Marco Wildersinn steht bei den Kickers bis 30. Juni 2026 unter Vertrag. Foto: Pressefoto Baumann

Der peinliche Abschluss einer durchwachsenen Saison ändert nichts am Plan. Die Stuttgarter Kickers gehen mit Trainer Marco Wildersinn in die neue Saison. Das sind die Gründe.

Der Saisonabschluss mit dem 1:5-Heimdebakel gegen den KSV Hessen Kassel war schlicht und ergreifend peinlich. Mit null Punkten und 2:11 Toren aus den letzten drei Spielen verabschiedete sich Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers aus einer durchwachsenen Spielzeit, in der die Tendenz nach der Winterpause fallend war. Von sechs Auswärtsspielen gingen ab Ende Februar fünf verloren. Der Rückstand der am Ende sechstplatzierten Kickers auf Spitzenreiter TSG Hoffenheim II betrug in der Abschlusstabelle satte 23 Punkte.

 

Da der Trainer nun mal die Gesamtverantwortung trägt, ist es verständlich, dass über Marco Wildersinn diskutiert wird. Beim Spiel gegen Kassel hallten „Wildersinn-raus“-Rufe durchs Gazi-Stadion. In einer Online-Umfrage unserer Redaktion, ob die Blauen mit ihm in die neue Saison gehen sollten, antworteten 69 Prozent mit nein.

Richtige Schlüsse ziehen

Das alles ändert nichts daran, dass die Kickers an ihrem Plan festhalten und mit dem 44-Jährigen, der einen Vertag bis 30. Juni 2026 besitzt, in die kommende Saison gehen. Dies wurde bei der gemeinsamen Präsidiums- und Aufsichtsratssitzung am Dienstagabend bestätigt, bei der auch Sport-Geschäftsführer Lutz Siebrecht seine Einschätzungen abgab. Der hatte schon zuvor gesagt: „Die Enttäuschung sitzt tief, aber es geht nicht darum, Schuldige zu suchen – sondern, um aus einer sachlichen Analyse konkrete Schlüsse für die kommende Saison zu ziehen.“

Nach Informationen unserer Redaktion wurde bei der Sitzung schonungslos die Situation aufgearbeitet und offen, kritisch über die Ursachen des Abschneidens gesprochen, der Trainer aber nicht als der Hauptverantwortliche ausgemacht.

Der Tenor lautete vielmehr. Die Mannschaft wurde schlecht zusammengestellt. Es fehlte an Spielern mit ausgeprägter Physis, es fehlte an Mentalität, es fehlte an Geschwindigkeit auf den Außenbahnen, es fehlte vor allem ein treffsicherer Mittelstürmer.

Mildernde Umstände

Für mildernde Umstände bei der Analyse sorgten auch die Verletzungen nach der Winterpause ausgerechnet von Schlüsselspielern wie Torwart Felix Dornebusch, Offensivmann Christian Mauersberger und Abwehrstratege Nyamekye Awortwie-Grant. Wobei sich alle einig sind: Beschämende Auftritte wie auf der Zielgeraden der Saison entschuldigen diese Begleitumstände keineswegs.

Trainer bittet um Geduld

„Wir wissen, dass wir gegen Ende der Saison nicht immer das Gesicht gezeigt haben, für das wir eigentlich stehen wollten“, drückte es Wildersinn aus. „Ich höre auch die kritischen Stimmen – und ich verstehe sie. Und ich bitte um Geduld.“

Ob diese aufgebracht wird, wird sich zeigen. Es besteht jedenfalls die Gefahr, dass Wildersinn nicht unbelastet in die am ersten August-Wochenende beginnende neue Saison geht. Dennoch soll er eine weitere Chance erhalten. Er soll die Gelegenheit bekommen, mit einem schlüssiger zusammengesetzten Kader seine Spielidee besser umzusetzen. Der Coach soll zeigen, dass er eine Mannschaft aufs Feld bringen kann, die konstanter und stabiler auftritt und nicht mehr mit Ausreißern nach unten negativ überrascht. Daran wird er gemessen.