Stuttgarter Expertin gibt Tipps „Ohne Ehevertrag stehe ich blöd da“ – So werden Frauen in der Ehe nicht abhängig
Die Ehe bedeutet für viele Frauen immer noch finanzielle Abhängigkeit. Finanzplanerin Annika Peters empfiehlt dagegen einen Ehevertrag. Was sie in ihren eigenen geschrieben hat.
Als Annika Peters vor fünf Jahren ihren zukünftigen Mann kennenlernte, war für sie klar, dass es bei einem Thema keine Tabus geben würde: beim Geld. Als Geschäftsführerin der Frauenfinanzberatung Barbara Rojahn & Kolleginnen in Stuttgart ist es quasi ihr Job, über Geld zu reden.
Und, Frauen in die finanzielle Unabhängigkeit zu helfen. Obwohl das Thema immer prominenter wird, erkennt sie kein radikales Umdenken: „Die Entwicklung ist fast schon wieder rückläufig“, sagt die 38-Jährige. Über Geld spreche man nicht, und das traditionelle Rollenbild werde erstaunlich oft nicht hinterfragt, so ihre Erfahrung.
„Für ein Kind entschieden“ – auch das gehört zur finanziellen Planung
Sie selbst macht das ganz anders. Zielstrebig, irgendwie. Schon bevor sie ihren zukünftigen Mann kennenlernte, wusste sie: „Ich wollte auch mit Partner und potenziellem Kind weiterhin viel arbeiten“. Nach dem Kennenlernen zog sie zügig mit ihrem Partner zusammen und plante los. „Wir haben uns relativ schnell für ein Kind entschieden“, sagt sie. Ganz bewusst.
Auch das gehöre zur Kommunikation über Finanzen: „Hätten wir zwei bekommen, hätten wir eine größere Wohnung gebraucht, die berufliche Aufteilung hätte nicht mehr so geklappt, wie wir sie uns vorgestellt haben, und so weiter“, sagt sie. Finanziell natürlich ein Unterschied. Heute teilen sie sich die Betreuung ihres Sohnes recht gleichberechtigt auf: Sie arbeitet mit flexiblen Arbeitszeiten in Vollzeit, er 30 Stunden die Woche. „Jeder übernimmt zwei Nachmittage nach der Kita, an einem Nachmittag haben wir Unterstützung der Großeltern“, erzählt sie.
Als die beiden dann ihre Hochzeit im Oktober 2025 planten, entschieden sie sich für einen Ehevertrag. Selbst für sie sei es komisch gewesen, mit ihrem Mann zu besprechen, was passiert, wenn sie sich scheiden lassen – quasi, während sie ihre Flitterwochen buchten.
„Ich würde auch lieber Tischdeko aussuchen“, sagt sie. Sie hätten das Gespräch mehrmals anfangen müssen. „Aber das Schöne ist, dass wir wissen: Was wäre, wenn“, sagt sie. Bei vielen Paaren würden solche Gedanken spätestens dann aufkommen, wenn die ersten Scheidungen im Freundeskreis anstünden.
Denn das Risiko, dass die Ehe nicht funktioniert, sei nun mal existent. In Baden-Württemberg wurden laut Statistischem Landesamt im Jahr 2023 knapp 48 000 Ehen geschlossen – und gut 15 700 geschieden. „Dann stehe ich als Hausfrau ohne Ehevertrag ziemlich blöd da“, sagt Peters.
Wie geht das mit dem Ehevertrag also? Um sicherzustellen, dass er für beide Partner fair ist, empfiehlt sie, dass beide einen Anwalt nehmen. Die könnten nämlich immer nur eine Person vertreten, nicht beide. Der Notar, der den Vertrag aufsetzt, berate normalerweise nicht. „Auch wenn der Partner einen Vertrag vorlegt, sollte man ihn sich noch mal von der Anwältin erläutern und gegenchecken lassen“, sagt Peters.
Ehevertrag ist teuer – „Aber eine Scheidung ist teurer“
„Obwohl das nicht günstig ist“, fügt sie hinzu. So ein Ehevertrag koste ein paar Tausend Euro. „Aber eine Scheidung ist teurer.“
Letztlich kann man drei Dinge im Ehevertrag regeln:
- Versorgungsausgleich
- Vermögen
- Unterhalt
Versorgungsausgleich
Nach der gesetzlichen Regelung werden die Rentenansprüche, die jeder während der Ehe angesammelt hat, am Ende aufgeteilt. Annika Peters und ihr Mann haben in ihrem Ehevertrag keinen Versorgungsausgleich festgelegt. „Aufgrund unserer gleichmäßigen Aufteilung sind wir beide in der Lage, unsere Altersvorsorge selbst aufzubauen.“ Außerdem sorgt sie privat vor, weil sie selbstständig ist, ihr Mann hat eine gesetzliche Rente und betriebliche Altersvorsorge. Das auszugleichen, wäre kompliziert und teuer.
Weil sie findet, dass man auch für Carearbeit eine Altersvorsorge bekommen sollte – Hausfrauen seien ja quasi „selbstständige Familienmanagerinnen“ –, hat sie das mit ihrem Mann ebenfalls geregelt. Er hat im ersten Jahr mehr Arbeitszeit reduziert und mehr Elternzeit genommen. „Ich habe nachgerechnet, wie viel ihm in der gesetzlichen Rente fehlen würde, und das mit einer Zahlung in seine Altersvorsorge ausgeglichen“, sagt Annika Peters.
Vermögen
Nach der gesetzlichen Regelung wird das Vermögen, das während der Ehe hinzugekommen ist, bei einer Scheidung 50/50 aufgeteilt. „Bei uns war das vor allem problematisch, weil es in seiner Familie eine Immobilie gibt“, sagt Annika Peters.
Die sei zwar zu Beginn der Ehe schon in sein Vermögen eingebucht worden. Würde sie im Wert steigen, stünde ihr im Scheidungsfall aber die Hälfte davon zu. „Das würde ihn eventuell in finanzielle Nöte bringen“, sagt sie. Denn das Geld hat er ja nicht auf dem Konto – es steckt in der Immobilie.
Unterhalt
Die Frage nach dem nachehelichen Unterhalt – also, ob ein Partner vom anderen Geld bekommt, etwa weil er sich um das Kind kümmert und deshalb weniger arbeitet – spielt bei Annika Peters keine Rolle. „Weil jeder sein Einkommen hat und unser Kind schon größer ist.“ Beide können also genug Erwerbsarbeit leisten, um über die Runden zu kommen. Allerdings klärten sie im Ehevertrag, wie sie die Finanzen regeln würden. „Im Fall einer Scheidung tragen wir die Kosten gleichmäßig.“
Das steht also in ihrem Ehevertrag drin. Aber wer braucht so etwas eigentlich? „Ich finde, es ist immer ein Blick wert. Denn letztlich gehen die Leute zum Standesamt und akzeptieren automatisch rund 300 Paragrafen Eherecht aus dem BGB, die die meisten nie gelesen haben“, sagt sie. „Ein Ehevertrag bedeutet: Wir entscheiden uns bewusst für eigene Regeln – statt für die gesetzlichen.“
Ein absolutes Muss sei es, wenn ein Partner ein Unternehmen (mit-)besitzt. Oder wenn die Ehepartner unterschiedliche Nationalitäten haben, weil dann auch das Recht des anderen Landes gelten könne.
Auch wenn Immobilien im Spiel oder Erbschaften zu erwarten sind, sei ein Ehevertrag sinnvoll. „Also immer, wenn Ungleichgewichte da sind“, sagt Peters. Währenddessen bräuchten zwei Beamte eher keinen Ehevertrag. „Oder wenn ich zwei, drei Jahre in Elternzeit gehe und dann wieder in den Job einsteige, den Fuß aber drin behalte, würde ich überlegen, ob es wirklich nötig ist.“
In ihrer Laufbahn hat sie immer wieder mitbekommen, dass es bei Diskussionen zum Ehevertrag Stress gibt. Ein Warnzeichen. „Wenn über Kleinigkeiten diskutiert wird, stimmt häufig was nicht“, sagt sie. Einmal habe sie einer Frau eine Altersvorsorge empfohlen, weil sie in Teilzeit arbeitete. „Sie hat mich gefragt, ob ich das ihrem Mann beibringen könnte“, erzählt Peters. Sie habe damit kein Problem, sagt sie. „Aber ich habe auch schon erlebt, dass solche Ehen scheitern.“
Aus finanzieller Abhängigkeit könne schnell finanzielle Gewalt werden, sagt Annika Peters. „Wenn die Frau Haushaltsgeld zugeteilt bekommt und ja nicht mehr ausgeben darf“, sagt sie, „und die Verträge der Frau stillgelegt werden“. Von diesen Beispielen gebe es viele. Deshalb liebt sie ihren Job so sehr: Weil sie solchen Frauen helfen, und so einen echten Mehrwert schaffen kann.