Der Kabelspezialist Lapp setzt seine Produkte auch im Kampf gegen Corona ein und profitiert unter anderem vom Trend zur Elektromobilität. Dennoch leidet das Lapp-Geschäft unter der Pandemie.
Stuttgart - Der Stuttgarter Hersteller von Kabel- und Verbindungstechnologie Lapp Kabel leidet wie viele Unternehmen zurzeit unter der Coronakrise. Zunächst habe sein Unternehmen im März 2020 noch den höchsten Auftragseingang in der Geschichte von Lapp verzeichnet – aus Sorge vor einem Zusammenbruch der Lieferketten hätten Kunden Hamsterkäufe getätigt, wie Andreas Lapp, Vorstandsvorsitzender der Lapp Holding AG, gegenüber unserer Zeitung sagte. Mit dem April aber hätten die ersten Bremsspuren eingesetzt, und Lapp habe die Stilllegungen von ganzen Betrieben der Kunden zu spüren bekommen – und auch teilweise selbst Produktionen zurückgefahren. Im Zuge dessen verloren 75 Lapp-Mitarbeiter vor allem in Nordamerika ihre Stelle.
Zudem gab es Schwierigkeiten und Verzögerungen bei den Lieferketten – so hätten etwa Lkw-Fahrer, die Produkte aus der Lapp-Fabrik in der Lombardei brachten, zunächst sechs Stunden warten müssen, da die Lieferpapiere aus Hygienegründen zunächst in Quarantäne kamen. Im zurückliegenden Geschäftsjahr (Ende September) sank der Umsatz um 7,7 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern ging massiv auf 29,7 Millionen Euro zurück – das sind fast 40 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Mitarbeiter sank um 1,6 Prozent auf 4575 Beschäftigte.
Lapp geht von einer nur langsamen Erholung aus
Auch die Autoindustrie – ein wichtiger Lapp-Kunde – habe im vergangenen Jahr Sorgen ausgelöst. Mittlerweile gebe aber das hervorragende Ergebnis, das Daimler trotz der Pandemie erzielt habe, Anlass zur Hoffnung, so Lapp. „Wir gehen davon aus, dass sich die Märkte nur langsam erholen werden. Ich vermute, dass wir erst, wenn der Lockdown beendet und die Bevölkerung ausreichend durchgeimpft sind, einen nachhaltigen Aufschwung spüren werden“, fasst er die Perspektive zusammen. „Wie alle Unternehmen fahren auch wir momentan auf Sicht.“
Lapp-Produkte bewähren sich allerdings auch in Pandemiezeiten. So kommen beispielsweise die Ölflex-Anschluss- und Steuerleitungen von Lapp in den Filter-Cubes und mobilen Luftreinigern von Mann + Hummel zum Einsatz. Während die Cubes weltweit gegen Feinstaub und Stickoxide im Einsatz sind, erfreuen sich die Luftreiniger zurzeit großer Nachfrage, um Viren, aber auch Bakterien oder Mikroorganismen aus der Luft zu filtern – beispielsweise in Büros oder Schulen.
Eigenes Start-up kümmert sich um Elektromobilität
Ölflex habe in der Branche einen Markenwert wie Coca-Cola und Tempo bei Konsumgütern, so Lapp. Erfunden wurde die ölbeständige und flexible Steuerleitung 1957 von Oskar Lapp, dem Vater von Andreas Lapp. Der wiederum übergibt die Führung des Unternehmens seit vier Jahren sukzessive an die dritte Lapp-Generation. Ölflex war Gründungsbasis und ist bis heute wichtiges Standbein von Lapp.
Ein weiterer Zukunftstrend, auf den Lapp setzt, ist die Elektromobilität. Mit Lapp Mobility wurde 2019 ein Start-up gegründet, das Ladelösungen und verwandte Produkte entwickelt. Ladekabel stellt Lapp bereits seit mehr als zehn Jahren her. Mobility beschäftigt 74 Mitarbeiter und rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit deutlich wachsendem Umsatz.