Die Stuttgarter Kickers sind mittendrin in der Analyse der abgelaufenen Saison. Nach einer Aufsichtsratssitzung am Dienstag muss nun das Präsidium Entscheidungen treffen. Es wäre keine Riesenüberraschung, wenn es den Trainer treffen würde.
Es gibt Menschen, die stecken eine Enttäuschung schnell weg, andere brauchen etwas länger. Rainer Lorz fiebert seit vielen Jahren mit seinen Stuttgarter Kickers mit, einschneidende Frusterlebnisse nagen an dem Präsidenten, lassen ihn körperlich leiden. Auch um den verspielten Drittliga-Aufstieg nach dem 0:3 beim FC 08 Homburg einigermaßen zu verarbeiten, brauchte er nicht nur ein paar Stunden.
Aufsichtsrat tagte
Doch inzwischen läuft die Aufarbeitung auf Hochtouren. Gespräche zwischen so gut wie allen Beteiligten fanden statt und werden fortgesetzt. Am Dienstag tagte zudem er Aufsichtsrat. Dass es dabei nicht um das Wetter über Pfingsten ging, versteht sich von selbst. Das Kontrollgremium ermunterte vielmehr das Präsidium zu einer selbstkritischen Ursachenanalyse auf allen Ebenen. Denn es waren nicht Schicksals Mächte dafür verantwortlich, dass ein Zehn-Punkte-Vorsprung auf den VfB Stuttgart II nach dem 23. Spieltag nicht über die Ziellinie gebracht wurde.
Warum also kam es nach der Winterpause beim lange beeindruckend stabilen Aufsteiger zum Leistungsabfall? Warum haben nachverpflichtete Spieler nicht gezündet? Hat der Sportdirektor die falschen geholt? Oder bekamen sie zu wenig Vertrauen vom Trainer? Warum war der Teamspirit am Ende nicht mehr so ausgeprägt wie zuvor?
Welche Konsequenzen werden gezogen?
In der Aufarbeitung stehen Trainer Mustafa Ünal, Sportdirektor Marc Stein – und die Mannschaft im Fokus. Denn bei Lichte betrachtet war die Qualität der Einzelspieler (zumal ohne den verletzten Niklas Kolbe) bei der Konkurrenz vor allem in der Breite einfach höher. Nun gilt es, nach der Analyse und dem entsprechenden Erkenntnisgewinn die richtigen Konsequenzen mit Blick auf die neue Saison zu ziehen.
Lorz ist derzeit für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Stein sagt: „Wir analysieren weiterhin gemeinsam, wir wollen ohne Zeitdruck nichts überstürzen.“ Auf der anderen Seite gibt es in Sachen Kader noch einige Baustellen. Die Mannschaft muss dringend verstärkt werden. Für den 18. Juni ist der Trainingsbeginn geplant, am letzten Juli-Wochenende (26. bis 28. 7.) beginnt die neue Regionalliga-Saison.
Ein Weiter-so – mit Ünal und Stein gemeinsam auf den entscheidenden Schlüsselpositionen – gilt als nahezu ausgeschlossen. Es wäre nicht das erste Mal in der Branche, dass es in solchen Fällen dann den Trainer trifft. Der hat noch einen Vertrag bis 2025 – und sagt zu den Diskussionen nur so viel: „Ich kann das nicht beeinflussen. Ich kann nur guten Gewissens sagen, dass wir versucht haben, das Optimale herauszuholen, und wir als Aufsteiger Vizemeister geworden sind. Da kann – bei aller Enttäuschung – nicht alles falsch gewesen sein.“