Ramon Gehrmann musste die Stuttgarter Kickers verlassen. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Das Aus beim Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers war sein erster Rauswurf in 23 Trainer-Jahren. Wie geht Ramon Gehrmann damit um?

Stuttgart - Den 2:0-Erfolg des Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers am Mittwochabend beim FC 08 Villingen verfolgte Ramon Gehrmann am Liveticker. „Ich habe mich sehr gefreut für die Mannschaft“, sagte der am Montag beurlaubte Trainer. „Ich habe prognostiziert, dass Mijo Tunjic treffen wird. Dieses frühe Tor hat die Mannschaft und auch er selbst gebraucht, um Sicherheit zu bekommen.“ Am Montagabend habe sich der Kapitän noch telefonisch bei ihm entschuldigt, dass er in den ersten sechs Saisonspielen leer ausgegangen war. Nach diesem Erfolgserlebnis ist sich Gehrmann sicher, dass der Torjäger und die komplette Mannschaft unter seinem Nachfolger Mustafa Ünal ins Rollen kommen wird. Auch nur ein schlechtes Wort über den Rauswurf zu verlieren, nachzutreten, schmutzige Wäsche zu waschen – all das ist nicht die Art von Ramon Gehrmann.

 

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Für ihn war das Aus bei den Kickers im 23. Trainerjahr die erste Freistellung. „Ich habe wenig Erfahrung in diesem Bereich und habe das Prozedere etwas durcheinander gebracht“, räumt er ein. Am Montagvormittag hatte er sich von den Mitarbeitern der Geschäftsstelle verabschiedet, zu diesem Zeitpunkt wussten diese noch gar nichts von der Trennung.

Fast alle waren von der Nachricht überrascht, manche schockiert. „Ich habe aus allen Bereichen viel Zuspruch erfahren. Am Montag ist mein Handy fast explodiert“, berichtet der 47-Jährige von zahlreichen Mitteilungen und Anrufen – von Fußballern, Funktionären, Mitarbeitern sowie Vertretern von Fan-Clubs. Auch die halbe Oberligakonkurrenz habe sich gemeldet, sagt der Fußall-Lehrer, „die ganze Unterstützung zeigt mir, dass ich gute Arbeit geleistet habe. Das gibt mir bei aller Enttäuschung ein gutes Gefühl.“ Letztendlich sei der Schritt für alle Beteiligten das Beste gewesen.

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Der Gymnasiallehrer am Wirtemberg-Gymnasium genießt nun erst einmal seine umfangreichere Freizeit mit seiner Frau und den beiden Kindern. Seinen Sohn Tristan (9) wird er verstärkt zu den U-10-Spielen der Kickers begleiten.

Formal läuft Ramon Gehrmanns Vertrag noch bis 2023. Wie seine Pläne aussehen? „Durch meine Lehrertätigkeit bin ich in der glücklichen Lage, nicht auf einen Trainerjob angewiesen zu sein. Andererseits bin ich dadurch geografisch gebunden“, sagt Gehrmann. Was er ausschließt ist ein Engagement in einer unterklassigen Liga, wie es zum Beispiel sein Vorgänger Tobias Flitsch beim Landesligist SC Geislingen einging. „Es wird nicht einfach, einen besseren oder ähnlich ambitionierten Club zu bekommen, wie es die Kickers sind.“

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Was die sportliche Zukunft der Blauen in dieser Saison betrifft, ist er von einem Zweikampf an der Spitze mit dem SGV Freiberg felsenfest überzeugt. Wer das Rennen als Direktaufsteiger macht? „Ich war der Trainer der Kickers und glaube an diese Mannschaft, von daher tippe ich auch auf die Blauen als Meister. Ich bin voll und ganz von der Qualität der Mannschaft überzeugt, zudem ist sie noch entwicklungsfähig.“

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Bleibt die Frage, was er von seiner Zeit in Degerloch mitnimmt? „Ich habe wahnsinnig viele nette Leute mit Herzblut kennengelernt. Sportlich habe ich bestimmt auch einiges gelernt“, sagt er. Was genau? Mit ein bisschen Zögern kommt die Antwort: „Vielleicht würde ich, was die Spielweise angeht, künftig weniger Kompromisse eingehen.“

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