Brian Behrendt soll die Abwehr der Stuttgarter Kickers zusammenhalten. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Die Stuttgarter Kickers bauen in dieser Regionalliga-Saison auf Brian Behrendt als neuen Abwehrchef. Was zeichnet den zweitligaerfahrenen Innenverteidiger aus? Warum war Rapid Wien ein wichtiger Club für seine Entwicklung?

Das erste Saison-Heimspiel der Stuttgarter Kickers um Punkte – das war auch für Brian Behrendt etwas Besonderes: „In den Ferien solch eine stimmungsvolle Kulisse gegen eine zweite Mannschaft zu haben, ist alles andere als selbstverständlich“, zeigte sich der der neue Abwehrchef der Stuttgarter Kickers im Rückblick auf das 2:1 gegen Eintracht Frankfurt II positiv überrascht. Etwas anderes ist der 32-Jährige aber eigentlich auch gar nicht gewohnt.

 

Sieben Jahre in Wien

Denn in all seinen bisherigen Stationen spielte die Fan-Kultur eine große Rolle: Beim Hamburger SV (in der Jugend), bei Rapid Wien (2008 bis 2015), bei Arminia Bielefeld (2015 bis 2020), bei Eintracht Braunschweig (2021 bis Januar 2024) und zuletzt beim Halleschen FC. „Was die Fan-Base und den Rückhalt durch die Zuschauer betrifft, bin ich mit meinen bisherigen Clubs wirklich gesegnet“, sagt Behrendt.

Zum ersten Mal ist der Innenverteidiger nun in der Regionalliga Südwest am Ball. Nach dem Abstieg des Halleschen FC aus der dritten Liga war er vertragslos, die Kickers griffen zu und sicherten sich die Dienste des 32-Jährigen: Als Ersatz für Niklas Kolbe (zum Zweitligisten SSV Ulm 1846), als Abwehrchef, als Führungsspieler, der die jungen Kollegen an die Hand nehmen soll. Noch läuft nicht alles rund. Beim 1:1 in Homburg sah er beim Ausgleichstreffer nicht gut aus. „Brian ist mit Verspätung bei uns eingestiegen, steigert sich aber stetig, kommuniziert viel, hat ein gutes Stellungsspiel und gute Lösungen mit dem Ball“, lobt ihn Trainer Marco Wildersinn vor dem Heimspiel an diesem Samstag (14 Uhr) gegen den Aufsteiger FC 08 Villingen.

Das alles hilft mit Blick auf Behrendts Kernaufgabe, für Kompaktheit in der Defensive zu sorgen. Dabei kommt ihm seine große Erfahrung zugute: Neben drei Bundesligaeinsätzen, die er vorzuweisen hat, absolvierte er 146 Zweitligaspiele und 46 Drittligaspiele in Deutschland. Hinzu kommen mehr als 50 Einsätze in der österreichischen ersten und zweiten Liga. Mit Bielefeld stieg er 2020 in die Bundesliga auf, mit Braunschweig 2023 in die zweite Liga. Zur Vita des in Bremervörde geborenen und aufgewachsenen Profis gehören auch sechs Europa-League-Spiele im Dress von Rapid Wien.

In die österreichische Hauptstadt war er aus dem HSV-Internat im ersten A-Jugend-Jahr gewechselt, nicht zuletzt weil seine Eltern in Wien lebten, wo sein Vater als Manager einer Bäckereikette arbeitete. Sieben Jahre blieb er Rapid treu, was er nie bereut hat: „Die österreichische Liga hat gehobenes Zweitliganiveau und ist perfekt für die Entwicklung eines jungen Spielers.“

Muskelabriss 2022

Dass es nicht zum Sprung in die deutsche Bundesliga reichte, lag auch am Verletzungspech. 2019 zog er sich einen Kreuzbandriss zu, 2022 folgte ein Muskelabriss im Oberschenkel, in Halle kam noch eine kleinere Oberschenkelblessur hinzu. Dass durch diese Verletzungen in Sachen Schnelligkeit und Spritzigkeit etwas auf der Strecke blieb, liegt in der Natur der Sache. Doch fit für die vierte Liga fühlt sich Behrendt allemal: „Ich war im Sommer erstmals vertragslos und habe mit einem individuellen Trainingsplan fleißig gearbeitet.“

Zu seinem Glück in Stuttgart fehlt nur noch die Familie. Seine Ehefrau Carina sowie die Söhne Theo (7) und Samu (4) wohnen noch in Braunschweig, die gemeinsamen Kicks im Garten mit dem Nachwuchs vermisst der Familienvater. Möglichst bald sollen sie nachkommen. Bleibt noch die Frage nach der Aussprache seines Vornamens. „In neun von zehn Fällen muss ich sie korrigieren“, sagt Behrendt mit einem Lächeln. Denn Brian wird nicht englisch, sondern dänisch – also mit „i“ – ausgesprochen, da für seine Eltern der dänische Ex-Nationalspieler Brian Laudrup als Namensgeber diente.

Der war Stürmer. Was nichts an Behrendts Kernkompetenz, dem Tore verhindern, ändert.