Flamur Berisha, Per Lockl, Ardi Mulaj, Felix Dornebusch (v.o.li. im Uhrzeigersinn): vier Spieler, die man sich auch in der kommenden Saison bei den Stuttgarter Kickers gut vorstellen kann. Foto: Baumann (3), Imago/Lobeca

Nicht nur der Vertrag von Trainer Marco Wildersinn läuft am Saisonende aus, auch acht Spieler sind nur bis zum 30. Juni an die Kickers gebunden. Wir geben eine Einschätzung ab.

Am 14. Januar begann bei den Stuttgarter Kickers wieder das Mannschaftstraining, am 21. Februar (14 Uhr/Gazi-Stadion) fällt mit dem Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 II der Startschuss für die restlichen 14 Saisonspiele in der Fußball-Regionalliga. Zeit genug für den Sportgeschäftsführer Lutz Siebrecht möglicherweise Gespräche mit Spielern zu führen, deren Vertrag am 30. Juni ausläuft. Wir nennen die Namen und geben eine Einschätzung ab.

 

Felix Dornebusch Der Torwart ist ein knappes Jahr nach dem Riss des vorderen Kreuzbandes am linken Knie wieder vollständig einsatzfähig. Dies bestätigte auch am 7. Januar der Test „Return to competition“ an der Beurfsgenossenschaftsklinik in Tübingen. Nun wird sich in den kommenden Wochen zeigen, wie das Knie auf die Wettkampfbelastung reagiert.

Einschätzung Hält das Knie und findet Dornebusch zu alter Stärker zurück, ergibt eine Vertragsverlängerung absolut Sinn. In den zweieinhalb Jahren bis zu seiner Verletzung erwies er sich – bis auf eine Schwächephase in der Rückrunde 2023/24 – als zuverlässiger Rückhalt, der viel Ruhe ausstrahlt. Zudem bringt der 31-Jährige die im aktuellen Team ganz besonders gefragten Führungsqualitäten mit, auf und außerhalb des Platzes. Dass er gerne bleiben würde, hat der gebürtige Wittener im Interview mit unserer Redaktion bereits geäußert: „Die Kickers und die Menschen hier sind mir ans Herz gewachsen. Ich habe schon noch was vor mit dem Verein.“

Starke Entwicklung: Kickers-Toptorjäger Flamur Berisha Foto: Baumann

Flamur Berisha Auch wenn es für das Team alles andere als berauschend lief, der Offensivmann spielt in seiner vierten Spielzeit bisher seine beste Saison im Kickers-Dress. Der 26-Jährige hat nach 20 Spielen neun Tore auf dem Konto. Zum Vergleich: 2024/25 erzielte er nur zwei Saisontore, 2023/24 gerade mal drei. Die Trefferausbeute ist längst nicht alles, doch auch sie belegt die enorme Entwicklung, die er genommen hat.

Einschätzung Völlig logisch, dass ihn die Kickers unbedingt halten wollen, zumal weiteres Potenzial in ihm schlummert. Genauso klar ist jedoch auch, dass Berisha in Anbetracht seines „besten Fußballalters“ und seines Reifeprozesses auch bei anderen Clubs auf dem Zettel steht.

Per Lockl In der Vorbereitung warf den Mittelfeldspieler ein Außenbandanriss zurück. Der bis dato unumstrittene Stammspieler verlor seinen Platz in der Anfangsformation – was auch mit der Verpflichtung von Maximilian Zaiser für die Sechserposition zusammenhing. Der 24-Jährige kämpfte sich aber wieder zurück und brachte vor allem in der Endphase des Jahres 2025 wertvolle Impulse. Lockl kann auf der Sechser- und auf der Achterposition spielen. Er ist ballsicher, technisch versiert und bringt mit seinem „strategischen Gen“ die Fähigkeit mit, das Spiel zu strukturieren. Zuletzt hat er auch in der Defensivarbeit, in der Zweikampfführung, zugelegt.

Einschätzung Für die Regionalliga ist es nicht einfach, einen besseren Spieler zu finden, weshalb die Kickers versuchen werden, ihn zu halten. Ob es für Lockl weiter nach oben reicht und es höherklassige Angebote gibt, ist die Frage.

Milan Petrovic ist mit 23 Jahren der erfahrenste Innenverteidiger bei den Stuttgarter Kickers. Foto: Baumann

Milan Petrovic In 18 von 20 Regionalligaspielen in dieser Saison stand Petrovic in der Startelf und erzielte ein Tor. Mit seinen 23 Jahren ist der gebürtige Esslinger der erfahrenste Innenverteidiger im Kickers-Kader. Er hat sich in seiner zweiten Saison bei den Blauen reingebissen, lebt von seiner Physis, ist robust und zweikampfstark und bringt auch die nötige Ruhe am Ball mit. Zulegen muss er in Sachen Kommunikation, bei der Steuerung der Abwehrkette. Auch kann er Situationen noch schneller vorausahnen, besser antizipieren.

Einschätzung Vieles hängt von den ersten Spielen nach der Winterpause ab. Baut Wildersinn im Abwehrzentrum möglicherweise auf das Pärchen Jacob Danquah und Vincent Schwab (einziger Linksfuß), die beide bis 2027 unter Vertrag stehen, würde das die Chancen für Petrovic auf eine Vertragsverlängerung natürlich nicht steigern.

David Braig In 14 Einsätzen in dieser Saison (fünf von Beginn an) erzielte der 34-Jährige zwei Tore. Mitte Oktober stand er wegen Adduktorenproblemen sechs Mal nicht im Kader. Mit Fleiß, Willenskraft und harter Arbeit kämpfte er sich auch in seiner sechsten Saison bei den Kickers wieder zurück. Braigs Qualitäten gehen über das Spielfeld hinaus. Er ist so etwas wie der „Papa der Mannschaft“, Vorbild, Ratgeber, Kitt für die Kabine, Klebstoff für den Zusammenhalt.

Einschätzung Braig wird im kommenden Juli 35, für seine Spielweise ist hundertprozentige Fitness die Voraussetzung. Von daher ist eine Vertragsverlängerung aktuell nicht besonders wahrscheinlich. Kommt der Stürmer jedoch gesund aus der Winterpause und macht regelmäßig Tore, kann sich das auch ändern.

Vergangene Saison gegen den SGV Freiberg hatte Meris Skenderovic (Mi.) noch Grund zum Jubeln. Foto: Baumann

Meris Skenderovic Was auch immer die exakten Gründe sind: Der 27-Jährige droht als eines der größten Missverständnisse in die jüngere Kickers-Vereinsgeschichte einzugehen. In dieser Saison kam der ehemalige Drittligastürmer auf keine einzige Einsatzminute in der Regionalliga.

Einschätzung Auf einen Wechsel bereits in der Winterpause deutet derzeit nichts hin. Dass es am Saisonende auseinander geht, ist sonnenklar. Es sei denn, es geschieht ein Wunder.

Marlon Faß Die Leihgabe von Zweitligist Dynamo Dresden hat sich zur Nummer eins im Angriffszentrum bei den Blauen entwickelt. Der typische Strafraumstürmer bringt Wucht, gutes Kopfballspiel und einen harter Schuss rechts wie links mit. Fünf Saisontreffer zeigen auch den Torriecher des 19-Jährigen.

Einschätzung Die Leihe endet am Saisonende. Dann wird Faß seine nächsten Schritte bei Dynamo machen.

Ardi Mulaj Der Innenverteidiger gehört zum erweiterten Kader der Regionalligamannschaft, spielt aber noch für die U19. Zweimal stand er im Team von Marco Wildersinn in dieser Saison auf dem Spielberichtsbogen.

Einschätzung Die Kickers werden den Vertrag mit dem 18-Jährigen verlängern wollen, doch auch andere Clubs haben die Fühler nach dem Talent ausgestreckt.