildersinn wird aus dem Würzburger Umfeld als „immer normal geblieben“ beschrieben. Er beherrsche die Kunst der Diplomatie, er sei ein eher zurückhaltender Typ und es müsse „einiges zusammenkommen, wenn es einmal aus ihm herausbricht“, heißt es. Bei aller Umgänglichkeit, die ihn auszeichnet, bewahrt er sich stets eine gewisse Distanz.
Der Inhaber der Uefa-Pro-Lizenz gilt als gewiefter Taktiker, der junge Spieler nach vorne bringen kann, was er in seiner Zeit im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) bei der TSG 1899 Hoffenheim bewiesen hat. Ihm gelingt es aber auch, „schwierige Spieler“ in die Spur zu bringen. Ein Einzelkönner wie etwa Ivan Franjic entwickelte sich in Würzburg vom schlampigen Genie zum Vorzeigeprofi.
Der verheiratete Familienvater (ein Sohn) kommt also mit einigen Vorschusslorbeeren zum Vorjahres-Vizemeister, der an diesem Sonntag (14 Uhr) beim Landesliga-Aufsteiger TSV Bernhausen sein erstes Testspiel austrägt.
Kickers-Termine
Vorbereitung
Sonntag, 23. Juni: Testspiel beim TSV Bernhausen (14 Uhr, Fleinsbachstadion, Dombasler Str. 8, 70794 Filderstadt); Sonntag, 30. Juni: Testspiel TSG Backnang – Kickers (14 Uhr, Etzwiesenstadion in Backnang); Samstag, 6. Juli: Testspiel Kickers – FV Illertissen (14 Uhr, ADM-Sportpark oder Bezirkssportanlage Waldau); Sonntag, 7. Juli: Testspiel Kickers – 1. CfR Pforzheim (12.30 Uhr, ADM-Sportpark oder Bezirkssportanlage Waldau); Freitag, 12. Juli: Testspiel Kickers – SC Freiburg II (15 Uhr, beim SV Spielberg Am Talberg 16, 76307 Karlsbad-Spielberg); Montag, 15. Juli bis Donnerstag, 18. Juli: Trainingslager in Sonthofen; Samstag, 20. Juli: Jubiläumsturnier 125 Jahre Stuttgarter Kickers (Vorbereitungsturnier mit SSV Jahn Regensburg und FC Blau Weiß Linz, ganztägig im Gazi-Stadion auf der Waldau); Wochenende 19./20./21. Juli: 1. Runde WFV-Pokal (geplanter Auslosungs-Termin: Dienstag, 2. Juli); Wochenende 26./27./28. Juli: Erster Regionalliga-Spieltag.