In der Winterpause kam Dennis De Sousa Oelsner vom Drittligisten SSV Ulm 1846 nach Degerloch. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Die Stuttgarter Kickers haben mit Dennis De Sousa Oelsner nur einen Winterneuzugang verpflichtet. Was verspricht sich der Regionalliga-Spitzenreiter von dem Deutsch-Brasilianer für die Außenbahn? Was zeichnet den Ex-Ulmer mit der speziellen Vita aus?

Es gab solche und solche Stimmen in dieser Winterpause: Sollten die Stuttgarter Kickers die Gunst der Stunde nutzen, „all-in gehen“ und sich mit Top-Spielern verstärken, um die Aufstiegswahrscheinlichkeit in den restlichen 13 Saisonspielen weiter zu erhöhen? Oder sollte der Regionalliga-Spitzenreiter mit der erfolgreichen und eingespielten Mannschaft weitermachen, um nicht Gefahr zu laufen, eine verschworene Einheit, eine bewährte Hierarchie durcheinanderzubringen? Heraus kam so etwas wie ein Kompromiss: die Verpflichtung von Dennis De Sousa Oelsner.

 

Der schnelle Mann für beide Außenbahnen ist nicht der große Name und war zuletzt keine Stammkraft beim aktuellen Drittligadritten SSV Ulm 1846. Aber der 27-Jährige ist ein Spielertyp, den die Blauen bisher nicht in ihrem Kader hatten. „Dennis bringt sehr viel Tempo mit, geht mit seinem starken linken Fuß gradlinig in die Tiefe und ist ein sehr guter Eins-gegen-eins-Spieler“, lobt Trainer Mustafa Ünal seinen Neuzugang vor dem Testspiel gegen Bayern-Regionalliga-Spitzenreiter Würzburger Kickers an diesem Samstag (14 Uhr/Gazi-Stadion). Es ist die Generalprobe vor dem Liga-Re-Start am 2. März gegen den TSV Steinbach Haiger.

Gemeinsamer Aufstieg mit Schmidts

„Ich bin hier richtig gut angekommen und freue mich riesig, dass es jetzt losgeht“, sagt De Sousa Oelsner. Die Eingewöhnung fiel ihm leicht. Mit seinem Kumpel Marcel Schmidts ist er mit Ulm in Liga drei aufgestiegen, mit Niklas Antlitz spielte er zusammen beim FC-Astoria Walldorf, und Marc Stein kannte er als Gegenspieler aus den Duellen mit dem VfB II. Marc Stein, der Sportdirektor der Blauen, war es auch, der um die Verpflichtung des gebürtigen Brasilianers kämpfte.

„Ich hatte auch andere Anfragen aus der Regionalliga und sogar aus der dritten Liga, überlegte auch, mich in Ulm durchsetzen zu wollen, doch letztendlich war es eine Bauchentscheidung für einen ambitionierten Verein“, sagt der neue Offensivmann der Kickers. In dieser Saison war er aufgrund der gestiegenen Konkurrenzsituation bei den Spatzen nur auf sechs Kurzeinsätze gekommen, im vergangenen Aufstiegsjahr hatte ihn ein Syndesmosebandriss von September 2022 bis April 2023 außer Gefecht gesetzt – und dennoch kam er in 14 Spielen auf drei Tore. Davor hatte er in der Saison 2021/22 bei Regionalligist Walldorf mit neun Toren in 32 Spielen den größten Sprung nach vorne gemacht.

Kein NLZ besucht

Der Sohn einer brasilianischen Mutter und eines deutschen Vaters hat eine spezielle Vita vorzuweisen. In Santos geboren, kam er mit zwei Jahren nach Deutschland, dann ging es wieder zurück nach Brasilien, eingeschult wurde er dann in Krefeld, wo er in der Jugend beim KFC Uerdingen spielte. Nach dem Umzug im Alter von 13 Jahren in den Raum Mainz trug er in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter den Dress der Vereine Fontana Finthen, SV Weißenau und SV Gonsenheim. Ein Nachwuchsleistungszentrum hat er nie von innen gesehen.

Über die Rheinland-Pfalz-Oberligisten Hassia Bingen und TSV Schott Mainz schloss er sich im Sommer 2022 dem West-Regionalligisten SV Lippstadt an. Dann folgte durch die Vermittlung eines früheren Mitspielers, der in der Beratungsagentur von Ex-VfB-Profi Dennis Aogo arbeitet, der Wechsel zu Walldorf – und der ausgebildete Sport- und Betriebswirt setzte endgültig voll auf die Karte Fußball und startete durch.

Mit Ulm Vorsprung fast verspielt

Er verbindet brasilianische und deutsche Tugenden. „Die Mischung macht’s“, sagt De Sousa Oelsner mit einem Lächeln – und hofft, mit seinen Qualitäten zum Aufstieg der Blauen beizutragen. Wobei das ein hartes Stück Arbeit wird und er vor den noch ausstehenden 13 Saisonspielen warnend den Zeigefinger hebt: „Wir hatten mit Ulm letztes Jahr schon zehn Punkte Vorsprung auf Steinbach, am Ende war es dann nur noch einer.“

Spielplan

Bisherige Regionalliga-Spiele
Kickers Offenbach – Stuttgarter Kickers 0:1, Kickers – TuS Koblenz 7:0, KSV Hessen Kassel – Kickers 2:1, Kickers – 1. FSV Mainz 05 II 4:1, TSV Steinbach Haiger – Kickers 1:3, Kickers – TSG Balingen 2:2, Kickers – VfR Aalen 0:0, Eintracht Frankfurt II – Kickers 1:0, Kickers – TSG 1899 Hoffenheim II 1:0, SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Kickers 0:2, Kickers – TSV Schott Mainz 3:0, Bahlinger SC – Kickers 1:1, Kickers – FSV Frankfurt 0:0, VfB Stuttgart II – Kickers 0:2, Kickers – FC Astoria Walldorf 2:2, SGV Freiberg – Kickers 0:2, Kickers – FC 08 Homburg 2:2, Kickers – Kickers Offenbach 1:0, TuS Koblenz – Kickers 0:0, 1. FSV Mainz 05 II – Kickers 1:4, Kickers – KSV Hessen Kassel 2:1.

Nächste Regionalliga-Spiele
Kickers – TSV Steinbach Haiger (Samstag, 2. März, 14 Uhr), TSG Balingen – Kickers (Samstag, 9. März, 14 Uhr), VfR Aalen – Kickers (Freitag, 15. März, 19 Uhr), Kickers – Eintracht Frankfurt II (Samstag, 23. März, 14 Uhr).

WFV-Pokal
1. Runde: Freilos, 2. Runde: 1. Göppinger SV – Kickers 3:4 i. E., 3. Runde: TSV Weilimdorf – Kickers 0:7, Achtelfinale: TSG Backnang – Kickers 1:2 n. V., Viertelfinale: TSV Buch – Türkspor Neckarsulm (3. April, 17 Uhr), SG Empfingen – SG Sonnenhof Großaspach (3. April, 19 Uhr), SSV Reutlingen – VfR Aalen, Kickers – SSV Ulm 1846 Fußball (beide 16. April, 19 Uhr), Halbfinale: Sieger SG Empfingen/SG Sonnenhof – Sieger Kickers/Ulm, Sieger TSV Buch/Türkspor Neckarsulm – Sieger SSV Reutlingen/VfR Aalen (beide am 1. Mai), Finale 25. Mai in Großaspach. (jüf)